Storchenschul- und Gustav-Schoeltzke-Haus:

„Keine bloße Ausleihstationen“

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Jasmin Frank leitet seit sechseinhalb Jahren die Büchereien in Münster und Altheim. Sie sieht beide Häuser nicht nur als bloße Ausleihstationen. -  Fotos:

Eppertshausen/Münster - Sie machen einen wichtigen Teil des Freizeitwerts einer Gemeinde aus: öffentliche Liegenschaften, etwa Bürgerhallen, Sportstadien oder Freizeitzentren. Auch Münster und Eppertshausen haben hierzu einiges vorzuweisen.

Doch wer nutzt diese Objekte und was kosten sie? Wo stehen in näherer Zukunft womöglich Veränderungen an? Unsere Zeitung hat sich die markantesten Liegenschaften in beiden Kommunen angesehen und beleuchtet sie in loser Folge näher. Das Storchenschulhaus in Münster und das Gustav-Schoeltzke-Haus in Altheim sind historische Gebäude, die in ihrer langen Geschichte schon viel erlebt haben. Das Storchenschulhaus heißt eigentlich „Alte Schule“, denn es war viele Jahre lang die Mädchenschule der Gemeinde. Die Bürger gaben ihm den Namen „Storchenschulhaus“, weil früher auf dem Dach des Hauses mit dem markanten Türmchen in jedem Sommer ein Storchenpaar brütete.

Bereits seit einigen Jahrzehnten ist die alte Schule ein Ort der Zusammenkunft, der Bildung und Kultur für alle Bürger. Im Storchenschulhaus finden Kurse der Volkshochschule statt, es gibt Lesungen und Treffen zu bestimmten Themen sowie regelmäßige Kunstausstellungen. Herzstück des historischen Gebäudes ist die Leihbücherei. Sie wird seit 2012 von Jasmin Frank geführt, der ersten hauptamtlich in der Gemeinde Münster beschäftigten Büchereileiterin.

Das alte Schulhaus in Münster wird von den Bürgern „Storchenschulhaus“ genannt, weil einst Störche auf seinem Dach brüteten.

Genaugenommen ist Frank für zwei Büchereien zuständig, denn neben jener im Storchenschulhaus gibt es im Ortsteil Altheim eine zweite Leihbücherei im Gustav-Schoeltzke-Haus. Auch dieses historische Gebäude hat schon viele unterschiedliche Nutzungen erfahren. Es war Schule und Kindergarten und ein Ort für die Jugendarbeit. Im Rahmen der Dorferneuerung wurden im Untergeschoss ein weiterer Jugendraum sowie im Erdgeschoss ein Versammlungsraum eingerichtet. Zugang und Sanitärräume wurden behindertengerecht ausgebaut.

Im Gustav-Schoeltzke-Haus finden die Altheimer Bürger ebenfalls stets ein aktuelles Medienangebot. „Die Büchereien sind nicht bloße Ausleihstationen“, sagt Jasmin Frank. „Sie sind ein Ort, an dem Menschen jeden Alters und mit verschiedenen Interessen zusammenkommen. Die Liebe zum Buch und zu schönen, spannenden, originellen Geschichten eint sie.“

Ob man sich in fantastischen Welten verliert, mit Reiseliteratur das Fernweh stillt, in spannenden Kriminalfällen miträtselt und mitfiebert oder bei einer romantischen Geschichte auch mal eine Träne fließt – Lesen startet das Kopfkino und regt die eigene Fantasie an. Für alle Interessen gibt es in den Büchereien das passende Lesefutter. 21 436 Medien können in Münster und Altheim ausgeliehen werden.

„Wir stellen in Münster Medienpakete für Altheim zusammen, die alle vier Monate ausgetauscht werden“, erzählt Frank. „Das schont das Budget und sorgt dafür, dass Altheim ebenfalls immer auf neuestem Stand ist.“ Allein von Büchern zu sprechen, würde dem Angebot nicht gerecht. Denn auch Musik und Filme stehen zur Ausleihe bereit, ebenso wie Zeitschriften und E-Books.

OP unterwegs auf der Frankfurter Buchmesse 2017

Als Frank als Hauptamtliche die Leitung übernahm, gab es bereits ein umfangreiches Angebot. Doch mitunter war der Bestand, besonders bei den Sachbüchern, veraltet. Auch waren die Leser mit der Masse und der Art, wie die Bücher präsentiert wurden, überfordert. „Wir haben vor allem die Sachbuchabteilung modernisiert, Regale so angeordnet, dass der zuvor dunkle Gang nun hell und einladend wirkt“, berichtet die Büchereileiterin, die stets die Arbeit, Kreativität und das Engagement der vier Mitarbeiterinnen, Anja Christ, Gudrun Hechler, Peggy Werse und Anne Mohn, hervorhebt.

In gemeinsamen Runden der Verantwortlichen entstehen Ideen wie die des Strandkorbs, in dem sich besonders gut in der Reiseliteratur schmökern lässt, sowie die E-Book-Reader-Sprechstunde jeden Mittwochabend für alle, die die papierlose Art des Lesens lernen möchten. Aus einem England-Urlaub brachte Frank die Idee einer „Young adult“-Abteilung mit. Sie heißt in der Bücherei „Junge Erwachsene“ und enthält fantastische und romantische Geschichten, die sich nicht klar in Jugend- oder Erwachsenenliteratur einfügen lassen, aber von allen gern gelesen werden.

Eine Besonderheit ist der Bücherei-Führerschein, den Kinder im Vorschulalter erwerben können. Dazu kommen sie dreimal in die Bücherei, um dort kleine Aufgaben rund um das Thema Buch zu lösen. „Dadurch sind fast alle Kinder, wenn sie eingeschult werden, schon einmal in der Bücherei gewesen.“ Durch die Büchereiarbeit sind Storchenschulhaus und Gustav-Schoeltzke-Haus zu Orten des sozialen Miteinanders, der Kultur und Bildung geworden. (Zeta)

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