Amphibien

Wenige Amphibien-Wanderungen

Zum Wohl der Amphibien: Hans Hofmann kümmert sich um die mobile Anlage an der Steinheimer Straße.
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Zum Wohl der Amphibien: Hans Hofmann kümmert sich um die mobile Anlage an der Steinheimer Straße.

Die Wanderungen der Kröten, Frösche und Molche im Wald stoppen mit dem ausbleibenden Regen.

Mühlheim – Mit dem einsetzenden Frühsommer und dem ausbleibenden Regen stoppen die Wanderungen der Kröten, Frösche und Molche im Wald. Diese sind in den vergangenen zwei Monaten von ihrem Überwinterungsplatz zu den verschiedenen Laichgebieten gezogen und waren beim sicheren Überqueren der Straße auf viele Helfer angewiesen.

Hans Hofmann schließt sein Rad an einer Schranke am Ortsausgang Lämmerspiel ab. Mit einem Eimer in der Hand und einer Matte zum Knien ist der ehrenamtliche Helfer zusammen mit Thomas Mann vom NABU auf dem Weg ins Laichgebiet. Die beiden wollen dort Amphibien einsammeln. Die Tiere wandern an der Steinheimer Straße immer von Lämmerspiel in Hausener Richtung. Es wird vermutet, dass das Nahrungsangebot auf Mühlheimer Seite besser und die Möglichkeiten abzulaichen auf Hausener Seite angenehmer sind. Dennoch ziehen Amphibien immer zu der Stelle zurück, an der sie selbst das Licht der Welt erblickt haben.

Seit mehr als 20 Jahren betreibt die Stadt die Amphibienschutzanlage an der Lämmerspieler Straße, seit zwölf Jahren die mobile Variante an der Steinheimer. Beide werden während der Wanderzeit von Ehrenamtlern, unter anderem NABU-Mitgliedern, betreut. In guten Jahren – etwa 2015 und 2016 – werden an der Lämmerspieler Straße über 1800 und an der Steinheimer mehr als 2600 Amphibien zum Laichgewässer gebracht, informiert die Stadt.

Die mobile Anlage besteht aus Stäben, die jedes Jahr vom Verein Zugpferd in den Waldboden gesteckt werden, worüber dann auf rund 300 Metern eine grüne Plane gespannt wird, erläuert Mann, während er die Anlage betrachtet. Dort, wo der Boden es ermöglicht, sind mit einem Stock versehene Eimer versenkt. Tiere, die nicht in den Eimer gehören, können über den Stock flüchten, berichtet Mann weiter.

Fünf Amphibienarten tummeln sich auf der Anlage. Den Hauptanteil an den Mühlheimer Zäunen machen Grasfrösche aus, es werden aber immer auch einzelne besonders seltene Springfrösche und Erdkröten beobachtet. Auch zwei Molcharten werden jedes Jahr über die Straßen getragen.

Die mobilen Zäune bieten zudem den Vorteil, dass man die Tiere zählen kann. Über die Jahre konnte die Stadt so Statistiken über die verschiedenen Amphibien sammeln. „Das geht bei Anlagen mit Tunneln nicht“, betont Anne Schleißner, städtische Sachgebietsleiterin Umwelt und Freiraum sowie seit 20 Jahren Organisatorin der Aktion. Mann lobt: „Eine tolle Zusammenarbeit.“

Ob Gras- und Springfrösche oder Erdkröten – die Zahlen schwanken jährlich. Doch seit den sehr heißen und trockenen Sommern der vergangenen Jahre ist ein Zurückgehen der Tiere zu beobachten, die Gesamtanzahl der an den Anlagen gefangenen Tiere geht stark zurück (Lämmerspieler: 401, Steinheimer: 515). Auffällig sei in diesem Jahr die erstaunlich hohe Anzahl von 130 Molchen, teilt die Stadt mit. An der Steinheimer Straße hingegen, seien die Ergebnisse schlechter: Dort konnten nur knapp 50 Frösche gezählt werden, laut Stadt ein Sechstel der Vorjahressumme. Bei den Molchen sei der Rückgang mit einem Drittel etwas geringer, aber doch spürbar.

Die Aktion ist seit Wochenbeginn beendet, die Eimer sind ausgebaut. „Dieses Jahr sind aus den bekannten Gründen sehr wenig Amphibien durch das Gebiet gewandert“, erklärt Anne Schleißner. Die ungünstigen Witterungsverhältnisse und das Fehlen der Laichtümpel, machten sich bemerkbar. Nicht nur Mann und Hofmann hoffen, dass die Zahlen bei günstigeren Bedingungen im kommenden Jahr wieder steigen.

VON JAN-NIKLAS EICKHOFF

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