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Workshop mit Großkaliber

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Bereits zum dritten Mal lud die Schützengemeinschaft Mühlheim-Dietesheim zu einem Workshop ein. Wer Waffenbesitzer ist und das auch bleiben möchte, muss zum Beispiel mindestens 18 Mal in einem Jahr auf einer solchen Anlage schießen.

Mühlheim - Wer ahnungslos das Gelände der Schützengmeinschaft Mühlheim-Dietesheim am Ende des Pfaffenbrunnenwegs im Wald betritt, zuckt erst mal. Plötzlich knallt es hinter einer Wand mehrfach los. Von Stefan Mangold 

Hier üben die Schützen mit Pistolen und Revolvern, die in den USA so ziemlich jeder kaufen kann – und in Deutschland zum Glück nur Leute, die wissen, was sie tun. Im Vereinshaus der Schützengemeinschaft Mühlheim-Dietesheim bereiten die Eheleute Sandra und Oliver Dittel das Mittagessen für die zehn Teilnehmer des Workshops für Großkaliberschützen vor. Solche Schusswaffen dürfen hierzulande nur die Wenigsten besitzen. Sportschützen gehören dazu. „Wer aber nicht mindestens 18 Mal pro Jahr auf einer Anlage schießt, muss seine Waffe bei der Behörde abgeben“, berichtet Dittel. Denn wer nur ab und zu auftaucht, gilt nicht mehr als Sportschütze und verliert die Lizenz.

Die Kontrolle üben die Vereine aus, die jedes Schießen protokollieren. Eine Waffe darf nur erwerben, wer einem Club mindestens zwölf Monate angehört und ein Führungszeugnis ohne Eintrag vorlegen kann. Die Schützen dürfen die ungeladene Waffe zu Hause nur aus dem Safe nehmen, um sich damit auf dem kürzesten Weg zum Schießstand zu begeben.

Dort tragen alle einen Gehörschutz. Zum einen ist das Vorschrift, zum anderen käme ohnehin keiner von Verstand auf die Idee, darauf zu verzichten. Es knallt beachtlich. „Im Wettkampf benutzen manche noch zusätzlich Ohropax“, erzählt Thomas Baier, der Mann, der den Workshop leitet. Die Teilnehmer kommen vom Jagdclub Darmstadt, vom Schützenverein aus Nieder-Eschbach und den Lufthansa-Sporschützen. Die Waffen nennen sich Revolver „Kaliber .357 Magnum“, „.44 Magnum“ oder Pistole „9mm“. Niemand von denen, die auf die 25 Meter entfernte Zielscheibe schießen, ist Anfänger. Das lässt sich an den Ergebnissen ablesen.

Die meisten, die bei der Bundeswehr mit einer „Walther 9mm“ schossen, machten zumindest anfangs die Erfahrung, dass es die Waffe bei jedem Schuss nach oben reißt und die Kugel einen halben Meter neben dem anvisierten Ziel einschlägt. Einer der Schützen trifft fast nur die beiden inneren Ringe. Viel besser geht es nicht.

Baier moniert allgemein das „Nachhalten“. Das bedeutet unter anderem, dass nach der Abgabe eines Schusses der Abzug gedrückt bleibt. Erst dann löst sich der Finger langsam, bis ein Klicken des Zuges zu hören ist. Das konzentrierte Nachbereiten des letzten Schusses fließt in die Vorbereitung zum nächsten ein. Binnen 20 Sekunden sind im Wettkampf fünf Schüsse abzugeben. Wer es schafft, die Zeit möglichst bis zur letzten Sekunde auszunutzen, trifft in der Regel mehr Ringe. Die Schützengemeinschaft veranstaltet bereits den dritten Workshop dieser Art. Der erste im vergangenen September war schon nach wenigen Tagen ausgebucht. Beim zweiten im November sah es genauso aus wie zuletzt: Alle Schießplätze waren belegt.

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Thomas Baier agiert nicht nur seit 17 Jahren als Vorsitzender des Vereins, sondern auch als ausgebildeter B-Trainer im Leistungsschießen. Der Polizist trainierte auch schon im Dienst Kollegen am Schießstand. „Um optimal zu treffen, gibt es keinen Königsweg“, betont der 52-Jährige, der dem Verein seit 38 Jahren angehört.

Als Beispiel, wie der Weg ins Ziel nicht nur nach einer Methode funktionieren kann, erzählt Baier von der „Kreuzdominanz“ eines Teilnehmers, „er schießt mit rechts, zielt aber mit dem besseren linken Auge“.

Morgens nach dem gemeinsamen Frühstück hatte Baier im theoretischen Teil von der richtigen Atemtechnik erzählt, von der „Auftakt-, Arbeits-, und Auslösephase“. Der Druck wird so langsam auf den Abzug erhöht, „dass einen selbst der Schuss überrascht“.

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