Katrin Herbrik ist zweitbeste Deutsche im Ultralauf

Vize-Meisterin strebt die 100 an

+
Bewältigt schon in manchem Trainingslauf einen Marathon: Katrin Herbrik.

Münster - Nach 4:06 Stunden erreichte Katrin Herbrik bei den Titelkämpfen im Ultralauf (50 Kilometer) in Schwäbisch Gmünd die Ziellinie. Damit belegte sie in ihrer Altersklasse den ersten Platz, über alle Klassen hinweg wurde sie Deutsche-Vizemeisterin. Von Jens Dörr 

„Der schnelle Aufstieg der Katrin Herbrik“: So betitelte unsere Zeitung vor zwei Jahren einen Artikel, der sich mit Münsters bester Langstreckenläuferin befasste. Die heute 35-Jährige, die die Laufschuhe für den TV Hergershausen schnürt – und ursprünglich auch aus Hergershausen stammt –, war auch bis dato schon rasant in der Szene emporgekommen. Vor wenigen Wochen sorgte sie sogar national für Schlagzeilen: Bei den Titelkämpfen im Ultralauf (50 Kilometer) in Schwäbisch Gmünd lief sie auf anspruchsvoller Strecke nicht nur auf Platz eins ihrer Altersklasse, sondern wurde auch über alle Klassen hinweg gesehen Deutsche Vize-Meisterin.

Mit der Zielzeit von 4:06 Stunden wäre wohl so mancher männlicher Hobbyläufer höchst zufrieden – allerdings über die wesentlich öfter gelaufene und acht Kilometer kürzere Marathondistanz (42,195 Kilometer). Wobei man bei Strecken und Wettkämpfen ohnehin nicht Äpfel mit Birnen vergleichen darf: Während etwa die großen Marathons in Frankfurt oder Berlin ein extrem flaches Profil aufweisen, konnte bei den Deutschen Meisterschaften im Ultralauf davon keine Rede sein: „Die Strecke hatte 1 100 Höhenmeter“, erzählt Herbrik.

Ihren Vizetitel in Schwäbisch Gmünd sowie die Altersklassen-Goldmedaille nennt die ehrgeizige Ausdauersportlerin „mal einen ganz anderen Erfolg“. Sie habe sich „gar nicht so viel ausgerechnet“, als sie unter anderem gemeinsam mit Laufpartner Gregor Scharf vom TV Hergershausen anreiste. Während des Rennens kristallisierte sich jedoch zunehmend heraus, dass sie selbst in der Gesamtwertung der Frauen weit vorn landen würde. Wobei sie ihre Spitzenplatzierung über die 50 Kilometer nicht über alles Bisherige stellen würde: „Mein bisher größtes Erlebnis bleibt der Swiss Alpine Marathon mit 78 Kilometern Länge und 2 800 Höhenmetern.“ Für den benötigte Herbrik zehn Stunden.

Dagegen muten Ultralauf und Marathon (Bestzeit: 3:08 Stunden) fast schon wie ein „Spaziergang“ an. Erst recht Zehn-Kilometer-Rennen wie etwa der Altstadtfest-Lauf in Babenhausen, den Herbrik 2017 in 37:58 Minuten für sich entschied. Wobei derlei Läufe, in denen sie als bereits recht bekanntes Gesicht und Favoritin am Start steht, nicht die leichtesten sein müssten: „Der Stress kommt besonders dann, wenn der Kopf einem sagt, dass man nur um den ersten Platz läuft. Es tut aber auch mal ganz gut, irgendwo nur mitzulaufen und die Außenseiterin zu sein.“ Was bei Herbrik immer seltener vorkommt.

Frankfurt-Marathon 2017 in Bildern

Bemerkenswert ist das jüngste läuferische Ausrufezeichen der Athletin freilich auch deshalb, weil ihre sportliche Entwicklung noch immer eine relativ kurze ist. Erst 2011 begann sie, die ihre Brötchen in einer Darmstädter Zahnarzt-Praxis verdient, regelmäßig zu laufen. Vorher ritt sie, voltigierte, betrieb Sportakrobatik.

Heute können die Wettkämpfe kaum anspruchsvoll genug sein. Auf Extremwettkämpfe von 70 oder 80 Kilometern bereitet sie sich schon im Training mit Läufen bis hin zur Marathondistanz vor. Womit sie bislang verletzungsfrei durchkam – „und wenn doch mal was zwickt, ist mein Physiotherapeut Markus Grieb 24 Stunden am Tag für mich da“. Die nächsten Ziele hat sich Katrin Herbrik bereits gesetzt: „2018 möchte ich meinen Titel beim Brüder-Grimm-Lauf verteidigen. Und die 100 Kilometer von Biel möchte ich auch gern mal laufen.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare