Huther geht nach 38 Jahren

Ahmed El Makthari wird Leiter der Kläranlage Münster

Kilian Huther (Mitte) geht nach 38 Jahren im Dienst der Gemeinde Münster in den Ruhestand. Neuer Leiter der Kläranlage wird Ahmed El Makhtari (rechts). Links der Stellvertretende Betriebsleiter Wolfgang Kleinheinz.
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Kilian Huther (Mitte) geht nach 38 Jahren im Dienst der Gemeinde Münster in den Ruhestand. Neuer Leiter der Kläranlage wird Ahmed El Makhtari (rechts). Links der Stellvertretende Betriebsleiter Wolfgang Kleinheinz.

Das darf man nun wirklich eine „Ära“ nennen: Nach 38 Jahren im Dienst der Gemeinde (und der Münsterer Bevölkerung) geht Kilian Huther Ende Juni in den Ruhestand. Seit 1983 arbeitete der in Kürze 62-Jährige in der Kläranlage, deren Leiter er noch bis Sommer ist. Die Nachfolge ist geregelt, das infrastrukturelle Feld nahe dem Werlacher Weg bestellt.

Münster – „Wir sind weit vorn dabei“, schildert Huther, dass die Münsterer Kläranlage auf einem hochmodernen Stand ist und die Ergebnisse der Abwasserreinigung sehr gut ausfallen: „Wir müssen gewisse Parameter einhalten – und liegen immer weit unter den Grenzwerten.“ All das ist eine Folge weitsichtiger Ortspolitik, die Mitte der 80er erkannte, dass die alte, direkt am Werlacher Weg und schräg gegenüber dem heutigen Gersprenzstadion gelegene Kläranlage den zunehmenden technischen Anforderungen und dem Wachstum der Gemeinde perspektivisch nicht mehr genügen würde. Als Münster im September 1985 wenige hundert Meter weiter östlich, ebenfalls am südlichen Gersprenz-Ufer, den Grundstein für die neue Anlage legte, war Kilian Huther bereits mit von der Partie.

1983 kam der gelernte Landmaschinen-Mechaniker als Quereinsteiger zur Gemeinde und bildete sich in den folgenden Jahren konsequent weiter: zunächst zum Klärfachwärter, dann zum Kanalwärter. Darüber hinaus ist er seit 1988 Sicherheitsbeauftragter und seit 1996 „gefahrgutbeauftragte Person“ der Kommune. Parallel, von 1985 bis 2005, engagierte er sich im Ehrenamt zudem als aktives Mitglied der Münsterer Feuerwehr, auch als Gerätewart und Atemschutz-Gerätewart.

Zusammen mit seinem Stellvertreter Wolfgang Kleinheinz, der seinerseits seit 1989 für die Gemeinde arbeitet, bildete Kilian Huther auch die Fachkräfte von heute und morgen aus: Von 2002 bis 2004 begleiteten die beiden etwa Ahmed El Makhtari auf seinem Weg zum Ver- und Entsorger der Fachrichtung Abwasser. Damals begann El Makhtari in der Münsterer Kläranlage als Teenager mit seiner Ausbildung; jetzt ist er 36, Abwassermeister und wird zum 1. Juli Huthers Nachfolger. Als Leiter der Münsterer Kläranlage führt El Makhtari dann ein fünfköpfiges Team, dem neben Kleinheinz und ihm auch Volker Rosskopf, Steffen Herd und der ebenfalls in der Ära Huther ausgebildete Marcel Weihert angehören. Ein Vierteljahrhundert arbeitete Huther zudem an der Seite des verstorbenen Willi Tuchtenhagen.

Wenn Huther auf seine fast vier Jahrzehnte in der fraglos systemrelevanten Abwasserentsorgung zurückblickt, erinnert er sich unter anderem an die „starke Technisierung in den 80er Jahren“. Ihr wurde die Gemeinde mit jener neuen Anlage gerecht, die im September 1987 nach zweijähriger Bauzeit in Betrieb ging. Schon 1988 wurden alle Hausklärgruben als Relikte früherer Zeiten ans Kanalnetz angeschlossen. Der Kanal selbst, heute 65 Kilometer lang mit 1 800 Schächten, 13 Pumpstationen, zwölf Regenüberläufen, zehn Drosselorganen und vier Regenüberlaufbecken, wurde in den 90ern in einem Kataster erfasst.

Stillstand in der Entwicklung der Kläranlage herrschte freilich auch danach nie: 2006 erweiterte Münster die Anlage mechanisch und biologisch so, dass sie das Abwasser von bis zu 18 000 Einwohnern (und damit rund 3 000 mehr, als Münster, Altheim und Breitefeld derzeit zusammen haben) reinigen und schließlich in die Gersprenz leiten kann. Täglich behandelt die Anlage (bei Trockenwetter) rund 4 000 Kubikmeter Abwasser. Die größten Kosten entstehen durch die Entsorgung der jährlich 1 300 Tonnen Klärschlamm. Ihn transportiert die Gemeinde zur Verbrennung nach Großkrotzenburg.

Übers Tagesgeschäft und die planbare Erweiterung der Infrastruktur hinaus mussten der Betriebsleiter und sein Team in den vergangenen Jahren immer wieder auf besondere Ereignisse reagieren: 1994 überflutete das Gersprenz-Hochwasser das Betriebsgebäude; 2004 gab es einen großen Störfall mit dem Ausfall der biologischen Reinigung; 2010 wurde die Anlage Opfer eines Sabotageversuchs; 2019 knickte Sturm „Fabienne“ mehrere Bäume in die Becken. Womit die Aufzählung längst nicht vollständig ist.

Vollständig vollbracht hat Kilian Huther nun aber sein berufliches Lebenswerk. Ab Sommer ist er im Ruhestand, und vor Langeweile hat er keine Bange: „Ich will mich dann erstmal mehr um Familie und Enkel kümmern“, schaut er mit Vorfreude voraus.

Und die Feuerwehr, die 2022 ihr 150-jähriges Bestehen feiert, hat auch schon angeklopft, ob sich der baldige Ruheständler in die Organisation und Durchführung der Feierlichkeiten einbringen möchte. (Von Jens Dörr)

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