Bernhard Schüpke ist ab morgen Pfarrer für Münster und Eppertshausen

„Ich werde nicht alles alleine machen können“

Als Pfarrer Bernhard Schüpke 2008 nach Münster kam, hatte er noch einen Kaplan an seiner Seite. Nun, 13 Jahre später, ist er alleine für zwei Pfarrgemeinden zuständig.
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Als Pfarrer Bernhard Schüpke 2008 nach Münster kam, hatte er noch einen Kaplan an seiner Seite. Nun, 13 Jahre später, ist er alleine für zwei Pfarrgemeinden zuständig.

Münster/Eppertshausen – Nachdem Eppertshausens Pfarrer Harald Christian Röper in den Ruhestand verabschiedet wurde, ist Münsters Pfarrer Bernhard Schüpke ab dem morgigen Sonntag für beide Pfarrgemeinden verantwortlich. Im Interview spricht er über seine neue Pfarrgemeinde, neue Aufgaben und besondere Herausforderungen.

Herr Schüpke, ab morgen sind Sie für die zwei Pfarrgemeinden Münster und Eppertshausen zuständig. Was ändert sich an Ihrer Arbeit?
Es fängt schon damit an, dass ich jetzt zwei Gemeinden im Blick haben muss statt wie bislang eine. Und das in zwei Orten, die unterschiedlich geprägt sind. Dazu kommen noch Verwaltungsaufgaben, unter anderem mit zwei Kindergärten. Und natürlich die Koordination der Arbeit vor Ort wie die Planung der Erstkommunion mit den beiden Gemeindereferentinnen und die Zusammenarbeit mit zwei Pfarrsekretärinnen.
Sie sprechen die Personalien schon an. Welche strukturellen Änderungen sind zu erwarten?
Wir werden einmal in der Woche ein großes Dienstgespräch haben, bei dem wir uns absprechen und alles koordinieren. Das ist zunächst ein Zwischenschritt im Rahmen des Pastoralen Weges. Dabei wird sich der Zuschnitt der Verwaltung der Pfarreien verändern. Eppertshausen und Münster wird mit Dieburg, Babenhausen, Radheim, Schaafheim und Mosbach eine Pfarrei bilden. Wie das dann ist, ist aktuell noch in der Planung des Dekanats.
Mit der Übernahme einer zweiten Pfarrei geht gleichzeitig auch mehr Arbeit einher. Welche Aufgaben geben Sie ab?
Was wir hier in Münster schon haben, ist dass die Gemeindereferentin Regina Schindler-Christe schon im Beerdigungsdienst tätig ist. Claudia Schöning aus Eppertshausen erhält jetzt die Beauftragung für Beerdigungen. Und darüber hinaus steht auch Pfarrer Harald Christian Röper noch zur Verfügung, wenn er angefragt wird. Aber das ist dann abzuklären.
Sie sprechen Pfarrer Röper gerade an. Was wird er in Zukunft noch tun?
Da haben wir auch mit ihm gesprochen. Das haben wir ja mit dem Pfarrgemeinderat vorbereitet. Also Pfarrer Röper wird regelmäßig und jeweils in Eppertshausen die Samstagvorabendmesse um 18 Uhr und die Mittwochsmesse um 9 Uhr halten. Er wird sich weiter um die Geburtstagsgratulationen kümmern und ich habe ihn gebeten, die Krankenseelsorge zu übernehmen. Bei den Geburtstagswünschen steige ich aber auch mit ein. Da ist aktuell geplant, dass ich die 85- und 90-jährigen besuche und er die anderen.
Also Pfarrer Röper bleibt ausschließlich in Eppertshausen und wird in Münster keine Gottesdienste halten?
Genau, so haben wir das besprochen. Wir haben die Gottesdienstordnung aber so gelegt, dass er mich auch mal in Münster vertreten kann, wenn ich im Urlaub oder krank bin. Bis auf die Samstagabendmesse haben wir darauf geachtet, dass keine Gottesdienste parallel liegen und das einer gut alleine schaffen kann.
Sie werden dann auch viel in Eppertshausen tätig sein. In Münster kennen Sie viele Gemeindemitglieder persönlich und auch die Familienzusammenhänge, wie sieht es damit in Eppertshausen aus?
Das ist eine Herausforderung, das ist klar. Es wird mehr und größer und da brauche ich natürlich auch Zeit. Aber das will ich gerne tun. Pfarrer Röper kennt nach 46 Jahren natürlich jeden. Schnell wird mir das nicht gelingen. Aber es sind bei Besuchen, Taufen, den Gruppierungen und anderen Terminen viele Kontakte, sodass ich die Leute dann auch kennenlerne. Und es gibt natürlich auch einige verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Eppertshausen und Münster.
Als Sie 2008 nach Münster gekommen sind, hatten Sie noch einen Kaplan an Ihrer Seite, nun betreuen Sie alleine zwei Pfarrgemeinden. Wie viel Mehrarbeit bleibt damit an Ihnen hängen?
Was wichtig ist, ist eine gute Absprache, eine gute Aufgabenverteilung. Und was natürlich immer deutlicher wird, dass ohne engagierte Mitarbeit der Gemeindemitglieder vieles nicht mehr möglich ist. Der Pfarrer wird nicht mehr alles alleine machen können. Heißt, ich kann nicht zu jeder Veranstaltung kommen, sondern muss dann bei Parallelveranstaltungen abwechseln, dass ich im einen Jahr bei der einen Veranstaltung bin und im nächsten Jahr dann wieder bei der anderen. Und natürlich ist eine gute Terminplanung sehr wichtig.
Auf was müssen sich die Gemeindemitglieder nun einstellen?
Das eine sind zumindest die geänderten Gottesdienstzeiten. Das bedarf einer Umgewöhnung, aber da bin ich guter Dinge. Das haben wir, als die Stelle des Kaplans nicht mehr besetzt wurde, auch gut hinbekommen. Wir haben jetzt bei den Beratungen gesagt, wir schauen uns das jetzt ein halbes Jahr an mit den neuen Zeiten und setzen uns dann noch mal zusammen. Also was hat sich bewährt? Wo müssen wir nachbessern? Oder auch wo müssen wir etwas verändern? Aber die Devise ist, wie bereits erwähnt, dass es ein Pfarrer alleine schaffen kann. Es kommen schließlich auch noch Taufen und Hochzeiten dazu. Und da gehört auch die Planung noch dazu. Wenn das zu eng getaktet ist, darf ja nichts mehr außerhalb der Reihe dazukommen.
Münster kennen Sie jetzt schon lange, Eppertshausen vielleicht noch nicht so gut. Wo sehen Sie Stärken und Schwächen in den Gemeinden? Sprich: Wie können die Gemeinden voneinander profitieren?
In Münster ist beispielsweise die verbandliche Arbeit gut aufgestellt mit den Pfadfindern, der KJG, vielen Messdienern und dem Kirchenchor. In Eppertshausen haben wir solche Gruppierungen – außer den Messdienern – nicht. Aber dafür ist dort die Kolpingsfamilie sehr gut aufgestellt, ebenso wie der Chor St. Sebastian, der Kirchenchor, die Bücherei und viele engagierte Leute. Da gibt es durchaus unterschiede. Besonders ist auch, dass Pfarrer Röper der Aspekt des praktischen Tuns und des Helfens im sozialen Bereich, der Nächstenliebe am Herzen liegt. Und da müssen wir schauen, dass wir das auf eine breite Basis stellen. Da können wir gut voneinander lernen. Aber nur weil ich für zwei Pfarreien zuständig bin, will ich nicht alles unter einen Kamm scheren.
Was meinen Sie damit?
Das, was vor Ort lebendig ist, soll dort auch weitergetragen werden. Es gibt in Münster und in Eppertshausen beispielsweise Bräuche, die ich auch nicht ändern will. Aber natürlich gibt es auch Bereiche, wo man einfach schaut, was ist da gut und sinnvoll.
Zum Beispiel?
Die Firmvorbereitung haben wir schon zusammen. Und auch bei der Kommunion gab es jetzt erste Ansätze. Da werden wir auch in Zukunft noch genauer drauf schauen.
Und was ändert sich für Sie persönlich?
Ich sehe mich nicht nur als Pfarrer von Münster, der jetzt auch Eppertshausen hat. Sondern ich versuche für mich klar zu sagen, ich habe die Verantwortung und bin zuständig für zwei Pfarreien. Ich werde nicht sagen, die eine ist wichtiger, weil sie größer ist. Beide Gemeinden haben ihr eigenes Profil und da schauen wir, dass wir uns gegenseitig ergänzen und helfen. Und ich schaue beispielsweise auch, dass ich mal in Eppertshausen einkaufen gehe, um auch die Leute dort zu treffen.
Das Gespräch führte
Lars Herd

Gemeindemitglieder und Gottesdienstzeiten

Die Katholische Pfarrgemeinde St. Michael Münster zählt derzeit 4 821 Mitglieder, die Eppertshäuser Pfarrgemeinde St. Sebastian weist derweil 2 244 Mitglieder vor (Stand 31. Dezember 2020).

Gottesdienstzeiten:
Samstag: 18 Uhr, Vorabendmesse, in Coronazeiten in jeder Gemeinde, dann im 14-Tage-Rhythmus.
Sonntag: 9 und 10.30 Uhr im 14-Tage-Rhythmus wechselnd zwischen Münster und Eppertshausen.
Dienstag: 9 Uhr, Eucharistiefeier, Münster.
Mittwoch: 9 Uhr, Eucharistiefeier, Eppertshausen. 19 Uhr, „Geschenkte Zeit“, Wortgottesdienst, Münster.

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