Duo Pornophonique tritt beim Arthaus-Konzert auf dem TSV-Gelände auf

Game-Boy-Sound und Lagerfeuer-Atmosphäre

Passend zur Computer-Musik lief hinter dem Duo Pornophonique – links Kai Richter mit Gitarre, rechts Felix Heuser am Game Boy – eine passende Lichtinstallation.
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Passend zur Computer-Musik lief hinter dem Duo Pornophonique – links Kai Richter mit Gitarre, rechts Felix Heuser am Game Boy – eine passende Lichtinstallation.

Mit Sounds aus dem Game Boy und von der Gitarre hat das Duo Pornophonique die Besucher des Konzerts des Altheimer Arthauses begeistert.

Altheim – Bling! Bling! Gitarrenakkorde! Es geht geräuschvoll weiter. Das Altheimer Arthaus hat nach dem Aus für den „Airstream-Park“ des Dieburgers Andreas Windfuhr einen neuen Kooperationspartner für seine Open-Air-Konzerte im Ort gefunden: den TSV Altheim und dessen Vereins-Biergarten. Das „Bling, Bling“, mit dem diese Kooperation am Samstagabend das erste Mal musikalisch in Erscheinung trat, sind die charakteristischen Töne aus dem Game Boy, der 90er-Jahre-Spielekonsole für die Hand.

Kombiniert mit peppiger Lagerfeuer-Atmosphäre von der Gitarre war schnell hörbar, wer der Hauptact war: das Darmstädter Duo Pornophonique – Kai Richter mit Gesang und Gitarre und Felix Heuser am Game Boy – mit seinem an Soundeffekten reichen Bitpop.

Etwa 100 Leute waren da, die meisten nach Karten-Vorbestellung, sagt Ellen Jöckel vom Arthaus. Das Gelände war ordentlich gefüllt, die coronabedingten Abstände konnten wurden aber gut eingehalten. Es galt die 3G-Pflicht, Einlass also nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete. Der Vorteil: Auf Masken durften die Besucher verzichten. Vorband waren die Below Minds, eine erst 2019 gegründete Gruppe aus den vier Jugendlichen Bela Schott aus Altheim, Gabriel Jablonski und Emely und Tamara Spies aus Babenhausen. „Es ist uns eine große Ehre, vor Pornophonique aufzutreten“, sagten sie bescheiden. Nichtsdestotrotz zogen sie mit ihren klangvollen Balladen auch die drei Generationen älteren Bitpop-Fans in ihren Bann. Nach dem Auftritt gab es nicht wenige, die ihnen persönlich Lob aussprachen.

„Ich hätte selbst nicht erwartet, dass beide Auftritte so gut harmonieren würden“, meint Jöckel. Natürlich war das schon auf dem Schlossgrabenfest aufgetretene Duo rockiger unterwegs, dennoch haben ihre Songs durchaus melodische Passagen. Computer-Romantik gewissermaßen. So handelt ein Lied von traurigen Robotern und ein anderes von der Einsamkeit im Verließ eines Computerrollenspiels. Damit der Game Boy zum Musikinstrument der künstlichen Klänge wird, verwendet Felix Heuser die Musiksoftware Little Sound Disk Jockey. Witzig: Die Jüngeren kennen das alte Spielgerät gar nicht mehr, und für ihre Eltern stellte es zur Jugendzeit meist noch den neuesten Schrei dar. Auf dem Konzert in Altheim war nun quasi jede Altersgruppe vertreten, fast alle standen – und die Jüngeren tanzten zur nostalgischen Erinnerungsmusik der Älteren.

Die Konzert-Organisatorinnen vom Arthaus, Ute Schott und Carmen Knöll, hatten im Vorfeld ihr Bestes gegeben, um den Kult von damals wieder lebendig werden zu lassen. Überall an den Wänden fraßen sich silberne Pac-Men durch das musikalische Labyrinth. An einer Seite war ein alter Atari-Spielecomputer aufgebaut, auf dem die Besucher zocken durften. Dem erwarteten Gewitter, das dann allerdings erst später in der Nacht über Altheim niederging, schlugen sie ein Schnippchen, indem sie die Bühne unter dem Vordach des Vereinshäuschens errichtet hatten. Dadurch möglich: Im Rücken von Pornophonique tummelten sich beim Auftritt passende Computer-animierte Video-Schnipsel, groß an die Hauswand projiziert. Weiterer erfreulicher Nebeneffekt der Bühnenwahl: Das Gebäude schirmte den Schall gut ab. Jöckel: „Kaum etwas drang ins Dorf.“

Zum Schluss – nach den eigenen Songs – interpretierte das Duo auf seine spezielle Art und Weise ein paar Coversongs. „Hit me baby one more time“ von Britney Spears zum Beispiel. Oder – komplett gegensätzlich – etwas Metal von Ozzy Osbourne oder Slayer. Es war das erste Konzert nach langer Zeit für Richter und Heuser; neu bei ihnen: das nach 13 Jahren pünktlich zum Corona-Start rausgebrachte zweite Album „Brave New World“. Jetzt live merkte man ihnen die Spielfreude geradezu an. Genauso wie ihren Zuhörern. „Die haben die Musik richtig aufgesaugt“, findet Jöckel. (zkn)

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