Zuerst fällt der Schornstein

Erste Handwerker zur Sanierung im „ARThaus“

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Sortenrein sortiert: Beim Paneeleentfernen und Bodenausreißen halfen viele Hausnutzer mit.

Altheim - Das „ARThaus“ hat sich mit einer großen Sause für die Zeit der lange erwarteten Sanierung verabschiedet, jetzt ziehen die Handwerker in das ehemalige Rathaus von 1862 ein. Die Elektriker sind bereits am Werk, die Fenster bestellt, weitere Ausschreibungen laufen. Von Thomas Meier 

Architekt Michael Kramer aus Eppertshausen packt’s an.

Architekt Michael Kramer gewährte unserer Zeitung einen Einblick in den schmucken, aber derzeit noch maroden Altbau. Das „ARThaus“ hat sich seit Frühjahr 2015 zu einem Zentrum für Kunst, Kultur und Begegnungen entwickelt, das aus Münster nicht mehr wegzudenken ist und Aufmerksamkeit aus dem ganzen Landkreis auf sich zieht. Mit ambitionierten Projekten und Veranstaltungen leistet der Verein Kunst und Kultur Münster-Altheim einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Vielfalt – und lockt auch Besucher weit über die Gemeindegrenzen hinaus an.

Insgesamt werden rund 330.000 Euro in das nach Plänen des einst berühmten Architekten Moller gebaute Haus gesteckt. Möglich macht die hohe Ausgabe für den Bau, der nach Plänen der CDU vor einigen Jahren noch händeringend verkauft werden sollte, ein Zuschuss von 200.000 Euro aus der EU-LEADER-Stiftung (wir berichteten mehrfach). 70 Prozent aller Maßnahmen bis 200.000 Euro zahlt das Programm, 30 Prozent muss die Gemeinde beisteuern.

Allerdings wurde auch bereits ohne EU-Zuschuss saniert. Aufgrund des maroden Daches konnte das Votum des Förderausschusses nicht abgewartet werden. Sonst hätte das Haus durch eindringende Feuchtigkeit erheblichen Schaden genommen. Insgesamt 109.000 Euro hat die Gemeinde in die Erneuerung des Daches einschließlich Dachgebälk, Deckenlochreparatur und Turmspitze sowie Brandschutzauflagen investiert. Mit der EU-Förderung und den Eigenmitteln der Gemeinde ist nun der Weg für die weitere Sanierung frei. Fenster und Fassade müssen erneuert werden, hinzu kommen Arbeiten im Innern, im Bereich Sanitär, Heizung und Energie. Die 330.000 Euro müssen viele Wünsche erfüllen.

Die alte Sanitärzelle kommt komplett weg, eine behindertengerechte Toilette wird nahe des Eingangs installiert.

Architekt Dipl.-Ing. Michael Kramer war beim jüngsten Rundgang durch den denkmalgeschützten Bau voll des Lobes über die Vorarbeiten des mittlerweile 60-köpfigen „ARThaus“-Vereins. Am letzten Wochenende im März räumten Aktive nicht nur sämtliche Möbel und Inventar aus den Innenräumen, sie entfernten auch nach Absprache abgedeckte Deckenpaneele und Bodenbeläge. „Das Ganze hinterließen sie auch noch auf sortenrein getrennten Haufen“, freut sich der Planer aus Eppertshausen.

Mit den Nutzern waren im Vorfeld der nun beginnenden Sanierung etliche Gespräche geführt worden. Und so konnte der Elektriker bereits mit seinem umfangreichen Werk beginnen. Viele Steckdosen wurden schon abgeschraubt, Hinweise auf neue Kabelstränge aufgezeichnet. Nur ein kleiner Teil der alten elektrischen Anlage wird wohl erhalten bleiben, das meiste ist neu zu verlegen. Auch Anschlüsse für WLAN, also ein drahtloses lokales Netzwerk, werden installiert.

Mit brachialer Gewalt geht es zunächst dem Schornstein zu Leibe, er wird abgerissen. Die Gewerke für Heizungs-, Sanitär- und Elektroarbeiten sind vergeben, laut Architekt werden die Abläufe der Handwerker „durch einen strikten Plan“ abgearbeitet. Auch die Erneuerung der alten, verzogenen und undichten einfachverglasten Fenster ist raus, allerdings müssen die Details noch mit der in alle Arbeiten einzubindenden Denkmalpflege des Kreises abgeklärt werden.

Fest steht, dass die Heizungsanlage bleibt. Sie entsprich den Anforderungen. Auch die Heizungskörper benötigen nach Entlüftung wohl nur eines neuen Anstrichs. Komplett entfernt werden die (eher rudimentär vorhandenen) sanitären Anlagen im Ex-Verwaltungssitz. Eine neue, behindertengerechte Toilettenanlage soll in einem Raum gleich links vom Eingang des „ARThauses“ Einzug halten.

Tückische Nachkriegshäuser: Kleine Räume, keine Wärmedämmung

Im ehemaligen Rathaus-Sitzungssaal bleiben die praktischen Schrankwände an der Stirnseite erhalten (bekommen aber auch einen neuen Anstrich). Über den alten Dielen aufgebrachte Dämmbretter werden entfernt, die Holzbohlen vom Fachmann geschliffen und so wieder auf Vordermann gebracht. Und eines der Fenster zum Hof hin wird zur Tür und mit einem kleinen „Berliner Balkon“ versehen. Große Aufmerksamkeit wird dem Brandschutz gewidmet. So werden etwa die Tapeten durch Glasflies an den Wänden ersetzt, dessen Anstrichfarbe noch der Einzelklärung bedarf. Die Decken werden abgehängt, im Saal nicht so tief wie zuletzt.

Während der Innenausbau so bereits anlaufen kann, müssen für den Außenbereich noch einige konkrete Absprachen mit dem Denkmalschutz getroffen werden. Dies werde in Angriff genommen, sobald das Gerüst steht. „Etwa in sechs Wochen“, sagt Architekt Kramer. Es geht um die Farbgestaltung, aber auch um die künftige Erscheinungsweise des mit dicken Quadern gemauerten Sockels. Die Pläne sind gezeichnet, die Vorstellungen konkret, letzte Absprachetermine bereits ins Auge gefasst. Bis Herbst soll der Bau in neuem, EU-geförderten Glanz erstrahlen. „Unser Zeitplan ist sicherlich zu halten“, sagt der Experte.

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