Vor allem Münster versteht sich aufs Anzapfen der Fördertöpfe in der Gemeinschaft

Europa zahlt sich für Kommunen aus

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Olaf Burmeister-Sald und Claudia Fröhner-Schaub schauen sich die Planung für die Mehrgenerationenanlage am Bürgerpark an. Hierfür soll bald Startschuss sein.

Warum sollten die Bürger zur Europawahl gehen? Weil es sich auszahlt. Insbesondere Münster machte dies die vergangene Legislaturperiode vor, doch auch Epperthausen schneidet nicht schlecht ab als Profiteur der europäischen Gemeinschaft.

Münster/Eppertshausen - Im Beantragen und Einkassieren von EU-Geldern sowie Zuwendungen für sogenannte Leader-Projekte ist die Gemeinde Münster groß. In der Summe aller Zuwendungsbescheide der Regionalentwicklung an die Gemeinde beträgt der Gesamtzuschuss in der aktuellen Förderperiode (2014 bis 2020) bei geplanten Investitionen von knapp einer Million immerhin 518 185 Euro. Einen großen Batzen von 200 000 Euro entfallen allein auf das Altheimer „ARThaus“. Doch flatterten weitere positive Bescheide ins beantragungsfreudige Rathaus. So gibt es für das Wisent-Projekt und die Naturpädagogik auf dem ehemaligen Muna-Gelände über 60 000 Euro, für den Bürgerpark nebst Kiosk und Spielplatz fließen 95 000 Euro und die Skateranlage Altheim, Wunschprojekt einiger Jugendlicher, wurde mit über 24 000 Euro bezuschusst.

Eppertshausens Bürgermeister Carsten Helfmann ist stellvertretender Vorsitzender des Förderausschusses des Regionalen Entwicklungskonzept REK im Landkreis Darmstadt-Dieburg, er weiß also auch, wie Kommunen profitieren können.

Aus EU-Mitteln hat die sich in Eppertshausen niedergelassene Hausärztin Dr. Schwinn einen Zuschuss für die Schaffung von Arbeitsplätzen und für die Praxisausstattung erhalten. Etwa 15 000 Euro. Die Gemeinde Eppertshausen erhält EU-Mittel für die Beleuchtung des Radweges zwischen Eppertshausen und Münster; anteilig 40 000 und 45 000 Euro.

Sehr anschaulich verdeutlichte jüngst zur Bürgerversammlung in Münsters Kulturhalle Olaf Burmeister-Salg, Leiter der Abteilung Wirtschaftsförderung, Kultur, Sport und Soziales, was die EU im Lokalen bewirken kann, wenn man weiß, die Töpfe – hier am Beispiel der Programmes Leader – auszuschöpfen. Die französische Abkürzung bedeutet übersetzt „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“. 14 Kommunen des Landkreises Darmstadt-Dieburg sind seit 2007 Leader-Region, inzwischen in der zweiten Förderperiode. Eine solche läuft sieben Jahre, in dieser Zeit können insgesamt 1,7 Millionen Euro vergeben werden. Und Münster Bürgermeister rief eben häufig „Hallo“.

Die Sanierung des „ARThaus“ lief zwischen 2016 und 2018, schlug sich mit Gesamtkosten von 400 000 Euro nieder. Die Leader-Fördersumme betrug 200 000 Euro: der Höchstförderbetrag und die höchste jemals vergebene Summe heimischen Förderausschusses.

Die Skateranlage in Altheim wurde von Jugendlichen angestoßen, die Gesamtkosten hier: 41 576,22 Euro. Die Leader-Ausschüttung: 24 456 Euro. Der Restbetrag wurde über Spenden gedeckt, die Gemeinde zahlt nichts für den Spaß der Jugend.

Die Anschubfinanzierung für Personal, Planung und Konzeption zur Muna-Erschließung verschlingt rund 120 000 Euro. Aus dem Leader-Topf fließen dabei über 77 000 Euro. Ziele sind: Erhalt der Artenvielfalt im Biotop, die Ansiedlung von Wisenten und Wildpferden sowie damit verbunden naturpädagogische Angebote wie Museum, Erlebnispfad und mehr.

Was noch durch Leader kommt: Die Mehrgenerationenanlage Bürgerpark und Mühlgasse nach einem Beschluss des Gemeindeparlamentes vom 4. Juni 2018. Sie kostet über 170 000 Euro, von Leader sind knapp 95 000 zu erwarten. Dafür gibt es die Sanierung des Kioskgebäudes am Bürgerpark, den Anbau eines Lagers nebst behindertengerechtem WC, den Umbau der Rollschuhbahn zu einer Boulebahn, die Ausstattung des Areals mit Bewegungs- und Outdoor-Spielgeräten sowie eine Ladestation für E-Bikes.

Und letztlich fördert die EU über Leader auch ein lange auf Halde liegendes interkommunales Projekt von Münster und Eppertshausen: die Präsenzbeleuchtung des Radweges zwischen den beiden Kommunen, der viel befahrener Schulweg und auch wichtiger Radweg im Landkreis ist. Die 35 Lampen auf einer Länge von 1,7 Kilometer sorgen für eine Radwegbeleuchtung mit innovativer, umweltschonender LED-Sensortechnik, die nur auf Bewegung reagiert. Kein Licht, wenn sich kein Mensch durch dunkle Nacht zwischen Wiesen und Feldern bewegt. Die hohen Kosten von 244 000 Euro scheuten die Gemeinden lang. Mit der EU-Förderung von 122 000 Euro soll es noch dieses Jahr endlich hell werden für die zahlreichen Schüler und Radpendler.

Klar, dass Burmeister-Salg seine Ausführungen schloss mit der Bemerkung: „Die EU ist gut für Münster. Gehen Sie am Sonntag zur Europa-Wahl.“

von Thomas Meier

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