Bauteilkreisel Darmstadt-Dieburg / Forschungsprojekt der TU Darmstadt

„Wie Parship für Bauteile“

Die Website des Bauteilkreisels ist online. Dort können Bürger Bauteile anbieten, die bei einem (Teil-)Abbruch, einem Neubau oder einer Umnutzung eines Gebäudes anfallen.
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Die Website des Bauteilkreisels ist online. Dort können Bürger Bauteile anbieten, die bei einem (Teil-)Abbruch, einem Neubau oder einer Umnutzung eines Gebäudes anfallen.

Um Ressourcen zu sparen und CO2 einzusparen, hat die TU Darmstadt ein Forschungsprojekt gestartet. Beim Bauteilkreisel können Bürger Bauteile und andere Baumaterialien, die bei einem (Teil-)Abbruch, einem Neubau oder einer Umnutzung eines Gebäudes anfallen, kaufen und verkaufen.

Münster/Darmstadt-Dieburg – Drei, zwei, eins – und der virtuelle Knopf ist gedrückt, die Website ist online. In einer Video-Konferenz ging gestern Morgen der Bauteilkreisel für den Landkreis Darmstadt-Dieburg ins Netz. Ziel des Forschungsprojekts der TU Darmstadt ist es, Bürgern die Möglichkeit zu bieten, Bauteile und andere Baumaterialien, die bei einem (Teil-)Abbruch, einem Neubau oder einer Umnutzung eines Gebäudes anfallen, anzubieten und zu erwerben.

Darüber hinaus werden weitere Informationen zum Thema vermittelt. So erhalten Interessierte beispielsweise die Möglichkeit, das eigene CO2-Einsparpotenzial, erzielbare Preise oder potenzielle Schadstoffgefährdungen ihrer Bauteile zu ermitteln.

Doch wie können Bauteile und andere Baumaterialien wiederverwendet werden? Bei der Nutzung gebrauchter Baumaterialien sind der Fantasie wenig Grenzen gesetzt. So können beispielsweise alte Pflastersteine nach einer Aufbereitung erneut als Bodenbelag genutzt und somit wiederverwendet werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, gebrauchte Armaturen wiederzuverwenden und so für einen Blickfang im Badezimmer zu sorgen.

Auch können nicht mehr genutzte Stahltüren als Küchenzeile einer Outdoor-Küche und alte Terrakotta-Fliesen als neue Arbeitsplatte wiederverwendet werden. „Es geht um Alltagsprodukte, die wiederverwertet werden können“, sagte Hans-Joachim Linke, Fachgebietsleiter Landmanagement an der TU Darmstadt und Leiter des Forschungsprojekts. „Und das Ziel ist es, lokal erhaltenswerte Baumaterialien zu sichern.“ Eine frühere Holzleiter kann – mit alten Ketten befestigt – als Aufhänger für die Beleuchtung dienen. „Viele dieser alten Bauteile haben noch eine Zukunft, da sie auch neue Gebäude charmant aufwerten“, sagte Baudezernent und Vizelandrat Lutz Köhler. „Die neue Plattform wird helfen, das Material länger im Kreislauf zu halten und so für mehr Nachhaltigkeit sorgen.“

Münsters Bürgermeister Joachim Schledt, ist stolz darauf, dass die Gemeinde Münster Teil des Projekts ist. „Als Klimaschutzkommune ist uns das ein wichtiges Anliegen“, sagte er in der Video-Konferenz und berichtete von einer Anekdote aus seinem privaten Umfeld. „Wenn ich meinen Freunden vom Projekt erzähle, sagen sie: ,Das ist doch wie Parship für Bauteile.’ Und das trifft es ganz gut.“

Eine Wiederverwendung alter Baumaterialien spart Energie, reduziert die CO2-Emissionen und verringert das Abfallaufkommen. Allerdings müsse jeweils abgeschätzt werden, ob für beide Seiten ein ökonomischer und ökologischer Vorteil entstehe. „Beispielsweise ob ein altes, wiederverwertetes Fenster besser ist als ein neues“, erklärte Linke und ergänzte: „Dazu liefern wir auch Antworten.“

Der Bauteilkreisel ist Teil des Forschungsprojekts „Wiederverwendung von Baumaterialien innovativ“, kurz WieBauin, in dem die beteiligten Fachgebiete der TU Darmstadt in Kooperation mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, der Stadt Darmstadt sowie den Gemeinden Otzberg und Münster bis zum Projektende im September 2023 das Ziel verfolgen, die knappen natürlichen Ressourcen des ländlichen Raums zu sparen und Wege zu finden, um alternative Quellen für Bauteile und -materialien nutzbar zu machen. Die Internetplattform soll im Optimalfall auch über das Jahr 2023 hinaus bestehen bleiben. Bis dahin soll die Website noch verbessert und optimiert werden.

Die Technische Universität will sich mit dem Projekt aber nicht nur auf den Landkreis Darmstadt-Dieburg fixieren. „Auch andere Regionen können ihr Interesse bekunden“, sagte Projektleiter Linke. „Natürlich wollen wir das auch weiter verbreiten und beraten und unterstützen dabei.“ (Lars Herd)

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