Erster Bericht von Münsters Behindertenbeauftragter Monika Grimm

Vielseitiges und zeitintensives Ehrenamt

Gut vernetzte Behindertenbeauftragte: Monika Grimm. Das Foto zeigt die parteilose Frau mit Günter Willmann, mit dem sie zusammen der Münsterer CDU-Fraktion angehört.
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Gut vernetzte Behindertenbeauftragte: Monika Grimm. Das

Seit einem guten Jahr ist Monika Grimm die Behindertenbeauftragte der Gemeinde Münster. Nun hat sie ihren ersten Bericht vorgelegt. Übrigens: In Münster gibt es 2 600 Menschen mit anerkannter Behinderung.

Münster – Zum Einstieg eine wichtige Zahl: Von den 14 728 Menschen in Münster, Altheim und Breitefeld haben 2 599 eine nach dem Behindertenrecht anerkannte körperliche, psychische oder geistige Einschränkung. „Das sind 17,65 Prozent der Bevölkerung, also fast ein Fünftel“, sagt Monika Grimm. Sie kennt seit einem Jahr nicht nur derlei Statistiken vom Regierungspräsidium Gießen aus dem Effeff, sondern auch immer mehr Schicksale, die hinter den Fakten stecken. Im Sommer 2020 wählten die Gemeindevertreter die 64-Jährige zur Behindertenbeauftragten Münsters – und bestätigten sie nach der Kommunalwahl dieses Jahres in ihrem (Ehren-)Amt. Nun hat Grimm ihren ersten Rechenschaftsbericht vorgelegt.

„Der größte Teil der Menschen mit Einschränkungen in Münster ist älter als 50“, ordnet sie ein, für wen sie in besonderem Maß die neue Ansprechpartnerin im Ort ist. Männer und Frauen halten sich etwa die Waage. Die tatsächliche Zahl gehandicapter Menschen in der Gemeinde liege noch höher als die eingangs erwähnten 2 600 Personen: „All jene, die auch beeinträchtigt, hilflos oder pflegebedürftig sind, aber noch keinen Antrag gestellt haben, sind nicht erfasst“, sagt Grimm. Einen Datenabgleich zwischen Versorgungsverwaltung und Pflegekassen gebe es nicht.

Einen größeren Teil unter den sehr verschiedenen Beeinträchtigungen machen die Gehbehinderungen aus: 539 Münsterer führen das Vergünstigungsmerkmal „G“, womit sie eine erhebliche Gehbehinderung nachgewiesen haben. 109 weitere Menschen in der Gemeinde führen das Merkmal „aG“, was eine außergewöhnliche Gehbehinderung meint. Sie sind es auch, die mit einer speziellen Erlaubnis die Behinderten-Parkplätze nutzen dürfen.

Beispielsweise der Gedanke an diese Personengruppe sei wichtig, wenn Münsters Politiker, die Verwaltung und die beauftragten Unternehmen die Ortsentwicklung vorantrieben, sagt Grimm. Etwa bei der Neugestaltung der Mozartstraße. Die Bedürfnisse der behinderten Menschen müssten dabei ebenso berücksichtigt werden wie der fortschreitende demografische Wandel mit einem immer höheren Anteil an älteren Einwohnern. Bei der Mozartstraße fanden die Gemeindevertreter kürzlich einen Kompromiss, der auch in Grimms Sinne ist. Was sich stets leicht überprüfen lässt: Die parteilose Frau gehört der CDU-Fraktion an, kann durch ihr Abstimmungsverhalten deutlich machen, wie sie auch in Sachen Barrierefreiheit zu den Beschlussvorlagen steht.

In ihrer Doppelfunktion muss Grimm in der Gemeindevertretung und deren Ausschüssen bei Wortmeldungen deutlich machen, wenn sie nicht als Gemeindevertreterin, sondern als Behindertenbeauftragte spricht. Das tut sie gut vorbereitet und engagiert – doch der größte Teil ihrer Tätigkeit findet abseits öffentlicher Gremien statt. Grimm zählt aus ihrem ersten Amtsjahr auf: sieben Sprechzeiten, die „dankbar angenommen“ wurden; drei Sitzungen mit den anderen Behindertenbeauftragten im Landkreis; Gespräche mit Ex-Bürgermeister Gerald Frank (SPD) und seinem parteilosen Nachfolger Joachim Schledt; zusätzlich Einzelberatungen im Rathaus oder Hausbesuche. „Es ist ein sehr vielseitiges und zeitintensives Ehrenamt“, sagt Grimm. Dass sie es mit Überzeugung für die gesellschaftlich gute Sache ausübt, zeigt ihre erneute Kandidatur nach der Kommunalwahl im März und ihre Bereitschaft, die Verantwortung nun bis mindestens 2025 zu tragen.

Alle Themen aufzuführen, mit denen sie in den ersten zwölf Monaten in Kontakt kam, würde den Rahmen sprengen. Ein Auszug deutet die Bandbreite an: „Oft ging es um Anträge auf Feststellung einer Behinderung, um Rentenangelegenheiten, den ÖPNV, Münster Mobil, die Wohnungssituation oder die Beantragung von Blindengeld“, zählt sie auf. Manchmal werde auch einfach „nur ein offenes Ohr gebraucht“. Exemplarisch dafür stehe die Barrierereduzierung in einer örtlichen Kita. „Hier konnte für ein Integrationskind eine Verbesserung erreicht werden.“

Neben ersten Vernetzungen mit den Münsterer Kindertagesstätten, der Wohnraum-Beratungsstelle des Kreises und dem (hauptamtlichen) Behindertenbeauftragten des Landkreises Darmstadt-Dieburg sorgte Grimm auch dafür, dass im Städtebauprojekt ISEK für Münster aufgenommen wurde, dass die Belange behinderter Menschen Berücksichtigung finden. „Das war so vorher nicht enthalten.“ Auch Kleinigkeiten können manchmal spürbar positive Wirkung zeigen: „Der neue Bücherschrank im Bürgerpark ist so positioniert, dass er von der Tannenstraße aus eben und barrierefrei erreicht werden kann.“

Den Kontakt zu Münsters Behindertenbeauftragter Monika Grimm kann man per E-Mail an sbb@muenster-hessen.de oder zu bestimmten, vorher angekündigten Sprechzeiten unter z 0170 9516088 aufnehmen. „Oder einfach, wenn man mich vor Ort trifft“, sagt sie, die festgestellt hat, dass „die Menschen bevorzugen, ihr Anliegen von Angesicht zu Angesicht zu besprechen“. Auch das ist vielleicht ein Ansatz für Barrierefreiheit in einer Zeit, da auch staatliche Stellen immer mehr Prozesse auf rein digitale (manche Menschen überfordernde) Abwicklung umstellen. (Von Jens Dörr)

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