Projekt der Goetheschule

"Zirkus for Kids" versetzt Zuschauer in Wechselbad der Gefühle

+
Die Vorbereitungen starteten bereits im vergangenen Jahr. Rund 20.000 Euro kostet das Zirkus-Projekt, einen Großteil davon übernahm der Förderverein der Schule.

Mühlheim - Alle vier Jahre engagiert die Goetheschule den Zirkus Rondel. Von Michael Prochnow 

In der vergangenen Woche war es wieder soweit, alle 257 Mädchen und Jungen der Grundschule probten und präsentierten sich in einer von drei Vorstellungen mit einer artistischen Nummer, mit Tieren oder im Clownskostüm im Viermaster im Bürgerpark.  Zu Tränen gerührt, atemlos und vor Verzückung völlig aus dem Häuschen – die Zuschauer in der Loge und auf den Rängen tauchen in ein Wechselbad der Gefühle. Die Stars in der Manege sind nämlich keine geringeren als ihre eigenen Kinder. So wunderschön und ergreifend kann es also sein, wenn der Nachwuchs Zirkus macht.

Äußerst konzentriert tragen einige „Squaws“, Viertklässlerinnen im grünen Rock, mit Halskette und einer roten Feder überm Haar kleine Leitern vor sich. Vorsichtig drehen sie die Holzgestelle, die weißen Tauben darauf klettern von einer Sprosse auf die nächste und balancieren. Später führen Heidi und Geißenpeter aufgeregte Ziegen über eine stählerne Brücke, Treppen und kleine runde Standflächen. Die Schüler „aus Oberbayern“, wie der Zirkusdirektor sie vorstellt, führen die Vierbeiner an kurzer Leine und halten sie beherzt fest.

Akrobatisch wird es, als die jungen Mühlheimer in Basketballtrikots Sprünge und Hebefiguren präsentieren.

Selbst sportlich bewähren sich die jungen Mühlheimer. Im Trikot der amerikanischen Basketballmannschaft „Boston Celtics“ vollführen sie große Sprünge am Trampolin, fangen in der Luft Bälle, fliegen durch Hula-Hoop-Reifen oder hüpfen über flackernde Feuerzungen. Mit Zwirbelbärten und Ringelhemden stampft eine Gruppe „Turner von vor hundert Jahren“ zu Marschmusik ein. Der Kleinste bringt die Reihe schubsend zu Fall. Der Leiter landet im Schoß des Publikums, ein Zuschauer soll einen Artisten in die Höhe katapultieren, doch die Wippe kracht… Das Rondel-Team hat den Grundschülern in nur drei Tagen wahre Kunststücke beigebracht. Der wichtigste Erfolg sei jedoch, dass die Kinder durch die Auftritte enorm viel Selbstwertgefühl gewinnen, erklärt Schulleiterin Yvonne Botsch, „das ist gigantisch“. Die Zirkusleute haben Stärken der kleinen Künstler entdeckt und gefestigt und „die Schulgemeinde als Gemeinschaft gefördert“, erläutert die Pädagogin den Wert des Projekts.

Die Vorbereitungen starteten bereits im vergangenen Jahr. Das ist notwendig, denn der „Circus for Kids“ verursache Kosten in Höhe von rund 20.000 Euro, informiert die Rektorin. Das Geld trug vor allem der Förderverein zusammen, indem er zahlreiche Spender und Sponsoren gewann. Viele Firmen haben Preise für eine Tombola gestiftet, die nun auf der geöffneten Ladefläche eines Lasters zum Loskauf animieren.

Mit Aerial Sportarten schwerelos trainieren

Eltern haben büfettweise Kuchen gebacken. Eine eigene Vorstellung des Rondel-Ensembles am Dienstag und ein flottes Programm aus heimischen Talenten füllten zudem die Kasse. Für kleines Geld oder gar kostenfrei traten am Mittwoch das Duo Ohrenschmaus, die Firedrums vom Karnevalsverein, Trommler der Artificial Family, der Zauberer Abraxas, Feuerspucker und Tom Jet mit seinem Rudel-Sing-Sang auf.

Nach der Pause legen sich „Fakire“ auf Nagelbretter und gehen über Scherben, fahren sich mit Fackeln über die Arme. Eine Clownschar bringt ihren Chef mit Faxen im Chor zur Weisglut – und die Trapez-Artisten die Elternschaft dazu, den Atem anzuhalten. Allein von den muskulösen Armen des Zirkusdirektors gehalten, strecken und recken sie sich Mit einer Gurt-Sicherung klettert ein Mädchen in luftiger Höhe unter der Kuppel auf die Glatze des Zirkusmannes – tosender Applaus. Vor den versammelten Artisten verteilen Schulleiterin und Vereinsmitglieder Präsente an Lehrer und Helfer. Es ist ein Abschied bis in vier Jahren.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare