Zurück auf die politische Bühne

Mühlheims Ortsverbandsvorsitzender Michael Bill zu den Zielen der neuformierten FDP

Für die FDP treten bei der Kommunalwahl im März unter anderem die stellvertretenden Ortsverbandsvorsitzenden Anil Önenc (von links) und Dr. Bernd Falk, der Vorsitzende Michael Bill sowie Schatzmeister Marcus Krüger an.
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Für die FDP treten bei der Kommunalwahl im März unter anderem die stellvertretenden Ortsverbandsvorsitzenden Anil Önenc (von links) und Dr. Bernd Falk, der Vorsitzende Michael Bill sowie Schatzmeister Marcus Krüger an.

Die FDP möchte zurück auf die Mühlheimer Bühne. Rechtzeitig zum Kommunalwahlkampf haben die Freien Demokraten mit Michael Bill einen Geburtshelfer für einen Neuanfang gefunden. „Es würde mich schon sehr wundern, wenn es für die FDP in Mühlheim kein ausreichendes Potenzial geben würde“, sagt der frisch gewählte Ortsverbandsvorsitzende Bill, der die Partei aus der politischen Bedeutungslosigkeit wieder ins Parlament führen will.

Mühlheim – Dort war der Einfluss auf Null gesunken seit Klaus Weyer 2015 seinen Überlauf zu den „Bürgern für Mühlheim“ bekannt gegeben hatte. Weyer war seinerzeit der letzte verbliebene Liberale in der Stadtverordnetenversammlung. Eine junge Garde um den damals 21-jährigen Lukas König schickte sich im Herbst 2018 an, das zu ändern. Der plötzliche Aufschwung endete aber ebenso abrupt mit dem Wegzug von König aus der Mühlenstadt.

Dass Bill plötzlich wegzieht, ist unwahrscheinlich. Immerhin wohnt der gebürtige Frankfurter seit 27 Jahren in der Stadt. In dieser Zeit habe er aber bei noch keiner Stadtregierung eine Perspektive erkennen können, nennt der 61-Jährige seine Motivation, sich politisch zu engagieren: „Die Stadt sollte ein Konzept haben, was Mühlheim 2030 sein soll – eine Schlafstadt oder eine lebendige Stadt mit einem oder mehreren Mittelpunkten?“ Er vermisse Ideen und Mut, „auch mal andere Wege zu gehen“. Die Große Koalition mache das solide, „aber damit hat’s sich’s auch“. Die Opposition sage immer sehr gut, was sie nicht will, liefere aber auch keine Ideen.

Er wolle mit der FDP helfen, daran etwas zu ändern. „Die Stadt nutzt nicht die Möglichkeiten, die sie hat.“ Ihm schwebe etwa Stadtmarketing vor, das die Vorzüge der Stadt mit ihrer guten Lage herausarbeitet: „Da fallen natürlich nicht die Gewerbe vom Himmel, aber die Menschen müssen wissen, dass es hier überhaupt attraktiv ist.“ Auch bei der Diskussion um die Bahnhofstraße vermisst Bill kare Handlungen: „Warum nicht den Mut haben, es richtig zu machen?“ Er schlägt etwa eine Anliegerstraße mit versenkbaren Pollern vor. Dann hätte man auch die Möglichkeit, die in die Jahre gekommene Einkaufsstraße schöner zu machen, „ein bisschen grüner“. Auch gebe es Regionen, in denen Apps angeboten werden, um die lokalen Geschäfte zu unterstützen, nach dem Motto: „Über eine App bestellen und es im Laden abholen“. Für die Willy-Brandt-Halle schweben dem Booker für Jazz- und Klassikkonzerte im Schanz profitable Veranstaltungen vor, die Geld in den Stadtsäckel spülen könnten. Kurzum: Er wolle „gestalten statt verwalten“.

Ein FDP-Parteibuch besitzt Bill zwar erst seit gut zwei Monaten – „ich bin erst eingetreten, als klar war, dass ich kandidiere“ – und kommt eigentlich aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie, sieht sich aber in der FDP gut aufgehoben. Die Freien Demokraten seien die einzigen, die „tatsächlich das Thema persönliche Freiheit hochalten und ganz klar antiautoritär sind“. „Für mich bestand die SPD immer aus dem Dreiklang ,Bildung, sozialer Aufstieg und soziale Sicherheit‘“, sagt der 61-Jährige, der früher selbst SPD-Mitglied war und dessen Sohn Yannic in der zweiten Legislatur für die Sozialdemokraten im Parlament sitzt. Aber heutzutage sei die FDP die einzige Partei, die sich mit diesen Werten noch befasse.

Aktuell haben die Liberalen zwölf Kandidaten für die Kommunalwahl zusammen, 15 sollen es noch bis zur endgültigen Listenaufstellung werden. Auf drei Mandate schielen sie im Parlament. „Wenn man sich kein Ziel setzt, wird das auch nichts“, sagt Bill und wünscht sich, ähnlich ambitionierte Ziele auch in der Stadt umsetzen zu können.

Weitere Infos per Mail an michael.mb.bill@gmail.com.

(Von Ronny Paul)

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