CDU-Fraktionsvorsitzender Thorsten Schrod im Interview

„Es gibt kein Vertrauensverhältnis“

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Thorsten Schrod, Fraktionsvorsitzender der CDU in Münsters Gemeindevertretung.

Münster - „Opposition war für mich auch neu“, sagt der diplomierte Kaufmann, der als kaufmännischer Leiter und Personalleiter in einem Unternehmen arbeitet.

Während in Eppertshausen die CDU solo die absolute Mehrheit innehat, regiert in Münster inzwischen eine Koalition aus SPD und ALMA – und in Gerald Frank ein sozialdemokratischer Bürgermeister. Mit deutlicher Kritik begegnet CDU-Fraktionsvorsitzender Thorsten Schrod selbst diesen neuen Mehrheitsverhältnissen. Im Interview mit Jens Dörr spricht der 39-Jährige über „Geldverschwendung“ der Koalition, sein konfrontatives Verhältnis zu SPD und Bürgermeister und das rauer gewordene Klima im Parlament.

Herr Schrod, hatten Sie sich nach den vergangenen Lokalwahlen, als die CDU in Münster ihre Mehrheit verlor, gezielt vorgenommen, als Fraktionsvorsitzender in der Opposition regelmäßig Attacken auf Bürgermeister sowie SPD und ALMA zu fahren?

Keineswegs habe ich mir dies vorgenommen. Erst einmal war ich völlig unbefleckt, als ich von Eppertshausen nach Münster gezogen bin. Außerdem hatte die CDU die Wahl in Münster gewonnen und war deutlich stärkste Kraft geworden. Wir haben dann auch mit der SPD gesprochen. Weit kamen wir nicht. Als Wahlsieger hätten wir von den Sozialdemokraten erwartet, dass man sich intensiver mit uns unterhält. Das Gespräch verlief für mich überraschend negativ. Warum, kann ich bis heute nicht wirklich erklären. SPD und ALMA waren sich aber recht schnell untereinander einig.

Blieb also für Münsters CDU ungewohnte Opposition. In der kann man zumindest die inhaltlichen Unterschiede besser herausstellen denn als Teil einer Koalition ...

Wir liegen von SPD und ALMA, die beide nach außen ähnliche Positionen vertreten, sowieso sehr weit auseinander. Zum Beispiel beim Haushalt: Ich kann nicht nachvollziehen, dass man in Zeiten, in denen die kommunalen Kassen derart prall gefüllt sind, noch Steuern, Gebühren und Kita-Beiträge erhöht.

Wie hätten Sie’s verhindert?

Wir haben acht Prozent Kürzungen bei den Sach- und Dienstleistungen vorgeschlagen. Und zwar ausschließlich bei dieser Position und nicht wie von SPD und ALMA behauptet auch bei der Vereinsförderung. Das ist völliger Quatsch. Von vier Millionen Euro Gesamtausgaben bei den Sach- und Dienstleistungen hätte man auf jeden Fall acht Prozent einsparen können, wenn der Wille dazu da gewesen wäre. So hätten wir den Haushalt ausgeglichen, ohne Steuern, Gebühren und Kita-Beiträge zu erheben.

Wo liegen noch markante Unterschiede zwischen der Position der CDU und jener der Koalition?

Der geplante Umbau des Rathaus-Foyers ist Geldverschwendung, da gibt es unserer Meinung nach viel Wichtigeres und sinnvollere, kostengünstigere Alternativen. Bei der Umwidmung des Frankenbach-Geländes sind wir relativ weit auseinander. Per Beschluss in der Gemeindevertretung haben SPD und ALMA dieses Gebiet in Wohnbaugebiet umgewandelt. Der Eigentümer hat sich über den plötzlichen, immensen Wertzuwachs gefreut. Für Münster hat der Bürgermeister dort nichts rausgeholt. Das gesamte Gebiet ist nun in den Händen eines Investors.

An Gerald Frank lassen Sie kaum ein gutes Haar ...

Ich spreche ihm die Fachkenntnis für einen Bürgermeister ab, auch mit Blick auf seinen Haushalt. Er lässt sich zwar gern durch die Pressestelle gut nach außen darstellen. Das würde ich selbst auch so machen – wenn der Laden läuft. Derzeit wäre es aber wichtiger, dass die Verwaltung, der er vorsteht, die Unterlagen zu unseren Sitzungen so vorbereitet, dass wir vorankommen. Die brachliegende Jugendarbeit in unserer Gemeinde ist nur ein Beispiel dafür. Erst auf unsere Initiative hinbewegt sich dort jetzt wieder etwas.

Gerald Frank hat in mehreren Bereichen durchaus für frischen Wind gesorgt ...

Er hat vielleicht vieles angefangen. Ich finde aber, er hat für Münster noch nichts zu Ende gebracht. 

Ihre Aussagen zum Bürgermeister bestätigen den Eindruck, den man in Ausschüssen und Gemeindevertreter-Sitzungen gewinnen kann: Ihr Verhältnis zueinander ist schon nach kurzer Zeit zerrüttet.

Zwischen ihm und uns gibt es kein Vertrauensverhältnis.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Könnte man das im Sinne Münsters und eines kollegialen Umgangs miteinander nicht aufbauen? Etwa, indem Sie beide sich an einen Tisch setzen und sich mal aussprechen?

Es gab von unserer Seite aus ja keinen Plan, nach der Wahl um jeden Preis offensiv und forsch in die Gemeindevertreter-Sitzungen zu gehen. Das ist erst entstanden, weil es Spitzen von der anderen Seite und sehr zweifelhafte Aussagen des Bürgermeisters gab.

Sie meinen zum Beispiel, dass SPD und ALMA verhindert haben, dass in CDU-Mann Günter Willmann ein Vertreter der größten Fraktion den Vorsitz in der Gemeindevertretung be- und erhält?

Zum Beispiel. Es war schlechter Stil, dass man uns nach der Wahl keinen führenden Posten - wie auch den eines Ausschussvorsitzenden - gegeben hat.

Mit SPDler Edmund Galli liefern Sie sich besonders gern hitzige Wortgefechte, zudem greifen sie neben dem Bürgermeister immer wieder auch den Vorsitzenden der Gemeindevertretung, Sozialdemokrat Klaus-Rainer Bulang, an.

Ich lasse eben zum Beispiel bestimmte Aussagen von Edmund Galli nicht auf mir sitzen. Etwa die, dass es um das Schwarze auf dem Weißen gehe - wenn er dann selbst falsch gelesen hat. Ich betone aber nochmals, dass ich damit nicht angefangen habe. Den Schuh zieh’ ich mir nicht an. Doch wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

Ist die momentane Atmosphäre in Münsters wichtigsten politischen Gremien dauerhaft akzeptabel?

Es ist völlig in Ordnung, dass es kontrovers zugeht. Die Grenzen sind dann überschritten, wenn persönlich diffamiert wird. Diese Grenze überschreitet die SPD in letzter Zeit leider sehr oft – beispielsweise als man insbesondere meine Person auf der letzten Sitzung der Gemeindevertretung mit der AfD verglichen hat. Das ist ein unwürdiges und abscheuliches Verhalten der SPD.

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