Bebauungsplan umreißt Möglichkeiten

Wohnungen mit Bachblick

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Der Entwurf des Bebauungsplans für das Gebiet zwischen Friedens- und Dammstraße, Bahnhofstraße und Rodau. „WA“ steht für Allgemeine Wohngebiete, „MI“ für Mischgebiete, in denen auch Gewerbe möglich ist. Aber längst nicht jedes. Flächenfresser sind tabu. VERGRÖSSERTE ANSICHT

Mühlheim - Dass neben dem Mühlheimer Rathaus die Post abging, ist Jahre her. Der Gelbe Riese machte sein Angebot kleiner und seine Flachbau-Filiale an der Friedensstraße 2007 dicht; jetzt ist eine Videothek drin. Von Marcus Reinsch

Sprich: Der Standort dümpelt mit der benachbarten Rodau um die Wette. So bleiben wird das perspektivisch nicht.

Die Politik soll im nächsten Stadtparlament über den Entwurf des Bebauungsplans mit der Nummer 77 und dem schönen Namen „Straßenmühle“ entscheiden. Der erklärt das Areal zwischen Rodau im Westen, Friedensstraße im Norden, Dammstraße im Süden und Bahnhofstraße im Osten als brauchbar für „Wohnen, zentrenorientierte Dienstleistungen und Einzelhandel mit zentrenrelevanten Wagen“. Er spricht von einer „aufgelockerten Struktur aus einzelnen Gebäuden“ entlang der Rodau.

Sprich: ein bisschen mehr Wohnen soll’s werden, ein bisschen mehr Einkaufen - und ein bisschen mehr Natur: Denn die Uferzone der größtenteils schon schön renaturierten Rodau ließe sich gleich gen Osten erweitern. Zugleich ist daran gedacht, den Weg entlang der dann flachen und dann öffentlich zugänglichen Uferböschung gen Süden fortzusetzen.

Gebrauchtwagenhandel, Baustoffhandel und Lagerflächen ausschließen

Wichtig: Ein Bebauungsplan bedeutet noch nicht, dass wirklich in Kürze etwas gebaut wird. Er ist im Grunde erstmal ein Regelwerk, aus dem interessierte Investoren lesen können, was erlaubt ist und was nicht. Gerade letzteres ist elementar, um böse Überraschungen zu vermeiden. Dass sich beispielsweise Lebensmittelkonzerne, Logistikunternehmen, Spielhöllen und andere Flächen- oder Attraktivitätsfresser an Orten breitgemacht haben, wo angesichts vertaner Chancen Stadtentwicklern die Tränen in die Augen schossen, ist schon oft passiert. Und oft nach langwierigen Gerichtsverfahren, weil Städte nicht beizeiten formuliert hatten, was wo verboten ist.

Dem ehemaligen Postgelände und seinem Drumherum soll das nicht passieren. Der Bebauungsplan will beispielsweise Gebrauchtwagenhandel, Baustoffhandel und Lagerflächen ausdrücklich ausschließen.

Andersrum wird bei der Definition des Erlaubten nicht alles über einen Kamm geschoren. Größtenteils ist das Gebiet bekanntlich längst voll. Da ist also nicht eine Bebauung an einen Plan anzupassen, sondern ein Plan an eine Bebauung. Entlang des südlichen Bahnhofstraßenstummels, wo Läden sind, wird’s ein sogenanntes Mischgebiet, in dem Handel und Wohnen erlaubt ist. Gleiches gilt für den Block mit dem ausrangierten Kino an der Dammstraße, die erste Zeile entlang der Friedensstraße und die Ausbuchtung für die Schreinerei.

Der Rest wird „Allgemeines Wohngebiet“, in dem neue Häuser maximal zwölf Meter hoch sein dürfen. Das wird wohl vor allem entlang der Rodau interessant. Dort können einerseits Immobilien entstehen, die „zur qualitätsvolleren Seite“, dem Bachufer, ausgerichtet sind. Andererseits bliebe immer noch etwas Platz für zusammen rund 850 Quadratmeter zusätzliche Natur pur entlang der Rodau, die als Ufer oder als Hausgärten angelegt werden können.

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