Wie zwei Millionen nach Münster kamen

Geldregen fürs Hallenbad in Münster

Die letzte Pool-Party im Münsterer Hallenbad ist schon sehr lange her. Der Bundeszuschuss in Höhe von zwei Millionen Euro gibt jetzt aber Grund zum Feiern.
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Die letzte Pool-Party im Münsterer Hallenbad ist schon sehr lange her. Der Bundeszuschuss in Höhe von zwei Millionen Euro gibt jetzt aber Grund zum Feiern.

Es ist blanker Zufall, dass vergangene Woche und damit genau 50 Jahre nach der Eröffnung des Münsterer Hallenbads (März 1971) jene gute Nachricht produziert wurde, dank der nun konkret und zügig an der Zukunft und Wiedereröffnung der Freizeit- und Sportstätte gearbeitet werden kann. Seit Sommer 2019 ist das Bad bekanntlich wegen baulicher und technischer Mängel geschlossen.

Münster- Eine umfassende Sanierung, für die rund drei Jahre Planungs- und Ausführungszeit sowie 4,6 Millionen Euro (netto) veranschlagt sind, schien so lange unrealistisch, wie die klamme Kommune finanziell allein gelassen blieb. Das ist nun vorbei: Aus dem „Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten“ erhält die Gemeinde zwei Millionen Euro Fördermittel. Allerseits ist die Freude darüber groß. Doch wem ist der Coup, der jährlich 90 000 Besuchern aus Schulen, Vereinen und Familien aus Münster und Umgebung zugute kommt, zu verdanken? Wohl auch wegen der Kommunalwahl am Sonntag erweckten zuletzt Akteure verschiedener Couleur den Eindruck, ihren entscheidenden Beitrag dazu geleistet zu haben.

Der Weg der zwei Millionen Euro nach Münster lässt sich nüchtern schildern. Grundsätzlich herrschte unter den politischen Akteuren in der Gersprenz-Kommune seit Ermittlung der gigantischen Sanierungskosten – vor allem für Elektrotechnik, Lüftung und Badewassertechnik – Einigkeit darüber, dass übergeordnete Stellen wie Bund, Land und Kreis finanziell helfen müssen. Münster hätte die fast fünf Millionen Euro nicht aus seiner Substanz aufbringen können, höchstens via Kredit. Um den dürfte man zwar auch beim verbleibenden Eigenanteil und einer Streckung der Ausgaben über drei bis vier Haushaltsjahre nicht umhinkommen. Doch es geht darum, andere staatliche Ebenen so stark wie möglich am Erhalt des Bads zu beteiligen. Schließlich schafft die Gemeinde mit der Sportstätte überhaupt erst die Möglichkeit, damit Land Hessen (erstellt die Lehrpläne) und Landkreis Darmstadt-Dieburg (mietet die Wasserzeiten) den in bestimmten Altersstufen festgelegten Schwimmunterricht überhaupt realisieren können. Zudem sind öffentliche Bäder angesichts steigender Nichtschwimmerzahle gesamtgesellschaftlich gewünscht. Mal davon abgesehen, dass das Hallenbad eine der größten Attraktionen ist, die Münster zu bieten hat.

Richtung Land und Bund blickte deshalb auch der als „Förderfuchs“ bekannte, 2020 abgewählte Ex-Bürgermeister Gerald Frank (SPD), der in einem seiner letzten Interviews mit unserer Zeitung davon sprach, dass auf Bundesebene ein vielversprechendes Förderprogramm in Arbeit sei. Aufgelegt wurde es aber zu spät, als das Frank noch selbst hätte ernten können.

Das tat sein parteiloser Nachfolger Joachim Schledt: Schon im ersten Monat seiner Amtszeit, exakt am 20. Oktober, führte er ein wegweisendes Gespräch. Dies hatte der CDU-Ortsverbands-Vorsitzende Marcus Milligan initiiert, wie die Beteiligten unisono bestätigen. „Marcus Milligan gab mir den Hinweis auf die neue Fördermöglichkeit des Bundes“, sagt Schledt.

Schlüsselperson, um dem Münsterer Bad in Berlin Gehör zu verschaffen, war die CDU-Bundestags-Abgeordnete Astrid Mannes. Die frühere Bürgermeisterin von Mühltal, die den Wahlkreis Darmstadt – zu dem auch Münster gehört – seit 2017 in der Hauptstadt vertritt, ist nach wie vor auch ehrenamtliches Mitglied im Kreistag. „Sie kennt also auch unseren Bedarf in Münster“, stellt Milligan heraus. In jenem wichtigen Telefonat am 20. Oktober verständigten sich Mannes, ein Mitarbeiter ihres Büros, Schledt und Milligan über die herausragende Bedeutung einer baldigen Sanierung des Münsterer Hallenbads für tausende Menschen im Land- (und Wahl-)kreis. „Astrid Mannes versprach, ihren Einfluss geltend zu machen“, blickt Schledt zurück. Im November reichte die Münsterer Finanzverwaltung den zugehörigen Förderantrag ein.

Das Resultat dieser Vorarbeit fuhr Münster am 3. März ein: An diesem Tag beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestags eine Reihe von Förderungen, darunter die zwei Millionen Euro für die Münsterer Hallenbad-Sanierung und auch drei Millionen für die Freibad-Sanierung in Dieburg.

Doch wie geht es nun weiter, wann wird geplant, saniert und wiedereröffnet? Bürgermeister Schledt: „Die Sanierung ist ein Stück realistischer geworden, auch wenn wir noch das Thema Unterhalt für die Zeit nach der Sanierung analysieren müssen. Wir warten nun ab, bis sich nach der Kommunalwahl die Mehrheiten sortiert und die Ausschüsse gebildet haben.“

Ab „Mai, Juni“ könnte dann eine Arbeitsgruppe tagen, die genauer festlegt, was die Gemeinde im Münsterer Hallenbad im Zuge der Sanierung im Einzelnen durchführen muss und möchte. Neben vielen „alternativlosen“ Eingriffen müssen auch strittige Entscheidungen, etwa der Rückbau der Sauna, und „Nice-to-haves“ (Attraktivitätssteigerungen im Kleinkinder-Bereich) verhandelt werden. (Jens Dörr)

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