„Es war mir eine Herzensangelegenheit“

Nach neun Jahren hören Axel Rüb und Andrea Locke in Münster mit der „Auszeit bei Axel“ auf

Ende Oktober ist Schluss: Dann geben Axel Rüb und Andrea Locke die „Auszeit bei Axel“ am Münsterer Freizeitzentrum ab. Die Nachfolgersuche läuft.
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Ende Oktober ist Schluss: Dann geben Axel Rüb und Andrea Locke die „Auszeit bei Axel“ am Münsterer Freizeitzentrum ab. Die Nachfolgersuche läuft.

„Es gibt ein Sommerleben und ein Winterleben“, sagt Axel Rüb und spielt damit auf die vergangenen neun Jahre an: Seit 2011 betreibt der Klein-Krotzenburger am Münsterer Freizeitzentrum zusammen mit seiner Partnerin Andrea Locke die „Auszeit bei Axel“. Im Frühjahr und Sommer geht es in dem 130 Gäste fassenden Biergarten so richtig quirlig zu, „sieben Monate lang muss man richtig schaffen“. Im Winter waren Rüb und Locke hingegen nur am Wochenende und im kleinen Innenbereich des Gemeindeobjekts da und konnten neue Kraft tanken. Ende Oktober endet die anstrengende wie schöne Zeit für das Paar: Rüb ist nun 65, beide gehen in wenigen Wochen in den Ruhestand.

Münster – Etliche Stammgäste bedauern das sehr, doch Axel Rüb hat seinen Abschied bereits vor längerer Zeit angekündigt. Insofern läuft seitens der Gemeinde, die die Immobilie samt Außenbereich im Münsterer Naherholungsgebiet verpachtet, auch schon die Nachfolgersuche. Rüb ist tief in sie eingebunden, hat in den vergangenen Tagen mehrere Gespräche mit Bewerbern geführt, darunter auch ein vielversprechendes. „Mir ist es wichtig, dass es hier gut weitergeht, denn es war mir all die Jahre eine Herzensangelegenheit“, betont Rüb. Zudem habe er eine teils enge Bindung zu vielen Besuchern aufgebaut, „wir haben sehr, sehr nette Gäste“.

Bei manchen Bewerbern hegt der gelernte Metzgermeister und Koch allerdings auch Zweifel, ob sie der Aufgabe im Münsterer Freizeitzentrum gewachsen seien. Weniger aus kulinarischer Sicht, „man muss hier kein Sternekoch sein“. Doch die Belastung sei in der Hauptsaison enorm. Was nicht nur die Sechs-Tage-Woche meint –nur montags gönnen sich Rüb und Locke eine Pause –, sondern auch die tägliche Arbeitszeit. Zwar öffnet die „Auszeit bei Axel“ erst um 11 Uhr und im Sommer heißt es um 21.15 Uhr „letzte Runde“, doch bildet das das Engagement des Paars nur teilweise ab. „Meist sind wir schon um 7 Uhr hier“, sagt der Gastronom. Bis man nach Hause fahre, das Mobiliar verstaut und die letzten Handstreiche für den Abend gemacht sind, werde es oft 23 Uhr.

Was nicht nur an den Mittags- und Abendgerichten liegt, sondern auch an den hauseigenen Kuchen. Die Kaffeezeit am Nachmittag erfreut sich in der „Auszeit bei Axel“ deshalb ebenfalls großer Beliebtheit. Alle Kuchen backen die Betreiber selbst, „täglich sind es mindestens vier, sonntags 13.“ Gestemmt wird das Ganze unter anderem mit der Unterstützung von Andrea Lockes Tochter Tanja, die auch die beiden außergewöhnlichen Tische, die im Biergarten dank maßgefertigter Löcher zwei Bäume durch ihre Platte wachsen lassen, geschreinert hat. Insgesamt besteht das Team aus sieben Personen.

Mit Freundlichkeit, Fleiß, Durchhaltevermögen, guten und günstigen Gerichten „und einer Partnerin, die das mitmacht“, hat sich die „Auszeit bei Axel“ nach und nach große Beliebtheit erarbeitet. „Im ersten Jahr hatten wir noch einen ganz schlechten Sommer“, blickt er zurück. Ab dem dritten Jahr sei es schließlich gut gelaufen, bis zur achtwöchigen coronabedingten Schließung in diesem Frühjahr, die aber keinen Einfluss auf die Entscheidung für den nahenden Abschied hatte. Die Gäste kommen aus der ganzen Region, Münster, Eppertshausen, Rödermark, Rodgau, Dreieich, Seligenstadt, auch Darmstadt.

In Kürze, ab November, sei es für Axel Rüb und Andrea Locke aber „ganz wichtig, dass man jetzt mal runterfährt“. Wobei es an Plänen für den Ruhestand nicht mangelt: „Wir wollen unter anderem unser Haus umbauen und viel Rad fahren.“ Mit dem Drahtesel dürften sie dann sicher auch mal am Münsterer Freizeitzentrum vorbeischauen – dann aber als Gäste. (Von Jens Dörr)

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