Die abschreckende Nummer

Zahl der Fahrrad-Diebstähle ist ordentlich gesunken

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Thomas Gelling (r.) und Gerald Glatt gravieren ein Rad nach dem anderen. Oberkommissar Dirk Schlosser erklärt, was Dieben ihr Handwerk erschweren kann.

Mühlheim - Sicher ist sicher: Eine Gravur im Rahmen ist zwar kein garantierter Schutz vor Diebstahl. Aber sie kann abschrecken. Außerdem hebt die Nummer die Chance, ein geklautes Rad noch einmal wiederzusehen. Von Stefan Mangold 

Um 10 Uhr geht es am Samstag vor der Polizeistation am Rathaus los. Drei Stunden später liegt schon das 32. Fahrrad auf dem Bock. Gerald Glatt, Armin Reitz und Thomas Gelling vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) gravieren in die Rahmen eine Ziffernfolge. Codierung nennt sich das. Ein bisschen erinnert der Vorgang an Westernfilme, wenn die Rinder das Brandzeichen bekommen. Der Zweck ist der gleiche. Wer sich eine Nummer geben lässt, muss einen Kaufbeleg zeigen. Natürlich könne das nicht mehr jeder nach zehn Jahren, erklärt Thomas Gelling. Zur Not geht also auch eine eidesstattliche Erklärung, dass einem das Rad wirklich gehört, samt Vorlage des Personalausweises.

Seit zehn Jahren organisiert der ADFC in Zusammenarbeit mit der Polizei die Aktion in Mühlheim. Auch schon, bevor die Saison richtig losgeht. Renate Lauffenburger braucht als ADFC-Mitglied fünf Euro für die Codierung auf den Tisch legen. Die anderen bezahlen Randolf Koeser das Doppelte pro Gravur. Lauffenburger erzählt von ihrem Ärger, als ihr vom eigenen Hof ein ab-, aber nicht angeschlossenes Rad abhanden kam. Die Codier-Aktion verhindert natürlich keinen Diebstahl per se. Aber die Frau hofft nicht zu Unrecht, die Tätowierung könnte den einen oder anderen Dieb abschrecken, der vorhat, damit hierzulande durch die Walachei zu radeln. „Irgendwo in Osteuropa ist die Nummer natürlich egal“.

Nicht so ganz, wie Oberkommissar Dirk Schlosser anmerkt. Letztens hätten die Kollegen aus Ungarn ADFC-Nummern von konfiszierten Rädern durchgegeben. Der Diebstahl der Drahtesel habe im letzten Jahr in Mühlheim von einem hohen Stand um etwa ein Drittel nachgelassen, schätzt Schlosser. Die Polizei vor Ort habe sich dem Problem verschärft angenommen und besonders am Bahnhof die Augen offen gehalten.

Ein routinierter Ordnungshüter kennt seine Pappenheimer. Man ahnt, wenn eventuell nicht alles koscher ist. Das kann der Fall sein, wenn der Typ auf dem Fahrrad partout nicht zu seinem Untersatz passt. Eine leicht abgerissene Gestalt, die nicht nur intensiven Kamillenteekonsum vermuten lässt, auf einem Rad zu sehen, das einen vierstelligen Betrag gekostet haben dürfte, bedingt Skepsis.

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Geht der Polizei ein Fisch ins Netz, könnte einer wie Dirk Schlosser dessen Antworten soufflieren, wenn er die Frage gestellt bekommt, warum die Rahmennummer abgeschliffen ist, aus welcher Quelle das Fahrrad stammt. „Habe ich auf dem Flohmarkt in Offenbach gekauft“, lautet das Mantra.

Die Polizei erwischt auch Diebe, die mit einem Rad mit ADFC-Nummer unterwegs sind. Wie mit einem Autonummernschild lässt sich der Eigentümer sofort ermitteln. „Hat mir mein Kumpel geliehen“, lautet eine andere Ausrede. Dann müsste es sich bei dem Kumpel um einen ziemlich vertrauensseligen Zeitgenossen handeln. Die Bekanntschaft kann aber nur von flüchtiger Natur sein. Den Namen des Besitzers kann der Typ, der es sich lediglich geliehen haben will, leider nicht nennen: „Den weiß ich nicht“, heißt es dann, bevor die Polizei die Personalien aufnimmt und den Fall an den Staatsanwalt leitet.

Manche Zeitgenossen ziehen die Aufmerksamkeit von selbst auf sich, indem sie beim Anblick eines Polizeiwagens ihr schlechtes Gewissen dokumentieren und sich wiederholt nervös umdrehen. Die verschärften Kontrollen sprechen sich herum, vermutet der Oberkommissar. Laut Statistik hält das nun manchen Fahrraddieb ab, in Mühlheim auf Beutezug zu gehen.

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