Sanierung kostet 4,6 Millionen Euro

Hallenbad vier Jahre auf dem Trockenen?

In den Katakomben zeigte Betriebsleiter Helmut Voigt kürzlich, was im Hallenbad in Münster alles im Argen liegt. Am teuersten käme die Erneuerung der Elektroinstallation für 2,5 Millionen Euro. 
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In den Katakomben zeigte Betriebsleiter Helmut Voigt kürzlich, was im Hallenbad in Münster alles im Argen liegt. Am teuersten käme die Erneuerung der Elektroinstallation für 2,5 Millionen Euro. 

Das Hallenbad in Münster ist wegen diverser Mängel derzeit geschlossen. Die Sanierung könnte mehrere Jahre dauern. 

Münster - Bereits die Ende Juli von der Gemeinde veröffentlichte Ankündigung, dass das Hallenbad nach den Sommerferien wegen festgestellter erheblicher technischer Mängel fürs Erste geschlossen bleiben würde, erschreckte private Schwimmer, Schulen und Vereine gleichermaßen. Seither liegt das Bad auf dem Trockenen – und wird wohl noch jahrelang nicht zur Verfügung stehen: Am Montagabend schockte Architekt Matthias Marhöfer, Geschäftsführer der BZM-Architekten aus Wiesbaden, die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses mit der Benennung der vielfältigen Mängel, einer Kostenschätzung zu deren Behebung; und vor allem mit dem möglichen Zeitplan der Sanierung. Demnach könnte das Bad erst Ende 2023, also in vier Jahren, wieder aufmachen.

Münster: Hallenbad muss wohl jahrelang geschlossen bleiben 

Neben der weithin bekannten Problematik mit mangelhaften und gegen heutige Normen verstoßenden Elektroinstallationen, von denen sich vor ein paar Wochen bei öffentlichen Begehungen auch die Bürger ein Bild machen konnten, wies Marhöfer auf viele weitere Probleme hin. So sei beim Schwimmerbecken die Rinne unterdimensioniert, sodass sie schnell überflutet werde. In der Folge gerate nicht nur der Beckenumgang, sondern manchmal sogar die Kabine des Schwimmmeisters unter Wasser. Das Nichtschwimmerbecken sei unzureichend durchströmt, das Wasser laufe nicht ordentlich ab; zudem gebe es Betonschäden. Neben beiden Becken sei das Gefälle der Umgänge zu gering und der Fliesenbelag nicht ausreichend rutschfest. 

Im Saunabereich würden Feuchtigkeitsschäden sichtbar, unter dem Nichtschwimmerbecken Korrosionsschäden durch auslaufendes Chlorwasser. Die Lüftungsanlage sei veraltet. Der Architekt wies zudem auf die auch beim Rundgang benannten Brandschutzmängel hin.

Entsprechend seien vielfältige Maßnahmen zu ergreifen. Marhöfer teilte sie in bauliche und technische Projekte auf. Zu den baulichen zählen beim Nichtschwimmerbecken die Optimierung des Beckenkopfs und die Betonsanierung; beim Schwimmerbecken unter anderem neue Abläufe; bei den Beckenumgängen die Herstellung eines normkonformen Gefälles; die komplette Neufliesung und Neuabdichtung in der Badehalle; die komplette Demontage der Sauna, um den Beckenkopf des Schwimmerbeckens öffnen zu können, und die anschließende Wiederherstellung der Räume; dazu mögliche Attraktivitätssteigerungen im Kleinkinder-Bereich.

Münster: Zahlreiche Mängel verhindern Hallenbad-Öffnung 

Technisch sei die Badewasser-Technik für alle Becken zumindest teilweise zu erneuern; die Lüftungsanlage und die Elektrotechnik seien komplett auszutauschen, heißt es. Hinzu kämen Arbeiten an der Automation des Gebäudes und teils auch an den Heizungs- und Sanitäranlagen.

Dann ging Marhöfer zur Zeitschiene über: Sofern die nächsten fachplanerischen Leistungsphasen für die umfangreichen Sanierungen im Sommer 2020 beginnen könnten, sei an einen Baubeginn Ende 2021 zu denken. Für die Bauarbeiten veranschlagte er zwei Jahre, sodass das Hallenbad erst Ende 2023 wieder genutzt werden könnte. Marhöfer kalkulierte Gesamt-Nettokosten in Höhe von 4,6 Millionen Euro (5,5 Millionen Euro brutto). Die Erneuerung der technischen Anlagen würde dabei mit 2,5 Millionen Euro (netto) den Löwenanteil ausmachen. Auch die zunächst unter dem Radar gesegelte neue Lüftung käme mit 700 000 Euro teuer zu stehen.   Von Jens Dörr

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