Autor legt zweiten Lokalkrimi vor

Altheims „Massengrab“

+
Thomas Fuhlbrügge hat seinen dritten Roman veröffentlicht. „Massengrab“ ist der zweite Krimi, der in Altheim spielt.

Altheim – Der Autor Thomas Fuhlbrügge hat seinen dritten Roman veröffentlicht und zum zweiten Mal spielt seine Kriminalgeschichte vor allem in Altheim. Dort wohnt der 44-Jährige, der hauptberuflich als Lehrer an der Babenhäuser Bachgauschule arbeitet, mit seiner Familie. Von Jens Dörr

Nicht nur in die Lokalhistorie des einst eigenständigen Münsterer Ortsteils hat sich Fuhlbrügge vertieft: In „Massengrab“ (kürzlich erschienen bei Books on Demand) lernt der Leser auch viel über einen kaum bekannten Krieg.
Denn die Handlung des Altheim-Krimis spielt zum überwiegenden Teil im Jahr 1866. Im damaligen Sommer tobte zehn Wochen lang der „Deutsche Krieg“. Darin standen sich die Preußen mit einigen Verbündeten auf der einen Seite und der Deutsche Bund unter Führung Österreichs nebst beispielsweise dem Großherzogtum Hessen (zu dem auch Darmstadt, Dieburg und Altheim gehörten) und dem Königreich Bayern (mit Aschaffenburg) auf der anderen gegenüber.

Der Krieg, den die Preußen aufgrund ihrer moderneren Feuerwaffen gewannen und der als der zweite der „Einigungskriege“ im damals in etliche Kleinstaaten geteilten Deutschland gilt, wurde auch in der Region geführt. Aschaffenburg war Schauplatz heftiger Kämpfe, im Schloss Fechenbach in Dieburg gab es ein Lazarett. Die Ost-West-Route in der Region – heute die B26 – führte damals direkt durch Altheim, wo etwa Soldaten einquartiert wurden. Fakten, die Fuhlbrügge ausführlich, aber nie trocken präsentiert und stets in den Kontext seiner fiktionalen Handlung einbindet.

Bei der will der Altheimer im Gespräch nicht „spoilern“, also dem Leser die Spannung vorab dadurch nehmen, dass er zentrale Entwicklungen und den späten Clou seiner fast 400 Seiten vorwegnimmt. Verraten werden darf über den Inhalt aber so viel: Bei Bauarbeiten in Altheim werden menschliche Knochen gefunden, das titelgebende „Massengrab“. Die Spur, die in den heute spie-lenden Passagen ein Lokalreporter aufnimmt und mit allerlei Recherchekniffen bis zum kompletten Bild verfolgt, führt rasch ins Jahr 1866, aber auch zu einer Reihe von Toten, die nicht alle im Rotkreuz-Lazarett für die hoffnungslosen Fälle, das Fuhlbrügge in Altheim platziert, ums Leben kamen.

Zu den zentralen Merkmalen des dritten Romans des Autoren – zwischen dem ersten Altheim-Krimi „Gassenspieß“ (spielt im 16. Jahrhundert) und „Massengrab“ schrieb Fuhlbrügge mit „Nauru“ auch einen Krimi, der in die winzige Pazifik-Republik mitnimmt – zählt auch diesmal wieder der Reichtum an historischem Wissen. „Ein halbes Jahr lang habe ich nur gelesen“, erzählt der Altheimer, der stets tief in die Recherche eintaucht und für das neuste Werk über wesentlich mehr Quellen verfügte als bei den zwei vorherigen. „Außerdem geht es wieder ziemlich blutig zu“, sagt Fuhlbrügge über die ungeschminkte Gewalt, die er aufs Neue zwischen die Buchdeckel presst. Speziell das Elend der Soldaten im Lazarett zeichnet der Autor ausgiebig nach.

Der Wahl-Altheimer, der früher in Dieburg wohnte, erläutert, damit einerseits den Wahnwitz einer „Zeit, in der Krieg noch als ein normaler Teil von Politik betrachtet wurde und man 100.000 Männer einfach mal so in die Schlacht, den Tod oder die Verstümmelung geschickt hat“, aufzeigen zu wollen. In seinem Nachwort schildert er dann auch allen Lesern, dass es dazu nötig gewesen sei, „das Kriegsgeschehen so schrecklich wie nötig zu zeigen, ohne Heldentum, Patriotismus und Lagerfeuerromantik“.

Mit der zweiten Protagonistin neben dem Lokalreporter, der 1866 im Lazarett arbeitenden Altheimerin Anne Funck, lässt Fuhlbrügge aber doch Milde walten. Inspiriert durch eine reale Vorlage: Vor rund 150 Jahren gab es im Ort tatsächlich eine Hebamme dieses Namens. Der Bösewicht ist indes frei erfunden. „Ansonsten habe ich versucht, das damalige Altheim realistisch zu beschreiben.“

Hauptstraßenfest in Altheim: Fotos

Der ziemlich produktive Urheber, der neben seinen drei Romanen schon mehrere Sach-, Jugend- und Liederbücher verfasst hat, geizt dazu nicht mit Originalschauplätzen und Namen. Die Suppe für die verwundeten Soldaten kommt etwa aus dem „Hessischen Hof“, der Bürgermeister heißt Willmann.

Humorvoll wird es in „Massengrab“ ab und an ebenfalls, in erster Linie auf den Seiten, die im Hier und Jetzt spielen. An konkreten Anspielungen zum heutigen Ortsgeschehen - ob Elternnachmittag in der Regenbogenschule, Abstecher ins „Altheimer Lädchen“ oder schwere Fußball-Kost beim TSV Altheim – fehlt es dabei nicht. Es sind jene Momente, in denen Fuhlbrügge den Leser zwischen Blut, Dreck und Toten ein bisschen durchatmen lässt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare