Altheimer Autor Thomas Fuhlbrügge stellt neuen Krimi vor

Warum Frauen besser brennen

Für seinen neuen Altheim-Krimi „Frauen brennen besser“ hat Thomas Fuhlbrügge sogar ein Praktikum im Krematorium gemacht.
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Für seinen neuen Altheim-Krimi „Frauen brennen besser“ hat Thomas Fuhlbrügge sogar ein Praktikum im Krematorium gemacht.

Autor Thomas Fuhlbrügge hat seinen neuen Altheim-Krimi veröffentlicht. Zur Recherche ging er unter anderem als Praktikant ins Krematorium.

Altheim – Eins vorweg: In der Realität geht es im Krematorium deutlich pietätvoller zu, als es Thomas Fuhlbrügge in seinem neuen Altheim-Krimi schildert. Der 46-Jährige, der als Lehrer an einer Babenhäuser Schule arbeitet, früher in Dieburg wohnte und in Altheim sein Familiennest gebaut hat, muss es wissen: Für sein jetzt erschienenes Buch „Frauen brennen besser“ hat er als Praktikant selbst Leichen verbrannt.

Das kam so: Seit einiger Zeit tauscht sich Fuhlbrügge mit anderen Hobbyautoren in einer Gruppe namens „Coortext“ aus, die sich einmal im Monat mit der gemeinsamen Leidenschaft fürs Schreiben befasst. Ein Mitglied dieser Gruppe betreibt in Obertshausen ein Krematorium und ermöglichte seinen Kollegen eine Führung. „Da ist bei mir sofort die Krimileuchte angegangen“, sagt Fuhlbrügge verschmitzt. Er gebar für seinen vierten Altheim-Krimi (siehe Infokasten) die Idee, wie seine neue Hauptfigur ihr Unwesen treiben könnte.

„Muna“ bisher 400-mal verkauft

Fünf Krimis, darunter vier Altheim-Krimis, hat Thomas Fuhlbrügge bislang veröffentlicht. Sein Krimi-Debüt gab er mit „Gassenspieß“ und entführte ins Mittelalter, historisch verquickt unter anderem mit den Hexenverbrennungen in Dieburg in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es folgten „Nauru“ (ohne Lokalbezug), „Massengrab“ (spielt im Heute und in der Zeit des „Deutschen Kriegs“ 1866), „Muna“ und jetzt „Frauen brennen besser“.

Der 2020 erschienene „Muna“-Krimi, den Fuhlbrügge kurz nach dem Abzug der Amerikaner aus der Munitionsanstalt bei Münster in den 90ern spielen lässt, war bisher das erfolgreichste Werk des Altheimer Hobbyautors: Es wurde 400-mal verkauft, vergangenes Jahr schließlich sogar Lieblingskrimi Nummer eins der Leser der Dieburger „Bücherinsel“. „Das Thema hat gepasst und durch Corona hatten die Leute mehr Zeit zum Lesen“, mutmaßt Fuhlbrügge.

Der Autor hat auch schon mehrere Kinder- und religionspädagogische Bücher geschrieben. „Frauen brennen besser“ ist zudem sein erster Krimi, den er im eigenen Coortext-Verlag herausgebracht hat. (jd)

Zunächst erweiterte Fuhlbrügge sein Fachwissen durch Vor-Ort-Recherche: „Einen Tag lang habe ich Särge geschoben, in den Ofen fahren lassen und per Magnet Metallrückstände aus dem Knochenstaub gezogen“, sagt der Altheimer ungerührt. „Das war eine ganz spannende Erfahrung.“ Zumal er auch Religion unterrichtet und der Tod eine zentrale Rolle einnimmt. Aber auch, weil er das Krematorium als „technischen Betrieb, in dem ganz normale Menschen arbeiten und in dem es nicht mal übel riecht“, kennenlernte. Wie auch den Spruch, der „in Krematorien ein geflügeltes Wort“ sei und zum Buchtitel wurde: „Frauen brennen besser“. Der Autor weiß, warum: „Sie haben einen höheren Körperfett-Anteil als Männer.“

Der „Muna“-Krimi hat es 2020 sogar zum Lieblingskrimi Nummer eins der Leser der Dieburger „Bücherinsel“ geschafft.

Nun ist das Buch, dessen Cover eine Frau mit flammendem Haar zeigt (das Design hat Fuhlbrügge für 20 Euro bei einem Grafiker in Südasien erworben), fertig. Während die Helden seiner bisherigen Krimis zwar keine aalglatten Sympathieträger waren, meist aber das Gute wollten, ist das diesmal anders: Victor Joël, aus dessen Ich-Perspektive die Geschichte erzählt wird, arbeitet zwar legal in einem Krematorium, das Fuhlbrügge nach Altheim verlegt hat; nachts aber entsorgt er dort für einen Mafia-Paten Tote, deren Asche er den Urnen seines offiziellen Pensums beimischt. Als ihm ein Killer eines Nachts einen Sarg liefert, aus dem es plötzlich von innen klopft, beginnt eine mörderische Flucht. Zwar wandelt sich der Protagonist nicht ganz vom Saulus zum Paulus, und auch ein klassisches Happy-End sieht anders aus. Dennoch schafft es der Autor, dass der Leser dem fragwürdigen Hauptcharakter bis zum letzten Satz die Daumen drückt.

Altheimer Autor Thomas Fuhlbrügge geizt nicht mit überzeichneten Gewaltexzessen

Ohne zu spoilern, wie die Sache ausgeht und welche inhaltlichen Ebenen – wie Victor Joëls familiäre Vita – noch eine Rolle spielen, sei schon mal verraten: Erneut geizt Thomas Fuhlbrügge weder mit kuriosen Figuren noch launischen Dialogen noch überzeichneten Gewaltexzessen. Schon gar nicht mit Humor, oft tiefschwarzem, wenngleich ihm ab und an ein Scherz reinrutscht, der etwas zu gewollt wirkt.

Stilistisch setzt der Altheimer seine Entwicklung fort, die seit seinem bisher am stärksten beachteten Krimi „Muna“ offensichtlich ist: deutlich kürzere Sätze, kaum noch Verschachtelungen, knackigere Abläufe. Ergebnis ist ein rasantes Tempo, dank dem schnelle Leser „Frauen brennen besser“ mit einer gewissen Atemlosigkeit in vier bis sechs Stunden verschlingen können. „Ich habe versucht, auch in der Sprache deutlich zu machen, dass diesmal ein Mittäter im Fokus ist“, sagt Fuhlbrügge. Seinen Wortgebrauch reduziert er dann besonders stark, wenn es gerade hektisch wird.

Thomas Fuhlbrügge arbeitet weiter an Ruf als „Tarantino von Altheim“

Zudem aufs Neue ganz wichtig, vielleicht sogar zuvorderst: Die Einordnung als „Altheim-Krimi“ verdient auch diesmal ihren Namen. Der Münsterer Ortsteil ist nicht nur Schauplatz des imaginären Krematoriums. Fuhlbrügge, der ein bisschen an einem Ruf als „Tarantino von Altheim“ zu arbeiten scheint, nimmt auch eine Reihe realer Anleihen. Kommt ein Bordell im Gewerbegebiet ins Spiel, weiß selbst jeder Unbedarfte, was gemeint ist. Servieren in einem Altheimer Lokal „drei Schwestern“ Pizza, ist der gedankliche Weg zum „Tre Sorelle“ nicht weit. In „Frauen brennen besser“ spielen auch das Dieburger „Spießfeld“, eine Wohnung am Dieburger Schlangensee, das Weiterstädter „Loop5“ und Gundernhausen eine Rolle. (Von Jens Dörr)

Infos zum Buch

277 Seiten
ISBN: 978-3-7531-6594-3
Taschenbuch für 9,99 Euro

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