„Wir machen uns da keine Illusionen“

Mühlheims Schanz-Team überdauert die Schließzeit mit Neuerungen und hofft auf „Normalbetrieb“

Warten auf den Neustart im Schanz: Die beiden Main-Schwein-GmbH-Geschäftsführer Andreas Jung (von links) und Yannic Bill mit Mitarbeiterin Leandra Nagel und Koch Tobias Schmitt. 
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Warten auf den Neustart im Schanz: Die beiden Main-Schwein-GmbH-Geschäftsführer Andreas Jung (von links) und Yannic Bill mit Mitarbeiterin Leandra Nagel und Koch Tobias Schmitt. archiv

Ein hartes Jahr liegt hinter dem Schanz. Auch aktuell ist Mühlheims Kulturtempel am Bahnhof mehr oder weniger verwaist. Keine Musik, keine Lesungen, keine Podiumsdiskussionen und auch kein Essensangebot. Für die Macher scheint die Zeit mal wieder stillzustehen, nachdem sie im Sommer und im Herbst allerhand Anstrengungen unternommen hatten, um unter Abstands- und Hygieneregelungen zumindest Programm auf halbmast fahren zu können. Auch das ist seit November vorbei. Wie und wann es wieder losgehen kann, steht noch in den Sternen. Bei der aktuellen Pandemie-Lage und einer Sieben-Tage-Inzidenz von fast 200 in der Stadt erscheint ein baldiger Neustart eher unwahrscheinlich.

Mühlheim – „Wir werden es schon irgendwie schaffen“, sagt Yannic Bill, neben Andreas Jung Geschäftsführer der das Schanz betreibenden Main-Schwein GmbH, mit Blick auf die Zukunft. Die Hilfen vom Staat erreichen das Schanz zwar später als angekündigt, „aber sie kommen so langsam und das ist auch gut so“, sagt der 28-Jährige und spricht von einem zeitweisen Hin und Her. Aber neben lokaler Unterstützung braucht es auch staatliche Hilfe.

Von der sind auch die Festangestellten des Schanz abhängig. Deren Situation bedrücke die beiden Geschäftsführer am meisten, sagt Bill. Zwar beziehen die Festangestellten Kurzarbeitergeld, aber befinden sich in einer ungewissen Lage. Weil eben keiner weiß, wie es weitergeht. „Wir versuchen ja auch immer, ein sozialer Arbeitgeber zu sein, daher sollten unsere Mitarbeiter so schnell wie möglich aus der Kurzarbeit raus“, betont der Geschäftsführer. Immerhin haben bislang alle im jungen Team dem Schanz die Treue gehalten. Auch die 450-Euro-Jobber hätte er gerne unterstützt, „aber die können wir leider nicht durchbringen“.

Ihm ist klar, selbst wenn das Schanz wieder öffnen dürfe, könne man wohl erst mal nicht „effizient und kostendeckend“ arbeiten. Auch das werde eine finanziell problematische Zeit: „Wir sind nicht darauf ausgelegt, Viertellast zu fahren.“ Klar, man sei man eine Kultureinrichtung in der es nicht in erster Linie um Geld gehe, sondern darum, den Bürgern gute Kultur und Gastronomie zu bieten, sagt Bill. Andererseits sei man aber auch ein normaler Betrieb, der wirtschaften müsse. Die finanzielle Lage werde sich erst wieder entspannen, wenn das Schanz Normalbetrieb fahren könne.

Auch für den Februar gebe es theoretisch die ein oder andere Veranstaltung im Kalender, „aber wir machen uns da keine Illusionen“, betont Bill, der davon ausgeht, frühestens im März oder April langsam öffnen zu können.

Dennoch habe die Zeit der Schließung auch Gelegenheit gegeben, einiges Neu zu erfinden. Der Verein „eigenart“ bekomme etwa einen neuen Backstage-Bereich durch das Bundeskonjunkturprogramm „Neustart“. Es werde alles größer und weitläufiger, sodass die Künstler Abstände besser einhalten können. Auch wurde der Biergarten umgestaltet und im Hof klar Schiff gemacht. Also eigentlich alles bereit für einen erneuten Neustart in Mühlheims Kulturtempel.

(Von Ronny Paul)

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