Zeit zum Renovieren genutzt

Frau-Mutter-Kind-Verein startet mit Kindergartenbetrieb –  Treffs ruhen vorerst

Die Protagonisten des Vereins: Felicitas Bader-Giangrasso (von links), die pädagogische Leiterin Beate Jung, Claudia Ferraro und Vorsitzende Cornelia Joob. Foto: man
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Die Protagonisten des Vereins: Felicitas Bader-Giangrasso (von links), die pädagogische Leiterin Beate Jung, Claudia Ferraro und Vorsitzende Cornelia Joob. 

Der Verein „Frau-Mutter-Kind“ lässt die Arbeit auch während Corona nicht ruhen. Während dieses Stillstands hielt man Kontakt zu den Familien, organisierte Spiele für die Kinder und brachte das Gebäude auf Vordermann. 

Mühlheim – Der Kindergarten lief dieser Tage wieder an, die sonstigen Angebote fallen vorerst noch aus.

Das, was Felicitas Bader-Giangrasso ausspricht, dürfte fast jeder für seinen Bereich genauso empfunden haben, „wir konnten uns nicht vorstellen, dass keine Kinder mehr kommen“. Dann herrschte zweieinhalb Monate fast vollständige Leere, bis auf die drei Kinder von Müttern aus sogenannten systemrelevanten Berufen.

Den Kindergarten gründete der Verein 2013. Bis dahin hatte die Immobilie an der Hallgartenstraße als Nachmittagshort der Goetheschule gedient. Die Stadt bot dem Verein „Frau-Mutter-Kind“ das frei gewordene Domizil unter der Bedingung an, dass man einen Kindergarten mit 25 Plätzen eröffnet.

In der Zeit fast ohne Kinder legte niemand die Füße auf den Tisch, schon gar nicht die Erzieherinnen. Die Räume wirken topp renoviert. Keine pochte darauf, dass in ihrem Arbeitsvertrag eines ganz bestimmt nicht steht: das Streichen von Wänden. Das Team nutzte auch die Zeit, um sämtliche Spiele und Bücher zu katalogisieren.

„Den Kontakt mit den Kindern haben wir über die schwere Zeit gehalten.“ Kassiererin Felicitas Bader-Giangrasso berichtet etwa von der Stadtrallye für die ganze Familie, die Erzieherinnen entworfen hatten. Finanzverwalterin Claudia Ferraro weiß, wovon sie spricht, wenn sie betont, „so lassen sich die Kinder wieder mal anderthalb Stunden beschäftigen“.

Vor allem für viele Mütter dürften die vergangenen Monate eine Zerreißprobe gewesen sein. Auch für jene, die theoretisch von zu Hause am Laptop arbeiten konnten, was mit Kleinkindern praktisch kaum funktioniert. Nach dem, was Ferraro und Bader-Giangrasso beobachteten, gelang es im Umfeld von „Mutter und Kind“ aber den meisten Eltern, sich zu arrangieren, „nach drei Wochen spielte sich das ein“. Vielfach auch, weil sich die Kinder nach zwei Wochen Quarantäne zumindest für Stunden an die Großeltern delegieren ließen. Einmal die Woche konnten Familien in der Hallgartenstraße vorbeikommen, um sich Spiele und Bücher auszuleihen.

Mit den Räumlichkeiten hat der Verein großes Glück, weshalb sich der Regelbetrieb wieder fast komplett aufnehmen ließ. Im Einklang mit allen Vorschriften betreuen die Erzieherinnen aktuell zwei strikt getrennte Gruppen à zehn Kinder.

Die anderen Angebote, die den Kern des 1977 gegründeten Vereins ausmachen, müssen noch ruhen. So wie etwa der Frühstücktreff dienstags und freitags zwischen 9.30 Uhr und 11.30 Uhr, den vor allem Mütter besuchen, deren Nachwuchs für den Kindergarten noch zu jung ist.

Mittlerweile tauchen dort auch Väter auf, ohne Gefahr zu laufen, isoliert in der Ecke sitzen zu müssen. Denn auch Frauen haben Probleme, sich von alten Rollenbildern zu lösen. Seit auch Väter die Möglichkeit zur Elternteilzeit nutzen, verändere sich das Bewusstsein jedoch, beobachten die beiden Aktivistinnen aus dem Vorstand.

An eine Anlaufstelle wie die „Baby- und Stillberatung“ können sich auch Schwangere wenden. Dort erfahren Mütter etwa, dass es die Nerven aller schont, wenn sie warten, bis der Säugling von allein die Augen zum Träumen schließt, anstatt ihn schon abends um sechs frustriert in den Schlaf jammern zu wollen. Das Beratungsangebot gilt vor allem als Möglichkeit, Frauen kennenzulernen, denen es ähnlich geht. (VON STEFAN MANGOLD)

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