Grauen Rathaus-Flair erhalten

„ARThaus“-Sanierung im Zeit- und Finanzplan

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Des schönen Sandsteinsockels wird der Passant erst seit Kurzem gewahr, doch schon bald soll die Fassade des ehemaligen Rathauses in Altheim wieder ergrauen.

Altheim - Für 360.000 Euro wird das ehemalige Rathaus Altheims saniert. 200.000 Euro stammen aus einem EU-Topf. Zeit- und Finanzplan sind im Lot, hieß es bei einem Termin von Bürgermeister, Architekt, Vorstand des Vereines „ARThaus“ und Vertretern beteiligter Firmen. Von Thomas Meier 

Die Handwerker geben sich seit Wochen die Klinke in die Hand, soll das „ARThaus“ an der Hauptstraße doch bereits Mitte/Ende Oktober seine Neueröffnung feiern können. Zwar sagt Architekt Michael Kramer aus Eppertshausen, er gebe keine Zeitpläne mehr aus, weil die Situation mit den Handwerkern wegen übervoller Auftragsbücher sehr angespannt sei, doch liege man im selbst gesteckten Zeitplan. Und Bürgermeister Gerald Frank freut sich bestätigen zu können, dass auch der Finanzrahmen nicht gesprengt werde. Im Gegenteil, die Nutzer des altehrwürdigen, 1862 errichteten Mollerbaus, eine Kulturinitiative, darf sogar noch mit aussuchen, was auf den Fußboden und an die Wände kommen soll.

Am Mittwochmorgen stand beispielsweise die Frage nach dem Bodenbelag im Erdgeschoss an. Dort liegt derzeit noch unter dicker Dreckschicht von den Bauarbeiten der alte, ergraute PVC-Belag, der längst ausgedient hat. Aus Schaafheim war Michael Zloch von gleichnamiger Firma für Bodenbeläge zugegen, der Kristin Wicher und Anja Haus vom Verein „ARThaus“ Musterkataloge mit möglichen PVC- oder Linoleumböden offerierte. Sie wie auch Bürgermeister Frank gehen konform in der Ansicht, das alte Rathaus nicht komplett auf neu und modern umkrempeln zu wollen: „Die original Rathausatmosphäre soll schon noch erfahrbar sein und teilweise erhalten werden“, sagt Münsters Rathauschef. So werden zum Abschluss der Sanierungen beispielsweise auch die alten Zimmerbeschriftungen für den Sitzungssaal, das Archiv oder die Büros wieder an den Türen angeschlagen.

Der rund 20 Quadratmeter große, auszutauschende Boden im Erdgeschoss wird so dem Rathausstil vergangener Tage angepasst und in grauem PVC-Belag in den Büros verlegt, fürs Treppenhaus greift man auf einen hellbeigen Farbton zurück, der dem Stiegenhaus eher entspricht.

Was kommt auf den Boden, was an die Wände? Expertenrunde im „ARThaus“ vor Musterkatalogen (von links): Anja Haus, Architekt Michael Kramer, Michael Zloch, Bürgermeister Gerald Frank und Kristin Wicher.

Knapp 160 Quadratmeter Nutzfläche hat das Ex-Rathaus. Rund 140 Quadratmeter des Bodens werden nicht etwa übertüncht oder belegt, sondern aufgearbeitet. So obliegt es Zloch beispielsweise, die alten Fichtenbohlen im ehemaligen Sitzungssaal im Obergeschoss in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Über den dicken Brettern war die letzten Jahrzehnte ein unpassender, damals als zweckmäßig erachteter PVC-Belag verklebt worden, der bei den Sanierungen als erstes herausgerissen wurde. Jetzt wird der Holzboden kunstfertig gebürstet und dann geölt. „Wir machen das, weil so die Maserung des Bodens gut herauskommt. Würden wir den Boden schleifen und polieren, wäre er später glatt und langweiliger“, sagt der Fachmann.

Im Saal erhalten bleibt auch die Einbauschrankwand, in der einst die Akten der Altheimer Verwaltung lagen. Die abgehängte Styropordecke wich bereits einer brandschutzsicheren mit Rigipsplatten, die auch eine moderne Licht- und Lautsprechertechnik inne hat. Der Raum wird dadurch rund 30 Zentimeter höher als zuvor.

Beim Entfernen der uralten Tapete im Sitzungsraum entdeckten die „ARThaus“-Helfer ein Fries, das sich oberhalb der breiten Tür einmal rund um den Saal erstreckte. Nur noch fragmentarisch erhalten, soll es rekonstruiert werden. Dazu gewannen Verwaltung und Vereins-Kreative die in Altheim lebende Restauratorin Gloria Escoda.

Bilder: Kuhschiss-Party des TSV Altheim

„Wir machen die Geschichte des Hauses rückblickend sichtbar“, versichern die Erneuerer, die freilich auch den neuen Erfordernissen Tribut zollen müssen. Dort wo es möglich ist, werden beispielsweise alte Türen aufgemöbelt und gestrichen, doch müssen die Portale des Treppenhauses den Bestimmungen des Brandschutzes gerecht neu eingezogen werden.

Und noch einem Aspekt wollen die Macher gerecht werden: Das erneuerte „ARThaus“ soll möglichst behindertengerecht gestaltet werden. Dazu hat Architekt Kramer einen Hebeplattformlift am Eingang von der Hauptstraße her eingeplant. Der wird zunächst Gehbehinderten den Zugang über die vier Stufen ins Erdgeschoss ermöglichen. 80 Zentimeter Höhenunterschied wollen überwunden werden.

Um auch die oberen Räumlichkeiten für Behinderte zu erschließen, plante man ebenfalls voraus: Im Sitzungssaal wurde ein Fenster zum Hinterhof bereits als Tür ausgestaltet. Dort soll einmal – wenn Geld dafür vorhanden ist – ein Aufzug installiert werden.

Dieser Eingriff ist – wie alle Arbeiten am denkmalgeschützten Gemäuer – mit den zuständigen Kreisbehörden abgesprochen. Und die Denkmalschützer haben auch ein gewichtiges Wort zum äußeren Erscheinungsbild gesprochen. So erhält das „ARThaus“ einen monochromen Anstrich. Den hatte es auch zuvor. Aber nachdem die Handwerker den Außenputz für die Sanierung abgeklopft hatten, fiel vielen Beobachtern der schöne Sandsteinsockel auf, der sich ums Haus zieht. Anfragen, ob man den nicht sichtbar erhalten könne, wurden abschlägig beschieden. Er wird schon bald wieder ergrauen.

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