Trotzdem ist der NABU zufrieden mit der Ernte / Mitstreiter gesucht

In fast jedem Apfel ist der Wurm drin

Erstmals wurden die Äpfel beim Kelterfest mit einer von Wasserdruck betriebenen Presse entsaftet, ausgeliehen von den Kelterfreunden Ober-Roden.

Münster – Zwei Streuobstwiesen nennt der Naturschutzbund sein eigen, zudem darf er die gemeindeeigenen Apfelbäume am Freizeitzentrum ernten. VON THOMAS MEIER

Trotz des heißen und vor allem trockenen Sommers reichte die Ernte in diesem Jahr für ein Kelterfest: Die Äpfel sind wie im vergangenen Jahr zwar klein, aber gehaltvoll“, freute sich Thomas Lay, Öffentlichkeitssprecher beim NABU, Ortsgruppe Münster. Anders als vor zwei Jahren: Da gab es kaum Äpfel und die wenigen, die an den dürren Ästen hangen, wurden auch noch von Unbekannten geklaut. „Mit fünf Äpfeln war damals wahrlich kein Fest zu machen“, erinnert sich NABU-Vorsitzender Dieter Günther.

Nun trugen die 15 Aktiven der weit über 500 Mitglieder starken Ortsgruppe ein Dutzend großer Säcke mit Äpfeln zusammen, was letztlich für etwa 400 Liter frischen Saft reichen sollte. Gerade genug, um den Ansturm auf den leckeren Süßen zu befriedigen, denn kaum lief die Kelter zum Fest an, standen auch schon Bürger mit Gläsern, Flaschen und Kanistern bereit, das Getränk gleich zu genießen oder mit nachhause zu nehmen.

„Fast jeder Apfel an unseren Streuobstwiesen war bei der Ernte angestochen“, sagt Günther; sprich: Da war der Wurm drin. Die oberen Äpfel ließ man an den Bäumen und auch vom Fallobst kamen nur die halbwegs guten ins Körbchen. „Wir wollen ja auch etwas fürs Getier übrig lassen“, erklärt Lay. Insekten und Vögel freuten sich über diese Leckerei.

Bevor der Saft aus der Presse laufen sollte, die unter Wasserdruck lief und in diesem Jahr von den Kelterfreunden Ober-Roden leihweise zur Verfügung gestellt wurde, galt es, allerhand Vorbereitungen zu treffen. Die Äpfel wurden gewaschen, eine Handvoll NABU-Helfer viertelten die Früchte und schnitten Schadstellen heraus, dann kam das Obst in den Häcksler und dann erst in die Leihkelter, die bedient wurde vom Apfelweinkönig Stefan Hornung aus Ober-Roden. Aufgefangen wurde der Saft in großen Kanistern, von denen er wiederum in die mitgebrachten Behältnisse der Besucher oder die gleich zu leerenden Gläser lief.

Die Naturschutz-Aktivisten verstehen solche Veranstaltungen stets auch als Eigenwerbung. Ist die Zahl der Mitglieder auch beachtlich, so fehlt es der Truppe hauptsächlich an zupackenden Mitstreitern und am Nachwuchs.

Gerade jetzt im Herbst ist der Arbeitsanfall in den vom NABU betreuten Naturschutzgebieten rund um Münster am größten. Mäharbeiten sind zu leisten, die Mahd muss auch teilweise abgeräumt werden, beispielsweise auf den großen Magerrasenflächen im Naturschutzgebiet Am Sand. Dort dürfen die Flächen keinen Gründung bekommen, dies sei für die dort vorkommende, seltene Flora tödlich, sagt Günther „Wir pflegen dort eine der letzten Magerrasenflächen in Südhessen“, klärt Lay auf. Auch wenn die größte, zusammenhängende Magerrasenwiese gerade einmal 150 auf 40 Meter misst, sind die Flächen doch etwas ganz besonderes.

Dass die Uferschwalben wieder im heimischen Raum fliegen, ist auch unzähligen Einsätzen der NABU-Mitglieder zu verdanken, die eine Schwalbenwand in den Hergershäuser Wiesen erst im Januar vom Bewuchs befreiten und sie somit den Luftflitzern als Brutstätte erst wieder zugänglich machten. 40 Brutpaare zählten die Beobachter in diesem Jahr. Auch hier sind im Herbst zahlreiche Nacharbeiten vonnöten.

Es gibt immer viel zu tun, aber immer weniger packen an. „Dabei ist unsere Arbeit so vielfältig wie wichtig und hochinteressant“, wirbt NABU-Vorsitzender Günther. Interessierte am naturkundlichen Tun lädt die Ortsgruppe ein, zum Bauwagen-Stammtisch an der alten Kläranlage im Werlacher Weg zu kommen. Jeden ersten Donnerstag im Monat treffen sich dort die Aktiven, um über ihre Naturbeobachtungen zu reden, Informationen zum Naturschutz auszutauschen und neue Aktivitäten zu planen.

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