Kita St. Michael soll an den Werlacher Weg

CDU scheitert in Münster mit Antrag, das Familienzentrum am jetzigen Standort neu zu planen

Die Kinder sind nach der Corona-Zwangspause zurück, die Kita St. Michael könnte an der Hauptmann-Straße auf absehbare Zeit aber Wohnhäusern weichen.
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Die Kinder sind nach der Corona-Zwangspause zurück, die Kita St. Michael könnte an der Hauptmann-Straße auf absehbare Zeit aber Wohnhäusern weichen.

Die katholische Kita St. Michael und das angeschlossene Familienzentrum haben am jetzigen Standort zwischen Gerhart-Hauptmann- und Georg-Büchner-Straße sowie der Straße „Im Rückert“ wohl keine Zukunft mehr. Künftig werden wohl Wohnhäuser statt Kinderbetreuung an der Hauptmann-Straße realisiert.

Münster – SPD und ALMA wollen die derzeit vier Gruppen und 100 Kinder fassende Betreuungsstätte seit Längerem fünfgruppig neu bauen und sehen sich nach Erhalt eines Bodengutachtens fürs Grundstück der einstigen Kläranlage am Werlacher Weg in ihrem Neubau-Plan an dieser Stelle bestärkt. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter scheiterte dann auch die CDU mit einem Vorstoß für einen Verbleib der Münsterer Kita am jetzigen Platz.

SPD und ALMA lehnten mit ihrer Stimmenmehrheit Anträge ab, mit denen die CDU nicht nur das eingeholte Bodengutachten als unzureichend deklarieren, sondern auch die Planungen fürs Kläranlagen-Gelände einstellen lassen und den Gemeindevorstand mit einem fünfgruppigen Neubau auf dem Bestandsgelände beauftragen wollte.

Eine Sanierung am jetzigen Standort käme nach bisheriger Auffassung aller Seiten wohl zu teuer, und den Bedarf an zusätzlichen Betreuungsplätzen in Münster (80 Kinder auf der Warteliste) sehen ebenfalls alle. Wo aber eine Kita mit Familienzentrum in größerer Form geschaffen werden soll, darin herrscht großer Dissens.

Die CDU ist mit der ausgeguckten Fläche am Werlacher Weg unglücklich und hatte wohl auch darauf gehofft, dass das Bodengutachten dort gewisse Altlasten nachweisen würde. Dem scheint nicht so, die Christdemokraten zweifeln die Aussagekraft der Untersuchung aber an. Für die SPD betonte derweil Jürgen Müller mehrfach, das Gutachten habe die positive Antwort auf die prinzipielle Eignung des Bodens als Standort für eine Kita geliefert und in weiteren Schritten würde der Grund ohnehin noch eingehender begutachtet.

Sozialdemokratin Erna Müller und ALMA-Fraktionschef Gerhard Bonifer-Dörr verwiesen dementsprechend darauf, am Bau am Werlacher Weg festzuhalten, was man im Februar für den Fall, dass das Gutachten in Ordnung sei, so beschlossen habe. Da die Kita nun fünf Gruppen kriegen solle und die Kirchengemeinde St. Michael im Komplex auch weiter die sozialen Funktionen eines Familienzentrums wahrnehmen wolle, brauche es den größeren neuen Standort.

CDU-Fraktionsvorsitzender Thorsten Schrod bemängelte, der alte Standort der Kita im Wohngebiet nahe der Aue-Schule sei „nie in die Planung einbezogen worden“. Gerade das dortige, stark bepflanzte Außengelände sei mit viel Herzblut eingerichtet worden und unbedingt erhaltenswert. Um das schmackhaft zu machen, deutete die CDU auch an, dass die Kita während der Bauzeit Unterschlupf in Containern auf dem nahen DJK-Gelände finden könnte. Darüber hat die CDU mit dem Verein bereits gesprochen. Müller und Bonifer-Dörr blieben mit ihren Fraktionskollegen geschlossen unerbittlich. Der ALMA-Fraktionsvorsitzende sagte in Richtung Schrod: „Was Sie uns hier vormachen wollen, ist blanker Unsinn!“

Leicht genervt antwortete auch Bürgermeister Gerald Frank (SPD) in einem seiner letzten Parlaments-Beiträge vor der Amtsübergabe an Wahlsieger Joachim Schledt (parteilos) auf eine Frage der CDU, was nach dem Abriss des alten Familienzentrums aus dem Noch-Kita-Standort an der Hauptmann-Straße werden könnte. „Was soll daraus in einem Wohngebiet schon werden?“, fragte Frank rhetorisch: „Natürlich Wohnbebauung!“

Ein außerdem von der CDU ins Spiel gebrachter Neubau der Kita St. Michael auf freien „Seerich“-Grundstücken anstelle am Werlacher Weg (das dortige Ex-Kläranlagen-Gelände gehört der Gemeinde) sei überdies unrealistisch, weil die klamme Gemeinde, deren Vorstand gerade eine Haushaltssperre verhängen musste, dann zusätzliche 1,5 Millionen Euro Grundstücks-Kosten tragen müsse. Franks letzte Replik auf die CDU-Gedanken: „Was Sie hier an Vorschlägen bringen, dient eher der Belustigung!“ (Von Jens Dörr)

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