Jonglieren, Parcours und Salto

Artistisches Ferienprogramm beim Mitmach-Zirkus

Zirkuspädagogin Antje Kiel macht mit Felicitas die Meerjungfrau-Figur.
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Zirkuspädagogin Antje Kiel macht mit Felicitas die Meerjungfrau-Figur.

In der zweiten Herbstferienwoche war der Mitmach-Zirkus Hallöchen in Münster zu Gast. 42 Kinder haben am artistischen Programm teilgenommen und jongliert, einen Parcours absolviert und Salti gemacht.

Münster – „Hier oben sind wir!“ Eliza, Leander, Jannes (alle drei 9) und Lilly (8) aus Münster stehen auf vier großen bunten Bällen und rollen hin und her. Ein Junge huscht mit einem Hula-Hoop-Reifen vorbei, ein Mädchen dreht einen Plastikteller weit oben auf einem Stab. Die Vier lassen sich davon nicht stören in ihrer Konzentration. Leander strebt zielsicher auf einen senkrecht zwischen den Matten klemmenden Reifen zu und lässt seine Kugel durchflutschen, während er geschickt obendrauf das Gleichgewicht hält. Es folgt der nächste Reifen – ein kleiner Wackler, aber der Junge steht.

Manege frei zum selbst Artist-Sein. In Münster ist rechtzeitig zur zweiten Herbstferienwoche wieder der Mitmach-Zirkus Hallöchen zu Gast. Zum siebten Mal hat die Jugendförderung der Gemeinde diesen Spaß für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren in der Gersprenzhalle angeleiert. 42 Kinder sind dabei. Wesentlich mehr haben sich angemeldet. „Leider mussten wir die Obergrenze setzen“, sagt Zirkuspädagogin Antje Kiel. Corona war der eine Grund, der andere war das persönliche Miteinander. „Ich möchte am Ende der fünf Tage jedes Kind kennen und mit jedem etwas zusammen gemacht haben“, ist ihr Anspruch. Im Gegensatz zum vergangenen Corona-Jahr funktioniert das diesmal wieder wie vorher mit sich beliebig bildenden Gruppen, ohne dass bestimmte Kinder bestimmte Geräte zugewiesen bekommen.

„Heute habe ich meinen Kugel-Führerschein geschafft“, ruft Eliza stolz. Das bedeutet, sie kann ihre Balance nicht nur mit der Kugel auf sicherem Weichboden, sondern auch auf harten dünnen Matten und dem Hallenboden problemlos halten. Sie ist das dritte Mal dabei. Genau wie Leander, der den Führerschein sogar direkt in seinem ersten Jahr gemacht hat. Lilly ist das zweite Mal bei der Zirkusfreizeit und rollt bereits auf den dünnen Matten herum. Die Kids erklären, wie man überhaupt erst einmal hochkommt auf das runde Ungetüm: „Erst mit den Knien aufsteigen, dann in den Frosch“, gemeint ist die gebückte Haltung auf Händen und Füßen, „und danach langsam aufrichten.“

Jetzt ist Philipp mit dem Salto dran. Merida bereitet sich so lange auf ihren Sprung vor.

Jeder liebt etwas anderes. Sei es Jonglage, Schwingen am Trapez, Hängen am Tuch an der Decke, auf Laufkugeln balancieren, auf Balken im Parcours oder Salti Drehen. „Im Zirkus findet jeder seinen Platz“, sagt Kiel. „Es ist ein toller Ort für Kinder, herauszufinden, was in ihnen steckt.“ Und das sollen sie nicht, indem sie etwas Gesehenes nachahmen. Nein, der Zirkuspädagogin ist es ein Anliegen, dass die Kinder ihren eigenen Weg ausprobieren. „Ich mache in der Regel nichts vor, sondern gebe lediglich Anleitung“, erklärt sie. „Hier kannst Du Dich halten. Das Knie da ist wichtig“, heißt es beispielsweise. Nur bei Jonglage-Themen zeigt sie vorher, wohin die Reise geht.

Die neun Jahre alte Amelie hockt gerade im grünen Tuch, das weit über ihr befestigt ist. Ihre Oberschenkel sind kräftig einwickelt, erst dann lässt sich nach hinten kippen und präsentiert eine soeben gelernte Figur. Noch berührt sie dabei mit dem Kopf den weichen Boden der dicken Matte unter ihr. Dasselbe ein wenig höher und es ist wie bei echten Artisten im Zirkus. Das Mädchen aus Münster, das zum zweiten Mal an der Freizeit teilnimmt, hat Show-Talent. Wettkampfturnen macht sie sonst und Gardetanz. Das sieht man. Kaum ist sie unten, steht sie auf der Laufkugel und hilft einer Freundin ebenfalls hoch.

Das gegenseitige Helfen unter den Kindern ist ein weiteres Anliegen von Kiel. Gutes Sozialverhalten – etwas, das hier fast nebenbei, quasi spielend, gedeiht. Der eine kann etwas, und der andere will es lernen. Man unterstützt sich. Kiel: „Ein Drittel der Kinder war schon mehrmals bei mir.“ Und davon profitieren auch die neuen. Besonders Mädchen scheint der Zirkus-Spaß anzuziehen. Manch eine wartet aufs Einradfahren. Das kommt meist erst zum Schluss, heute vielleicht. Denn das Halten auf nur einem Rad, das ist wirklich schwierig. Und Kinder-Dompteurin Antje kennt ihre Pappenheimer: „Alles, was keinen sofortigen Erfolg bringt, wird schnell langweilig.“

Insgesamt 42 Kinder sind bei den Zirkus-Ferien dabei – und haben sichtlich Spaß dabei.

Seit 2004 gibt es das in Seeheim-Jugenheim beheimatete „Hallöchen“. Davor hat es ihr Vater Heinz Kiel in Braunschweig gegründet. Als Sozialprojekt, Papa Heinz war nämlich Pastor. Vor fünf Jahren hat die Tochter übernommen.

Emily (7), Sophia und Anuk (beide 8) schwingen wie Tarzan, oder in ihrem Fall wohl eher wie Jane, an drei Lianen. Pardon Seilen. Währenddessen kippen sie ihre Beine nach oben und sausen mit ihnen kopfüber in V-Haltung vorbei. Ausgelassene Freude auf den Gesichtern. Gleichzeitig stapeln sich Lara (6), die kleine Lilly von vorhin, Zoena (9), Emelie (9), Lucie (7) und Mira (6) zu einer dreistufigen Pyramide. Ihre eigene Idee, wie Pia Hertle erzählt. Hertle ist eine von insgesamt fünf Mitarbeitern der hauptberuflichen Kinderzirkus-Macherin Kiel und als zweite Kraft in Münster dabei.

Oft helfen mir auch Sozialpädagogikstudenten, berichtet Kiel. Die kunterbunten Gegenstände bringt sie an den jeweiligen Ort. So auch in Münster am Montag mit dem Lkw. Und alle Kinder laden mit aus. Genau so wie alle nach Trainingsende zusammen aufräumen. „Das gehört dazu“, findet die Pädagogin.

Am heutigen Freitag gibt es um 16 Uhr nach der letzten Probe übrigens eine öffentliche Vorstellung, bei der jedes Kind zeigen darf, was es gelernt hat. Und in den Osterfreien kommt Antje Kiel dann wieder. (zkn)

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