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Konzert lässt Sorgen kurz vergessen

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Das Große Orchester in der zweiten Konzerthälfte. Dirigent Piotr Konczewski machte durch.
Das Große Orchester in der zweiten Konzerthälfte. Dirigent Piotr Konczewski machte durch. © zkn

Der Phönix zerfällt zu Asche und erhebt sich anschließend aus ihr – neu und kraftvoll. Mit der Phoenix Overtüre von Benjamin Yeo startete das Festliche Konzert des Musikvereins 1914 Münster in der Kulturhalle. Vielleicht war der Anfang als Trost fürs Publikum gemeint, dass irgendwann wieder bessere Zeiten kommen. Denn Corona geschuldet waren für den Einlass 2G und ein zusätzlicher Test gefordert, zusätzlich Masken am Platz. Vergangenes Jahr hatte das traditionelle Konzert am Samstag des ersten Adventwochenendes gar ganz ausfallen müssen. Rund 170 von 250 möglichen Plätzen waren nun besetzt. Und das Jugendorchester des Vereins, dem die fünf Stücke der ersten Konzerthälfte gehörten, tat sei Bestes, um das virale Geschehen einen kurzen Moment lang vergessen zu machen.

Münster - Bei der Komposition „Schmelzende Riesen“ von Armin Kofler, die laut Moderator Jürgen Groh „Ampel-politisch korrekt“ an die Klimaerwärmung erinnern soll, durfte das Publikum die Augen schließen und sich bei sanften Klängen zu majestätischen Eisbergen träumen. Musikalisch abrupt wurde dann plötzlich das Ausmaß der klimatischen Veränderung laut, bevor das Stück mit optimistischen Tönen auf eine bessere Zukunft verklang.

Piotr Konczewski vertrat den verhinderten Dirigenten des Jugendorchesters, Moritz Mainusch. Nur eine Woche lang hatte er Zeit für die Vorbereitung, verriet Groh. Kein Problem für den Mann, der in diesem Jahr mit dem Großen Orchester – Hauptdarsteller des zweiten Konzertteils – sein 20-Jahre-Jubiläum feierte. Die 31 jungen Blasmusiker auf der Bühne folgten Konczewski zu einem Medley der Rock-Band „Green Day“, zu „A Day of Hope“ von Fritz Neuböck und zu Melodien aus dem Kino-Musical „The Greatest Showman“. Bei letzterem huschte Groh mit wehendem goldenem Zirkusdirektor-Mantel durchs Publikum. Danach war Pause. Die Zuhörer schienen rundum zufrieden. Selbst die Corona-bedingte Entfernung der mobilen Wand zur Fensterseite hin, was den Schall nicht ganz optimal nach außen entfleuchen ließ, tat dem keinen Abbruch.

Man war dankbar, dass das Konzert überhaupt stattfand. So wie der Vorsitzende Niko Löwig dankbar war, dass ab diesem Sommer endlich wieder normal geprobt werden durfte. Obwohl die durch Corona wesentlich kürzere Vorbereitungszeit auf das Konzert hart war, wie seine Stellvertreterin Andrea Gloss zugab. Nach dem langen nur einzeln für sich allein Üben musste zunächst das gemeinsame Spiel trainiert werden. Die orchesterübergreifenden Zusammenschnitte von den selbst aufgenommenen Probe-Videos sämtlicher Musiker, die Klarinettist Simon Neidig erstellte, halfen da zwar ein wenig. Genau wie Online-Taktübungen mit dem eigenen Körper, Body Percussion genannt – aber eine Live-Probe ist eben nicht zu ersetzen.

Das Große Orchester – 38 Mitglieder waren auf der Bühne – rockte trotzdem den Saal. „Eye oft the Tiger“, Titelmelodie von Rocky III, „Hobbits“ aus Johan de Meijs erster Sinfonie „Der Herr der Ringe“ und dann die Liebes-Ballade „Something“ von Georg Harrison ließen das Publikum zunächst mit rocken und gleich darauf erneut die Augen schließen und genießen. Besonderes Highlight bei „Something“: das Posaunen-Solo von der Gewinnerin des aktuellen Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“, der 17 Jahre alten Julia Jaschek.

„Hurra, hurra“, der diesjährige Name des Festlichen Konzerts, eigentlich auf „Endlich wieder ein Auftritt“ gemünzt, lässt sich auch darauf anwenden. Und nach der Filmmusik des Disney-Klassikers „Ratatouille“ endete der Abend mit dem gleichnamigen Lied von Pumuckl und anderen Kindersendungen der 80er.  (zkn)

Die 17 Jahre alte Julia Jaschek hatte beim Stück „Something“ ein Posaunensolo. Im Frühjahr gewann sie den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“.
Die 17 Jahre alte Julia Jaschek hatte beim Stück „Something“ ein Posaunensolo. Im Frühjahr gewann sie den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“. © zkn

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