Kaisersaal in der Pandemie-Krise 

Corona-Krise in Münster: Kaisersaal kämpft mit Auflagen - aus 194 Plätzen werden 40

Dieter Müller und Bettina Herzing-Müller trifft die Corona-Krise im „Kaisersaal“ gleich in mehrfacher Hinsicht hart. Die Geschichte des 1936 gegründeten Familienbetriebs in Münster wollen sie dennoch fortschreiben. Foto: Dörr
+
Dieter Müller und Bettina Herzing-Müller trifft die Corona-Krise im „Kaisersaal“ gleich in mehrfacher Hinsicht hart. Die Geschichte des 1936 gegründeten Familienbetriebs in Münster wollen sie dennoch fortschreiben. Foto: Dörr

Der Kaisersaal in Münster – Hotel, Restaurant, Kino und dazu noch die Musik. Dieter Müller und Bettina Herzing-Müller sind beruflich gleich mit mehreren Branchen befasst, die seit Ausbruch der Corona-Pandemie besonders in der Krise sind. 

Münster - Das Ehepaar hat sich mit dem Kaisersaal einen Namen weit über die Ortsgrenze hinaus gemacht und kämpft dafür, dass der 1936 gegründete Familienbetrieb nicht in der dritten Generation schlappmacht. Was einst Jakob Herzing begann, wollen beide trotz aller aktuellen Einschnitte fortführen.

Trotz Corona-Lockerungen: Business im Kaisersaal Münster läuft nur schleppend

Leicht macht es der Staat als Gesetz- und Verordnungsgeber den Lichtspielen in der Darmstädter Straße allerdings nicht. Zum Betrieb gehören auch eine Gaststätte im Erdgeschoss, ein Veranstaltungsraum im Obergeschoss und die Pension mit 14 Betten. Von blühendem Business kann trotz der ersten Lockerungen in Gastronomie, Hotellerie und Kulturbetrieben zurzeit keine Rede sein.

Von den 194 Plätzen im Kino dürfen Dieter Müller (Künstlername: Dieter Müller-Herzing) und Bettina Herzing-Müller momentan nur 40 besetzen. Zwischen Kinogängern aus verschiedenen Haushalten bleiben mindestens drei Plätze frei. Zum Restart Ende Mai kamen 30 Besucher. „Also fast volles Haus“, wie Dieter Müller mit einem Anflug von Galgenhumor sagt.

Corona bedroht Familien-Tradition: Kaisersaal in Münster kämpft mit Auflagen

Wie er trägt auch seine Frau den Status quo mit Fassung und macht deutlich, dass die Geschichte des Familienunternehmens und kulturell wie gastronomisch wertvollen Münsterer Treffpunkts trotz der wirtschaftlich schweren Phase weitergehen soll. Das Lokal öffnet Bettina Herzing-Müller nun zu anderen Zeiten, damit dessen Gäste nicht den Kinobesuchern in die Quere kommen. Der Eingang ist nun nicht mehr der Ausgang, stattdessen verlässt man das Gebäude durch eine Nebentür. Statt im Gastraum tischt sie nun im größeren Veranstaltungsraum im Obergeschoss auf – Mieter wie beispielsweise Münsterer Chöre kommen im Augenblick sowieso nicht. Weil für viele Kaisersaal-Fans Schmaus und Film zusammengehören, serviert Herzing-Müller manches Gericht nun auch direkt am Kinosessel.

Das Hotel lief derweil durch, „aber eingeschränkt, das war schon deutlich weniger als sonst“. Unter den Übernachtungsgästen waren zuletzt ausschließlich Berufstätige; andere Gruppen wie etwa Familien fehlten. „Es ist alles so, als hätte jemand auf Reset gedrückt“, sagt Herzing-Müller. „Wir betrachten das Ganze wie ein Neuling und versuchen, das Beste draus zu machen.“ Gleichwohl das nicht die pure Freude sei: „Ich spiele gerade den Bürokraten, Ordner und Polizisten“, zählt die herzliche Frau auf. „Das ist so gar nicht meins.“

Wegen Corona: "Saure-Gurken-Zeit"im Kaisersaal Münster

Auch in kreativer Hinsicht ist der Kaisersaal derzeit eingeschränkt. Ein paar Filme, die er von den Verleihern etwas günstiger als sonst besorgen kann und die er in Münster noch nicht gespielt hat, hat Dieter Müller zwar noch in der Hinterhand. „Aber nichts Aktuelles“, wie er zugibt und mit dem Kinogeschäft ohnehin vor schwierigen Monaten steht: „Durch den Sommer kommt jetzt ja erstmal die Saure-Gurken-Zeit.“

Auch ihr neues „Baby“ können die Betreiber des Kaisersaals zunächst nicht größer präsentieren: Kurz vor dem Corona-Ausbruch hatten sie noch in eine Bühne vor der Leinwand investiert. Die soll künftig ein paar Mal im Jahr für Veranstaltungen – Konzerte und Vorträge, am besten in Verbindung mit einem Film oder anderen Leinwand-Projektionen – genutzt werden. „Der Auftakt war richtig gut“, blickt Müller mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Beim Auftritt eines Udo-Lindenberg-Doubles war der Saal ausverkauft; wohlgemerkt noch bei der alten Kapazität von fast 200 Gästen.

Corona sorgt für Konzert-Ausfall - Kaisersaal Besitzer betroffen

Diese Zahl, da muss man weder Prophet noch Schwarzmaler sein, wird das Kino bis mindestens in den Herbst hinein kaum erneut versammeln dürfen. Auch in anderem Zusammenhang wird Dieter Müller ein Publikum dieser Größenordnung noch länger nicht erleben: Der Musiker, der in der Stones-Coverband Glitter Twins spielt, muss auch noch die Absage etlicher Konzerte seiner Gruppe verkraften.

Zumindest aus seinem anderen musikalischen Standbein als Klavierpädagoge an der Darmstädter Akademie für Tonkunst fließen weiter Einnahmen. Unterricht gibt er nun per Videoschaltung. Ein Essen oder den neusten Blockbuster servieren kann er auf diesem Wege freilich nicht.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare