Ökologische Bewirtschaftung von Feldern

Bioheu von Altheim nach Tirol

+
Hier lagerte bis vor Kurzem noch eine kleine Hügellandschaft von 300 Tonnen Kompost. Nun sieht man die „Spitz Älthemer“ wieder, den Kirchturm als Wahrzeichen Altheims.

Altheim - Naturschutz und intensiv genutzte Ackerbauregionen – zwei Themen, die sich auf den ersten Blick widersprechen. Auf Altheims landwirtschaftlichen Flächen wurde nicht immer besonders umweltbewusst geackert. Von Thomas Meier 

Jetzt bewirtschaftet mit Friedhard Böhm ein Betriebs- und Landwirt einen großen Teil des Ackerlandes rund um Altheim, der sich der ökologischen Landwirtschaft verschrieben hat. Er schloss Pflegeverträge mit dem Zweckverband Gruppenwasserwerk Dieburg. 300 Tonnen Kompost lagerten seit Spätherbst vergangenen Jahres auf einem Feld vor Altheim, das bis vor kurzem noch vom Münsterer Ortslandwirt bestellt wurde, der nicht nur wegen seiner vernachlässigten Rinderhaltung in Misskredit kam. Schnell machte das Gerücht die Runde, dass dort illegal aber gewinnbringend Klärschlämme deponiert worden seien. Doch hatte Friedhard Böhm, landwirtschaftlicher Lohnunternehmer aus Ober-Ramstadt, gelernter Betriebswirt und seit zwei Jahren selbst Landwirt, dort biologisch zertifizierten Kompost aus Grünschnitt gelagert. Unsere Zeitung berichtete im Dezember darüber. Auch darüber, dass er Ackerland suchte, um es sachgerecht zu bewirtschaften.

Nun hat Böhm seine 300 Tonnen Kompost auf seine Felder, darunter einige neue, ausgebracht, der verdächtige Hügel nahe des Richer Bachs ist weg. Doch stöhnt der Bauer angesichts des in der Vergangenheit auch rund um Altheim untergepflügten Unrates. Spricht’s, bückt sich und zieht an einem hervorlugenden Plastikzipfel eine halbe Plane hervor. Plastikmüll im Acker.

Friedhard Böhm wird Öko-Landwirt: Nicht nur seine Felder stellt er derzeit alle auf ökologischen Landbau um, er kümmert sich „aus Überzeugung“ auch um die Natur. So lässt er einen breiten Ackerrandstreifen als Bienenweide mit Sonnenblumen und anderen Pflanzen nahe Altheim stehen.

Seit 1. Juni hat er vertraglich mit dem Wasserwerk in einem Pflegevertrag festgehalten, seine landwirtschaftlich genutzten Flächen auf Öko-Landwirtschaft umzustellen: „Ich führe meinen Betrieb nicht mehr konventionell, sondern ökologisch weiter“, bekräftig er. Das bedeute, er spritze seine Pflanzen nicht mehr und gehe radikal mit der Düngung, insbesondere mit Nitraten, herunter. Maximal 60 Kilogramm des das Grundwasser belastenden Düngers dürfe er somit pro Hektar und Jahr ausbringen. Dies entspreche etwa 30 Prozent dessen, was bei einer normalen Getreideproduktion anfalle.

Böhm will „alles grün halten“ auf seinen Äckern, ab sofort gibt es auf seinen Feldern überhaupt kein Getreide mehr. Aktives Leben will er oben halten, kein Nitrat mehr in Böden und Grundwasser absinken lassen.

Böhm macht ab jetzt in Bioheu. „Altheim ist ein anspruchsvoller Standort“, sagt er. Auf der einen Seite des Feldes sei sandhaltiger Boden, nebenan gleich schwerer Lehm. In Bezug auf Wasserschutz sei dies sehr kompliziert bei der Bewirtschaftung. Sein biologisch erzeugtes Raufutter – „das geht in der Vermarktung schon mal bis nach Tirol“ – hingegen sei sehr umweltverträglich. Zwei Jahre braucht er für die vertraglich vereinbarten Umstellungen von Wasserschutz und ökologischer Bewirtschaftung: „Ab 2020 habe ich dann zertifizierte Bioware.“

Essbare Stadt Andernach

Rund 50 Hektar Land bewirtschaftet Böhm, dessen Betrieb in Ober-Ramstadt angesiedelt ist, rund um Altheim. Hier bekommt er Produktionsflächen von Altheimer Alteingesessenen und auch von mittlerweile nicht mehr dort lebenden Grundeigentümern. Und einige Grundstücke aus der Hinterlassenschaft des geschassten ehemaligen Ortslandwirtes, dessen Hof zwangsversteigert wurde. Viele Grundeigentümer, die diesem einst ihr Land überlassen hatten, verpachten heute an Böhm. „Es spricht sich herum, dass wir ordentlich arbeiten“, macht der Öko-Landwirt in spe schon mal in Eigenwerbung.

Doch er hat auch einiges vorzuweisen, etwa die Protokolle aus der Überprüfung seiner Felder durch den Regierungspräsidenten in Darmstadt, der ja auch die Lagerung der 300 Tonnen Kompost zeitlich begrenzt genehmigte und immer wieder während der Lagerzeit prüfte. Die Behörden haben ein Auge auf das Geschehen rund um Altheim, seit die Misswirtschaft publik gemacht worden ist.

Um den bezuschussten Ackerstatus eines Feldes vor der EU zu erhalten, muss es alle vier Jahre umgebrochen und ein Jahr lang eine Feldfrucht angebaut werden. Böhm denkt an Hafer und oder Roggen. Doch auch hier soll alles ökologisch sein.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare