HGV hofft auf Bürger-Hilfe

Schwarz-weiße Zeitzeugen: Heimatmuseum plant Fotografie-Ausstellung

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Fotografien von Festen, Umzügen und Straßenansichten sind auf den zahlreichen Aufnahmen zu sehen. Hinzu kommen Fotoalben.

Münster - Für die nächste Schau im Heimatmuseum sucht der Heimat- und Geschichtsverein im Vorfeld die Unterstützung der Bürgerschaft. Von Thomas Meier 

Hinter den dicken Mauern der Langsmühle liegt ein wahrer Schatz in Schwarz-Weiß und Farbe, der indes behutsam geborgen und entschlüsselt werden will: Hunderte historischer Fotos bedürfen der Bestimmung. Der Vorstand des rührigen Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) sichtete vor seiner jüngsten Hauptversammlung die Bestände an Fotografie und war bass erstaunt ob des unerwarteten Reichtums des lange dahinschlummernden Fundes. „Wir stehen ganz am Anfang“, sagt so auch Margarete Elster. Allenfalls eine grobe Einschätzung könne man geben, und viele alte Fotografien würfen eher Rätsel auf, als dass sie Antworten zur Historie Münsters geben könnten.

In Angriff genommen wird nun der Bereich Fotografie, weil mit der Hinterlassenschaft des umfangreichen Quellen- und Hintergrundmaterials aus dem Nachlass des Hobby-Historikers Karl Müller auch ein großes Konvolut von Lichtbildern in Besitz des HGV kam. Vor zwei Jahren überließ die Witwe Müllers dem Verein alles, was sich in ihres Gatten Arbeits- und Archivzimmer so befand. Zwar sortierte und ordnete der geschichtskundige Müller alle seine Zeitzeugen, – doch nach eigenem System. Und seine Ordnung müsse nun erst einmal verstanden werden, sagt Elster: „Für jemanden, der von außen anfängt dies zu sichten, keine einfache Aufgabe.“

Denn schon Müller stützte viele seiner Erkenntnisse auf Nachlässe, die er als Kenner der Materie von Münsterer Bürgern überlassen bekam. Von Leuten, die Dinge für aufhebenswert erachteten, die sie selbst oder ihre Nachkommen aber nicht länger verwahren wollten. Jetzt steht also das große Sondieren an: Was ist für das Museum und seine Besucher aufhebens- und ausstellenswert?

In mehreren Hängeregistraturen verwahrte der Hobbyhistoriker Fotografien. „Viele von ihnen sind sehr gut und schön, aber die meisten leider ohne ausreichende Beschriftung“, weiß Elster, die erste Blicke in den Lichtbilderschatz warf. Fotografien von Festen, Umzügen und Straßenansichten harren ihrer genauen Bestimmung. Viele stammen wohl auch von Vereinsleuten, doch vor allem solche Bilder, die Personen und Gruppen zeigen, sind schwer zuzuordnen. Was mit ihrem Alter auch noch zunimmt.

Deshalb möchte der HGV jetzt eine Vorauswahl von Bildern treffen, die für bedeutsam erachtet werden, aber man nicht weiß, ob sie es denn auch sind. Solche Fotografien, manche von ihnen vielleicht über 100 Jahre alt, sollen in einer Ausstellung im Museum an der Gersprenz präsentiert werden. Und zwar unter der Schlagzeile: Wer weiß, was hier zu sehen ist?

Bilder: Ghana-Hilfe-Tag in der Kulturhalle

„Wir hoffen sehr auf die Bürger und ihre historischen Kenntnisse, die uns Aufschlüsse geben können,“ sagt die HGV-Vorständlerin. Man werde Listen zu den Bilderblöcken auslegen, die von den Besuchern ausgefüllt werden können (und sollen). „Eigentlich dachten wir im ersten Moment, solch eine Ausstellung bereits im Sommer eröffnen zu können. Aber das ist illusorisch. So schnell werden wir uns nicht durchgearbeitet haben durch all das Material. Denn außer Müllers Nachlass liegt noch viel eigenes Museumsmaterial in den Regalen.“ Beispielsweise Fotoalben aus Familien, aber auch von Vereinen. Ein Bildband widmet sich beispielsweise der ehemaligen Firma Elima. „Eine Rarität in unserer Fotosammlung“, ist sich Elster sicher.

Mit der Archivierung des fotografischen Fundus wird auch HGV-Mitglied Ernst-Peter Winter involviert sein. Der pensionierte Lehrer versteht sich nicht nur auf alte Schriften wie Sütterlin und Fraktur, sondern auch auf modernste Computertechnik. Er arbeitet am Staatsarchiv in Darmstadt mit und ist Vorsitzender der Familiengeschichtlichen Vereinigung Darmstadt. Da er in Münster wohnt, ist ihm auch die örtliche Historie wichtig. Als IT-Fachmann soll Winter Oberhand über die Foto-Archivierung bekommen.

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