Zwei Ganze für vier halbe?

Martina und Ralf Grombacher. - Fotos: p

Mühlheim - Martina und Ralf Grombacher, seit 19 Jahren Pfarrehepaar in der Mühlheimer Friedensgemeinde, wollen künftig auch für den Dietesheimer Bezirk der Gemeinde zuständig sein. Von Marcus Reinsch

Sie haben sich auf die Stelle des Ende April nach rund 30 Jahren in den Ruhestand scheidenden Pfarrers Hans Rumpeltes beworben. Offiziell übernehmen könnten sie wohl im Juli oder August.

Heute treffen sich die Grombachers mit dem Kirchenvorstand der Gesamt-Friedensgemeinde, um ihr Konzept für die zukünftige Arbeit in Dietesheim zu erläutern und sich Fragen und Diskussionen zu stellen. Letztere gelten keineswegs als unwahrscheinlich: Die Bewerber haben bisher jeweils eine halbe Stelle in Mühlheim und wollen Rumpeltes’ ganze Stelle ebenfalls zusammen ausfüllen, wie Ralf Grombacher gestern erklärt. So kämen zwei Pfarrer am Ende also nicht auf zwei ganze, sondern auf vier halbe Arbeitsplätze.

Er sei sich bewusst, dass „manche lieber eine klare Zuständigkeit wollen, einen Pfarrer für Mühlheim und einen für Dietesheim“, sagt Grombacher. Aber das Teilen der Aufgaben habe in Mühlheim eben auch zu einer „relativ erfolgreichen Gemeindearbeit“ geführt. „Unser Ziel ist aber natürlich schon, nicht die beiden Gemeinden zu mixen und was Neues draus zu machen, sondern die Prägungen der beiden einzelnenen Gemeinden gleichsam zu erhalten und weiter zu entwickeln.“

Über die von Ralf Grombacher mit dem viel größeren, aber unsichtbaren Teil eines Eisbergs verglichenen Klassiker des Pfarrersdaseins wie Gottesdienst, Konfirmation, Trauungen, Taufen, Beerdigungen und Seelsorge hinaus sind die sichtbaren Schwerpunkte in den Gemeinden in der Tat anders. Während sich die Mühlheimer Friedenskirche über die Jahre vor allem als Kultur- und Eventkirche mit großen Konzerten und anderen Besonderheiten profilierte, entwickelte die Gustav-Adolf-Kirche unter Hans Rumpeltes und auch Gattin Renate vor allem sozialdiakonische Schwerpunkte wie die integrative Kindertagesstätte Arche Noah, den Lebensladen und das Sozialarbeit-Projekt Lichtblick. Projekte, die schon vor Rumpeltes’ Abschiedsphase auch in den Händen von Kirchenvorstand und anderen Ehrenamtlichen lagen.

Der Termin vorm Kirchenvorstand wird heute eine Begegnung zwischen Bekannten - das Paar gehört dem Gremium sonst kraft Amtes selbst an, wird sich beim nicht öffentlichen Bewerbungsgespräch allerdings ganz auf die Position von Anwärtern zurückziehen.

Zum Verfahren gehört auch, dass sich die Grombachers am Sonntag, 12. Mai, 10.30 Uhr, in einem Gottesdienst in der Dietesheimer Gustav-Adolf-Kirche allen evangelischen Christen Mühlheims näher vorstellen und im Anschluss bei einer von Dekan Carsten Tag geleiteten Gemeindeversammlung Rede und Antwort stehen. Einen Gottesdienst in der Mühlheimer Friedenskirche selbst wird es dafür an diesem Tag nicht geben. Stattdessen wird ein Fahrdienst angeboten, der bis 10. Mai unter s  06108 72200 im Gemeindebüro zu reservieren ist.

Die finale Entscheidung fällt dann in der Kirchenvorstandssitzung am 28. Mai. Da wird einige Verantwortung auf den Weichenstellern lasten. Denn dass wie in der normalen Geschäftswelt mehrere Interessenten um einen Posten buhlen, davon kann Kirche längst nicht mal mehr träumen. „Ist schon eine verrückte Situation“, sagt Ralf Grombacher. Als der heute 49-Jährige damals Theologie studierte, habe es eine regelrechte Pfarrerschwemme gegeben. Dieser Überfluss hat sich längst ins Gegenteil verkehrt; relativ junge Nachfolger für ausscheidende Pfarrer sind absolute Mangelware und entsprechend begehrt. „Uns wäre es auch lieber gewesen, wenn es mehrere Bewerbe gäbe“, sagen die Grombachers.

Ihre Bewerbung ist nach der zweiten Stellenausschreibung, die der gemeinsame Kirchenvorstand von Mühlheimer und Dietesheimer Friedensgemeinde veröffentlicht hat, also die einzige geblieben. Eine auswärtige Pfarrerin, die sich für die Position interessiert hatte (wir berichteten), gab am Ende doch keine Bewerbung ab. Die Wahl, vor der der Kirchenvorstand steht, ist also die zwischen den Grombachers und der Vakanz auf unbestimmte Zeit.

Bekommen die Mühlheimer Geistlichen für Dietesheim nicht die erforderliche Mehrheit, geht das Recht zur Stellenbesetzung auf die Pröbstin über. Aber auch sie kann keinesfalls aus dem Vollen schöpfen.

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