Ringer-Kooperative

Fairness auf der Matte lernen

+
15 bis 18 Jungs nehmen aktuell an der Ringer-AG in der FSV-Halle teil. Michael Baranauskas (vorn links) leitet sie.

Münster - Die Freie Sportvereinigung Münster und die Kennedy-Grundschule kooperieren über eine Ringer-AG, was auch den „Freien“ hilft. Trainer Baranauskas sagt: „Viele Eltern begeistert, was aus ihren Kindern geworden ist.“ Von Jens Dörr 

Das nennt man wohl eine klassische Win-Win-Situation: Die Ringer-Arbeitsgemeinschaft zwischen der FSV Münster und der Kennedy-Grundschule zahlt sich sowohl für den Verein als auch für die Schule – und allen voran die Teilnehmer selbst – aus. Die „Freien“ profitieren durch die Erstarkung ihres Nachwuchsringens, die Schule durch ein zusätzliches AG-Angebot. Einmal wöchentlich leitet Michael Baranauskas, ein ehemaliger Hessenliga-Athlet der Freien Sportvereinigung, die Übungsstunde. 15 bis 18 Jungs aus den Klassen eins bis vier trainieren im aktuellen Schuljahr immer mittwochs ab 16 Uhr in der FSV-Halle an der Frankfurter Straße. Der Verein stellt sie für die AG zur Verfügung - und vor allem den Coach: Michael Baranauskas, Unternehmer und damit auch zeitlich so flexibel, die AG in einer Nachmittags- statt Abendstunde leiten zu können, füllt die Kooperation mit Leben. „Alles spielerisch und ohne Drill, immer auch unter dem Aspekt, nicht nur Ringerisches zu vermitteln, sondern auch Spaß und Gemeinschaft zu fördern“, stellt er heraus.

Denn auch Baranauskas, dessen letzter Ligakampf 1989 war und so mittlerweile fast drei Jahrzehnte her ist, weiß: „Das Ringen ist zunächst immer etwas erklärungsbedürftig.“ Manche Kinder und auch Eltern hätten noch nie einen Ligakampf oder ein Turnier live in der Halle miterlebt, besäßen mitunter falsche Vorstellungen. Was dem Coach wichtig zu betonen ist: „Gemeinschaft, Sportlichkeit und Fairness werden im Ringersport groß geschrieben.“ Das gelte auf wie abseits der Matte. Wer glaube, es handele sich um einen rohen Sport, in dem es in erster Linie um Kraftmeierei gehe, irre gewaltig.

Vielmehr spiele beim Ringen die Technik eine überragende Rolle, neben einer Grundlage aus Kondition, Kraft und vor allem koordinativen Fähigkeiten. Weil die bei Grundschülern ab sechs Jahren heute nicht mehr durchweg ausgeprägt seien, gestalte er die AG so, dass am Anfang der Stunde und besonders zu Schuljahres-Beginn besonders an turnerischen und bewegungstechnischen Elementen gearbeitet werde. „Das sind etwa die Rolle vor- und rückwärts, die heute nicht mehr jedes Kind beherrscht, auch die Judorolle und das richtige Fallen.“

Erst dann widme man sich langsam den ersten Techniken. Das Einmaleins der Ringer besteht etwa aus Armzug, Beinangriff (im freien Stil, abgegrenzt zum griechisch-römischen Stil, der nur den Kampf ab der Gürtellinie aufwärts erlaubt) und Nackenhebel.

Dadurch führe man die Kennedy-Schüler ans Ringen heran – und auch an den Verein: Inzwischen findet bei der Freien Sportvereinigung freitags ab 18.30 Uhr wieder regelmäßiges Jugendtraining statt, wozu auch neun, zehn der AG entschlüpften Grundschüler beitragen. Neun Kinder brachte die FSV jüngst auch beim Bezirksturnier, einem Anfängerformat des Ringerbezirks Darmstadt/Odenwald, in eigener Halle auf die Matte.

Die richtige Kampfsportart finden

Fernziel ist es bei den „Freien“, in einigen Jahren wieder waschechte Münsterer aus dem eigenen Jugendringen ins Männerteam zu bringen. Im Ringen darf bereits ab dem vollendeten 14. Lebensjahr im Ligabetrieb der Erwachsenen mitgekämpft werden. Die Aktiven der FSV Münster treten auch in der Anfang September beginnenden Saison 2018 wieder in der Hessenliga an, aktuell die dritthöchste Ebene in Deutschland unter der dreigleisigen Bundesliga sowie (unter anderem der hessischen) Oberliga.

Für die Kinder, die an der AG teilnehmen, entpuppe sich diese laut Michael Baranauskas indes schon nach wenigen Monaten als nachhaltiger Erfolg. „Viele Eltern sind nach der AG ganz begeistert, was aus ihren Kindern körperlich geworden ist. Das fängt bei der besseren Haltung an und setzt sich schon kurze Zeit später später mit einem insgesamt muskulösen und dennoch beweglichen Körper fort. Viele Ringer sind später besser gebaut als die meisten Bodybuilder“, sagt der Trainer.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare