Frank Nierula ist der neue Klimaschutzmanager der Gemeinde Münster

Entdecker der „Ruderalflächen“

Schon in jungem Alter hat Münsters neuer Klimaschutzmanager Frank Nierula ein Faible für Pflanzen und den Wald entwickelt.
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Schon in jungem Alter hat Münsters neuer Klimaschutzmanager Frank Nierula ein Faible für Pflanzen und den Wald entwickelt.

Die Gemeinde Münster hat einen neuen Klimaschutzmanager. Unter 20 Kandidaten hat sich Frank Nierula durchgesetzt. Derzeit laufen Gespräche mit der Gemeinde Eppertshausen, ob er zusätzlich zu seiner Tätigkeit in Münster auch dort die neu geschaffene Stelle ausfüllen kann.

Münster – „Die Stelle klang interessant“, sagt Frank Nierula: „Und als sie mir Bürgermeister Joachim Schledt näher vorgestellt hat, wurde sie noch interessanter.“ Mit der „Stelle“ gemeint ist die Position des Klimaschutz-Managers im Münsterer Rathaus: Nach längerer Vakanz hat der 35-Jährige sie nun angetreten – nach einer Auswahl unter 20 Kandidaten.

Von Anfang 2018 bis September 2020 war Eric Maercker Münsters erster Klimaschutz-Manager. Die Gemeinde war diesbezüglich ganz vorn dabei im Landkreis, wo die Kommunen dem Megathema bis heute nicht alle mit einer speziell befassten Person Rechnung tragen. Nach Maerckers Weggang blieb die Stelle zunächst auch in Münster unbesetzt. Noch vor der Kommunalwahl und auf den letzten Drücker der Haushaltsdebatte schaffte es die alte Gemeindevertreter-Mehrheit von SPD und ALMA, jenes Geld im Etat 2021 unterzubringen, das Münster neben dem üppigen Bundeszuschuss für seinen Klimaschutzmanager selbst aufbringen muss. Nachdem sich eine im Frühjahr ausgeguckte Kandidatin noch vor Dienstantritt anders entschied, fiel die Wahl schließlich auf Nierula.

Der gebürtige Frankfurter, der in Heusenstamm aufgewachsen ist und wohnt, hinterlässt den Eindruck, die neue Aufgabe engagiert und authentisch ausfüllen zu können. Was weniger meint, dass sich der studierte Biologe vegan ernährt oder nach einer Autofahrt zum Mäusberg darauf besteht, den Rückweg zum Rathaus zu Fuß anzutreten. Vielmehr ist es die Art, auf die er von seinen neuen Aufgaben spricht: Mit Freude und Begeisterung – und schon nach wenigen Wochen Einarbeitung mit einer recht präzisen Vorstellung, wie er der Gemeinde dienen kann.

Babenhausen entdeckt den Klimaschutz neu

Der Klimaschutz hat in Babenhausen in der neuen Legislaturperiode einen neuen Stellenwert bekommen. Auf Antrag der Grünen ist dieser nun im Namen des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr, Klima- und Umweltschutz präsent. Nach der Sommerpause wollen die Grünen ein entsprechendes Konzept vorstellen und diskutieren.

Auf der Agenda wird dann auch ein Antrag der FDP sein. Die Fraktion fordert, dass die Stadt Fördermöglichkeiten intensiver nutzen soll. Dabei verweisen die Liberalen darauf, dass die Stadt bereits seit 2010 Mitglied des vom Land Hessen gegründeten Bündnis „Hessen aktiv: Die Klima-Kommunen“ ist und somit Zugang zu umfangreichen Fördermaßnahmen hat. In den ersten Jahren nach dem Beitritt zum Bündnis seien „wichtige Impulse“ wie das Erstellen eines Klimaschutzkonzeptes durch die Ingenieurgesellschaft K&L gesetzt worden. „Erste Maßnahmen wurden hier bereits projektiert und umgesetzt, allerdings ist hier laut aktueller Datenlage und den einsehbaren Drucksachen seit etwa 2013 nichts mehr passiert“, schreibt die FDP. Als Projekte können sich die Liberalen vorstellen: vollständige Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Leuchtmittel; Minderung des Anteils der durch Gas beheizten städtischen Immobilien durch dezentralere Energieversorgung; Erstellen eines umfassenden Radwegekonzeptes und dessen sukzessive Umsetzung. (nkö)

Dies hat freilich auch das Rathaus definiert. Verwaltungschef Schledt skizziert, dass Nierula den örtlichen Klimaschutz „mit kleinen, wahrnehmbaren Projekten voranbringen“ soll. Dabei habe der neue Mitarbeiter die Beinfreiheit, vom „technischen“ Klimaschutz (Gebäudesanierung, Verbrauchsmessungen, regenerative Energieerzeugung etwa durch Fotovoltaik auf kommunalen Liegenschaften) stärker in Richtung „Umweltschutz und Münster grüner machen“ gehen zu dürfen. Nierula selbst versteht sich dabei als Ansprechpartner für die Politiker, die Kollegen der anderen Fachbereiche und nicht zuletzt die Bürger. Nierula spricht von „Bürger*innen“, das Gendern geht ihm ganz selbstverständlich über die Lippen. „Kommunaler Klimaschutz funktioniert dann am besten, wenn sich möglichst viele Bürger*innen daran beteiligen.“

Gleichwohl ist die Herausforderung für den kommunikativen Verwaltungszugang neu: Nierula, der im Biologie-Studium an der Uni Würzburg den Bachelor und Master machte und als Co-Autor das Buch „Der Palmöl-Kompass“ (samt ausgiebiger Vor-Ort-Recherche auf den Plantagen Malaysias) schrieb, arbeitete zuletzt in einem Projekt für Biodiversität. Als seine Stelle nicht verlängert wurde, bewarb er sich in Münster.

„Ich bin erst mal ganz viel durch die Gemeinde gelaufen und habe dabei schon viele Flächen kennengelernt“, berichtet der ehemalige Pfadfinder und schon in jungem Alter ein Faible für Pflanzen und den Wald entwickelte und der auch heute fast nur Wanderurlaube macht. Unter den begutachteten Örtchen fielen ihm beispielsweise einige Ruderalflächen auf – Böden auf Schuttflächen und Ödland, die das Zeug haben, sich auf absehbare Zeit zum wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere zu entwickeln. Begeistert kehrte der Klimaschutzmanager kürzlich von der Gersprenz zurück: „Dort habe ich nahe der Kläranlage eine Gruppe von 20 Störchen gesehen.“

Sukzessive zieht die Arbeit für Nierula an. Die bestehende Ladeinfrastruktur für E-Bikes in Münster sähe er gern ausgebaut; für die Abhol- und Liefer-Gastronomie in Münster, Altheim und Breitefeld wünscht er sich ein umfassendes und einheitliches Mehrwegsystem; für die Erarbeitung eines Grünkonzepts befindet er sich bereits im Austausch mit Grünflächenamt und Gemeindegärtnern; und nicht zuletzt will der Fachmann die am besten geeigneten Ruderalflächen in Münster, Altheim und Breitefeld nach Möglichkeit „stilllegen“ und durch ergänzende Aufbauten wie Steinhaufen und Totholz biologisch aufwerten.

Inwiefern Nierula das während der zunächst finanzierten zwei Jahre seiner Vollzeit-Beschäftigung im Rathaus ausschließlich für die Gemeinde Münster tun wird, wird sich zeigen. Schließlich haben die Gemeindevertreter in Eppertshausen gerade beschlossen, dass ihre Kommune ebenfalls einen Klimaschutzmanager einstellen soll – und in diesem Zug eine interkommunale Zusammenarbeit, die eine Stellenteilung beinhalten könnte, prüfen soll. Ein erstes Gespräch zwischen den Bürgermeistern Joachim Schledt und Carsten Helfmann hat bereits stattgefunden, ein Ergebnis ist laut Schledt aber noch nicht absehbar.

Klarer derweil: Beim Naturschutz-Projekt des Bundes auf dem Muna-Areal ist der neue Klimaschutzmanager erst mal weitgehend außen vor. Den „Lost Place“ mit Wisenten, Wildpferden sowie seltenen Orchideen, Vögeln und Amphibien durfte er bislang noch nicht betreten. Weitere Infos im Internet. (Von Jens Dörr)

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