CDU-FDP-Kooperation in Münster beendet Wohnquartier-Idee

Frankenbachgelände bleibt Gewerbegebiet

Hier entstehen keine Wohnhäuser – das sogenannte Frankenbachgelände bleibt Gewerbegebiet.
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Hier entstehen keine Wohnhäuser – das sogenannte Frankenbachgelände in Münster bleibt Gewerbegebiet.

Das Frankenbachgelände wird als Gewerbegebiet entwickelt. Das haben die Münsterer Gemeindevertreter in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen.

Münster - Mehrheitlich stimmten CDU und FDP in ihrer Kooperation für den von ihnen gestellten Antrag, sämtliche bisher bestehende Planungen zur Nutzung des Geländes als überwiegendes Wohnbaugebiet mit sofortiger Wirkung einzustellen und stattdessen die Planungen zur Entwicklung und Bebauung als reines Gewerbegebiet umgehend zu beginnen.

Ein Argument für den Antrag war vor allem, dass Münster „deutlich mehr Einnahmen“ brauche, betonte CDU-Fraktionsvorsitzender Thorsten Schrod. Und langfristig gelingt das am besten durch Gewerbesteuern. Jörg Schroeter, Fraktionschef der FDP, nannte das Frankenbachgelände sogar „die letzte Chance“ auf eine Gewerbeunterbringung in Münster. „Sonst gibt es in absehbarer Zeit keine Möglichkeit auf neue Gewerbeflächen.“ Gleichzeitig warnte er davor, sogenannte Filialisten – Standorte von Großunternehmen – dort unterzubringen: „Denn die bezahlen ihre Steuern woanders.“

Seine Argumentation, dass Münster dringend Gewerbesteuereinnahmen brauche, belegte Schroeter mit Zahlen des Statistischen Landesamts: Mit rund 2,1 Millionen Euro liegt die Gemeinde Münster mehr als 60 Prozent hinter der Vergleichsgruppe von über 80 Kommunen in ähnlicher Größe. Schrod zählte zuvor schon auf, dass die an der Einwohnerzahl gemessen nicht einmal halb so große Gemeinde Eppertshausen – gerade durch den Park45 – sogar mehr verdiene als Münster. Ein Problem dabei, das Frankenbachgelände als Gewerbegebiet zu erschließen, ist allerdings, dass die Grundstücke wohl mit Verlust verkauft würden, weil man beim Kauf von einer Wohnbebauung ausgegangen sei, meinte Schroeter. „Es kann sein, dass wir einen hohen sechsstelligen Betrag verlieren.“

Was SPD und ALMA-Die Grünen gehörig stört, die auf dem Gelände lieber ein Wohngebiet gesehen hätten. Christian Steinmetz (SPD) warnte davor, dass der Verlust auch siebenstellig ausfallen könne, bei der bisher geplanten Bebauung mit Wohnraum als Plus-Energie-Siedlung – dabei wurde auch mit einem Gewerbeanteil von 30 Prozent geplant, beispielsweise für eine Seniorenwohnanlage – wäre hingegen ein deutlicher Überschuss zustande gekommen, so Steinmetz.

Auch Julian Dörr, Fraktionsvorsitzender von ALMA-Die Grünen, pflichtete ihm bei und widersprach Schrods Aussage, dass das Frankenbachgelände das letzte verbleibende Gewerbegebiet sei und verwies auf den Ortsteil Breitefeld. „Das hat man jahrzehntelang nicht beachtet.“

Vor einer Entscheidung bezüglich des Frankenbachgeländes stellte die SPD den von ALMA-Die Grünen unterstützten Antrag, das Thema in den Bau-, Planungs- und Umweltausschuss zu verschieben und dort noch einmal alle Zahlen durchzugehen. „Denn jede meiner Zellen weigert sich zuzustimmen, ohne dass ich alle Zahlen kenne“, sagte Steinmetz. Den Antrag lehnten CDU und FDP aber gemeinsam ab mit der Begründung, dass man schnellstmöglich mit der Suche nach Investoren beginnen müsse. (Lars Herd)

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