SPD bricht ein, FDP jubelt beim Comeback / CDU und ALMA stabil

Keine Mehrheit mehr für Rot-Grün in Münster

Die Wahlhelfer in Münster haben ihre Arbeit getan: Am Dienstagmorgen stand das vorläufige Ergebnis fest.
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Die Wahlhelfer in Münster haben ihre Arbeit getan: Am Dienstagmorgen stand das vorläufige Ergebnis fest.

Die Wähler haben die politischen Karten in Münster neu gemischt: Nach der Veränderung im Chefsessel des Rathauses im Vorjahr – der parteilose Joachim Schledt nahm SPD-Bürgermeister Gerald Frank das Amt ab –, mussten die Sozialdemokraten bei der Kommunalwahl den nächsten Schlag hinnehmen.

Münster - Die SPD brach von 38,8 auf 27,7 Prozent der Stimmen ein. Sie kann fortan auch keine Koalition allein mit ALMA-Die Grünen mehr bilden – wie sie es zuletzt tat und damit den politischen Takt in der Gemeindevertretung vorgab. Die FDP jubelte beim Comeback über 13,1 Prozent und hatte nach Auswertung der kumulierten und panaschierten Stimmen am Dienstagvormittag auch den größten Aufsteiger unter den Kandidaten in ihren Reihen. Die CDU mit 43,29 Prozent und die ALMA mit 15,93 Prozent blieben bei marginalen Verlusten fast auf identischem Niveau wie 2016.

Damit ist klar, dass im Ortsparlament fortan entweder ein neues Bündnis geschmiedet oder auf wechselnde Mehrheiten gesetzt werden muss. Von den 37 Sitzen in der Gemeindevertretung entfallen in der neuen Legislaturperiode 16 auf die CDU, 10 auf die SPD, sechs auf die ALMA und fünf auf die FDP. Für die absolute Mehrheit sind 19 Sitze nötig. Denkbar sind alle Zweierbündnisse unter Beteiligung der CDU sowie eine Ampel-Koalition aus SPD, FDP und der ALMA, die inzwischen „Die Grünen“ wieder mit im Namen trägt. Wen sie als Partner favorisieren, ließen die Spitzenkandidaten aller Parteien zu Wochenbeginn noch offen.

Nach den üblichen Gepflogenheiten ist es nun an der CDU als größter Fraktion zu Sondierungsgesprächen einzuladen. Die Christdemokraten dürfen sich trotz eines Mini-Verlusts von 1,2 Prozent als Wahlgewinner sehen: Viele hatten erwartet, dass die FDP durch die politische Rückkehr in Münster der CDU Wähler abnehmen würde. Exakt dies war in Eppertshausen der Fall, wo fast sämtlicher Stimmengewinn der FDP vom Konto der CDU abging. In Münster verzeichnete aber fast ausschließlich die SPD einen Aderlass. „Neue Mehrheiten sind möglich“, sagte CDU-Spitzenkandidat Thorsten Schrod, der trotz heftiger Auseinandersetzung mit SPD und ALMA in der vergangenen Wahlperiode mit diesen zwei Fraktionen ebenso ins Gespräch gehen will wie mit der FDP.

Eben jene FDP erwiderte in Person von Spitzenkandidat Jörg Schroeter: „Wir werden mit allen reden.“ Allerdings sei nicht nur eine klassische Koalition eine Lösung für die Arbeit im Parlament. Der Liberale kann sich „auch eine Kooperation oder wechselnde Mehrheiten“ vorstellen. ALMA-Spitzenkandidatin Patricia Marquas war mit dem Abschneiden der eigenen Liste weitgehend zufrieden, „auch wenn wir gern noch einen siebten Sitz gewonnen hätten“. Sie bedauerte den Einbruch der SPD. Der sozialdemokratische Spitzenkandidat Timmy Mersch nannte das Ergebnis seiner Partei „sehr enttäuschend“.

Auch die Zusammensetzung des Gemeindevorstands ändert sich. Er besteht – neben dem hauptamtlichen Bürgermeister Joachim Schledt – in Münster aus fünf weiteren ehrenamtlichen Mitgliedern. Bisher stellten CDU und SPD je zwei und die ALMA – mit dem stellvertretenden Bürgermeister Jan Stemme – einen Vertreter. Nun, errechnet nach dem Hare-Niemeyer-Verfahren, stehen ausschließlich der CDU noch zwei Gemeindevorstands-Mitglieder zu. SPD, ALMA und FDP dürfen je einen Vertreter aufbieten. Gewählt werden die Personen von der am 26. April neu zu konstituierenden Gemeindevertretung.

FDP-Kandidat Matthias Matheis macht durchs Kumulieren und Panaschieren der Münsterer den größten Sprung aller Bewerber und schoss vom vorletzten Listenplatz auf den ersten. Auch in zwei Parteien stand am Ende nicht der Spitzenkandidat ganz oben: Bei der CDU überholte Marcus Milligan den von Platz eins gestarteten Thorsten Schrod, bei der ALMA ging Julian Dörr an Spitzenkandidatin Patricia Marquas vorbei.

Von Jens Dörr

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