„Homeschooling“

Lernen während Corona: Ein Drittel der Grundschüler erscheint zum Unterricht

Corona in Münster: Aufhebung der Präsenzpflicht
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Die Schüler kommen auch bei aufgehobener Präsenzpflicht in reichlicher Zahl in die heimischen Grundschulen.

Trotz Aussetzung des Präsenzunterrichts kommen im Kreis Darmstadt-Dieburg viele Grundschüler zum Unterricht. Etwa ein Drittel besucht Schulen in Münster und Eppertshausen.

Münster/Eppertshausen – Zwar soll der Präsenzunterricht im Januar weitgehend ausgesetzt werden, doch stellt sich dies vor allem für die Grundschulen nicht so einfach dar. Rund 30 Prozent der Vorschulkinder sowie der Erst- bis Viertklässler gehen in Münster und Eppertshausen seit gestern wieder zur Schule, auch wenn die Hessische Landesregierung mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen entschieden hat, dass die Schulen auch nach dem 11. Januar noch nicht zum regulären Schulbetrieb zurückkehren können und sollen.

Corona im Kreis Darmstadt-Dieburg: Pandemie-Pläne an den Schulen

Die Schulleitungen und viele Lehrer arbeiten schon seit Anfang vergangener Woche an neuen Pandemie-Plänen. Einfach ist es im heimischen Raum nicht, einen Unterricht auf die Beine zu stellen, der den Kindern bei den herrschend Voraussetzungen auch gerecht wird. Denn für das Homeschooling beispielsweise fehlt es an vielem. Er findet eigentlich nur vom Zuhause der Lehrer aus statt, wie unsere Umfrage ergab.

In Altheims kleiner Regenbogenschule mit ihren 107 Schülern kamen gestern 31 zum Unterricht, berichtet Schulleiterin Natascha Heiß. Heimunterricht wird angeboten, allerdings nicht aus der Schule heraus, denn da fehlt es am Wesentlichen: kein oder nur „grottenschlechtes“ WLAN. Die Lehrer haben auch keine Dienst-Laptops, sie leisten das Homeschooling überwiegend mit eigenem Equipment von zuhause aus.

Lernen auf allen Kanälen: Schulen im Kreis Dieburg-Darmstadt in Zeiten von Corona

An der John-F.-Kennedy-Schule sind 100 von 500 Schülern gestern zum Unterricht erschienen, doch ist sich Schulleiterin Nicole Sabais sicher, dass es kommende Woche weitaus mehr sein werden. „Viele Eltern haben noch nicht recht verstanden, dass es um drei Wochen geht, in denen die Präsenzpflicht ausgesetzt ist und die Kinder den Schulen möglichst fern bleiben sollen.“ Doch auch sie und ihr Leitungsteam haben sich auf die Zeit der improvisierten Beschulung so gut es eben geht eingestellt. Lernen mit allen Sinnen und auf allen vorhandenen Kanälen soll es geben. Wobei auch hier die Sache mit der Daheim-Beschulung problematisch ist. Zwar wird auch „ein wenig“ Video-Unterricht aus der Schule selbst heraus angeboten, doch reichen die technischen Voraussetzungen nicht weit. Ohne die Lehrer und deren digitale Heim-Arbeit käme dieser Unterricht viel zu kurz. Zwar gibt es ein WLAN, doch ohne Glasfasernetz (Münster will erst eines aufbauen) kommt die größte Gesamtschule im Kreis damit nicht weit. Die 35 Lehrer sind für ihre 21 Schulklassen an der Kennedy-Schule jedenfalls voll im Einsatz.

30 von 210 Kindern waren gestern in den Klassen der Stephan-Gruber-Schule in Eppertshausen live dabei, es gibt aber bereits schon mehr Anmeldungen für die kommende Woche, sagt Schulleiterin Marion Lehr. An der Schule wird der Distanzunterricht von den Lehrern von zuhause aus gestemmt. Das digitale Netz Im Niederfeld, es bricht ständig – weil nicht leistungsfähig – zusammen,.„Wir warten schon lange auf die vom Kreis zugesagten Laptops für die Lehrer“, sagt Lehr. Sechs tragbare Leih-Rechner haben man für sozial schwach gestellte Eltern bekommen, die freilich jetzt alle im Einsatz seien. Ein Tropfen auf den heißen Stein.

Corona im Kreis Darmstadt-Dieburg: Mit roten Schulbussen zum Unterricht

37 von 108 Schülern wurden gestern überwiegend mit den kleinen roten Schulbussen an die Mira-Lobe-Schule gebracht, die als Sprachförderzentrum des Kreises Kinder aus über 30 Orten des östlichen und mittleren Landkreises in Eppertshausen unterrichtet. Für die Kids daheim hat das Team von 20 Lehrerinnen rund um Schulleiterin Jutta Meier bereits in der vergangenen Woche den Unterricht virtuell vorbereitet. Auch hier gilt: Ohne Engagement und Einsatz aller von zuhause aus ginge wenig bis nichts. Kein WLAN, nur ein pädagogisches Netz funktioniert an der Schule. Doch auch in letzteres loggen sich die Pädagoginnen am besten mit eigenem Gerät ein: Dienst-Laptops gibt es nicht. Die 15 Tablets für den Unterricht sind – an Eltern verliehen – alle im Einsatz, vorinstalliert fürs ausschließliche Homeschooling.

Und wie sieht es an der Schule auf der Aue aus? An der kooperativen Gesamtschule erfolgten bis Freitagmittag nur 16 Anmeldungen zum Präsenzunterricht in den Klassenstufen 5 und 6, die immerhin 300 Schüler umfasst. Die Abschlussklassen an der von 976 Schülern besuchten Schule haben Anwesenheitspflicht, immerhin 110 Schüler drücken so noch die Schulbank. Und der Rest erfährt laut Schulleiterin Sabine Behling Distanzunterricht mit Wochenplänen, Arbeitsaufträgen und per Videoübertragung. Letztere wird ebenfalls überwiegend aus den Wohnungen von Lehrern heraus gestaltet. Doch gab es gestern Vormittag auch schon für die fünften Förderschulklassen Englischunterricht per Livestream aus der Schule heraus, freute sich die Leiterin.

Schule während Corona: Lob für Lehrer im Kreis Darmstadt-Dieburg

Auch auf der Aue klappt das mit dem WLAN nicht, aber wenigstens wurden noch vor den Ferien Hotspots in der Schule installiert. „Die Zugänge wurden aber noch nicht vergeben“, sagt Behling, hoffend, dass die zuständigen Lehrer nun bald ihre Lizenzen dafür bekommen. „Bedauerlich, dass hier noch kein Glasfaser liegt“, beklagt auch sie.

Und wie ihre Schulleiter-Kollegen ist sie voll des Lobes über ihr Kollegium: „Ohne das überaus hohe Engagement unserer stark belasteten Pädagogen und ohne deren privaten technischen Gerätschaften und Anschlüsse sehe die Unterrichtsabdeckung viel, viel schlechter aus.“ Doch Behling ist optimistisch, schließlich reagierten alle Betroffenen auf die Corona-Maßnahmen jetzt wesentlich besser als noch vergangenes Frühjahr. (Thomas Meier)

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