Kuhschiss-Bingo beim TSV

Langes Warten auf des Rindviehs Fladen

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Rindbvieh Stubsi fehlte die Erfahrung, sie verweigerte sich ein wenig bei ersten Altheimer Kuhschiss-Bingo.

Altheim -   Wie viele Leute lange Zeit geduldig auf einen echten Sch... warten können, bewies die Kuhschiss-Party, zu der der TSV Altheim anlässlich seines 130-jährigen Bestehens am Freitagabend auf seinen Sportplatz einlud. Von Thomas Meier 

Zwar blieb der Rasen des gepflegten Platzes, auf dem 300 Planquadrate fürs große Wettspiel eingezeichnet waren, bis zuletzt (nahezu) unbeschmutzt, doch unberührt blieb wohl keiner der Beobachter des Bingos der eher anrüchigen Art. Letztlich gab es gar drei Gewinner. Doch der Reihe nach.

Die Kuhschiss-Wetterei lief im Vorfeld der abendlichen Party am Vereinsheim. Mitten auf das auch in sehr trockenen Tagen sattgrün gehaltene Spielfeld hatten die Verantwortlichen um Tobias Vagts, TSV-Vorstandsmitglied und Mitorganisator des im Glücksfall pladdernden Entscheids, die 300 Quadrate mit weißen Kreidelinien eingezeichnet, auf die Freunde solcher außerordentlichen Sportwetten schließlich setzen konnten. Zehn Euro waren pro Feld zu berappen, rund die Hälfte der Planquadrate fanden bis zum Auftritt des alles entscheidenden Rindviehs einen Abnehmer.

„Es ist die erste Kuhschiss-Party, die wir hier geben“, informierte Vagts, der auch als Schiedsrichter im Spiel um den Fladenfall agierte. Mit dem Verkauf der Lose sei man zufrieden, 50 Prozent des Einsatzes seien für denjenigen Wetteinsetzer vorgesehen, auf dessen Quadrat der erwartete Mist niederginge. 30 und 20 Prozent fielen auf diejenigen benachbarten Felder, die am ärgsten in Mitleidenschaft gezogen würden. Denn so ganz zielgenau seien die Kühe bei ihrer erwarteten Verrichtung nicht immer, erklärte der Experte.

Er hatte sich glücklicherweise im Vorfeld kundig gemacht übers viehische Spiel, das aus dem Alpenländischen komme. Dort rufe man in ganz Dimensionen zur Schisserei auf, weiß der TSV. Bis zu 3000 Felder würden da auf Almen ausgewiesen.

Und dort wird gewartet, bis sich der Erfolg natürlich einstellt. Weil die TSV-Oberen durch Recherche wussten, dass sich die Erwartung auf einen rechten Stuhlgang über viele Stunden hinziehen kann, schrieben sie eine Kurzversion aus. Sollte nach 90 Minuten kein Schiss die Grasfläche verunzieren, beglücke der rechte Vorderhuf des ausgesuchten Viehs die Gewinner. Dort, wo der dann steht, holt der Bärtl zwar nicht den Most, zockt aber der Sieger die Euro ab.

So sollte es also geschehen, als die zwölfjährige Annika Himmelreich mit der schwarzbunten Kuh Stubsi vom Lindenhof in Kleestadt die Arena, pardon: den Platz betrat. In Ermangelung eigener Rindviecher am Ort mussten die Altheimer auf den Bestand von Familie Deiler zurückgreifen, und Ingo Deiler hatte die einjährige Schwarzbunte ausgesucht.

Annika Himmelreich führte den muhenden Glücksbringer zunächst ums mit Trassierband abgezäunte Spielfeld herum, um mit der Färse dann die Quadrate zu begehen, auf denen sie stehend zu Potte kommen sollte.

Doch es zeigte sich schnell, dass es wohl bis zum Abschluss eines Geschäfts dauern könnte. Erst blieb Stubsi Annika dicht auf den Fersen, dann rückte sie dem Trassierband nahe und inspizierte die Lage. Außer Annika und einer Helferin mussten nun alle Zuschauer den Sportplatz verlassen. Hinter der Absperrung durfte ein Blick aufs überdimensionale Freiluftklo geworfen werden.

Bilder: Kuhschiss-Party des TSV Altheim

Das fand Stubsi eher fad. Sie ging an den Spielfeldrand, der dem Festgeschehen am nächsten lag, und glotzte aus treuen Kuhaugen zum Bierstand. Von dort gab es nun Rufe, das Vieh möge sich eher zur Mitte trollen. Dorthin, wo des Rufers gesetzte Felder lagen. Also besannen sich die Spielemacher und ließen das Publikum ganz nahe an die Beschisszone. Nun kam Leben ins Feld. Stubsi zog Annika quer über den Platz, verließ auch schon mal die Quadratur durchs Plastikband, woraufhin sie wieder zurück getrieben wurde.

Nach gut einer Stunde großes Raunen: Stubsi krümmte den Buckel und hob den Schwanz. Ziemlich genau in der Mitte des Platzes. Doch was kam, war nur Wasser, das das Rindvieh ließ. Für einen Gewinn fehlte es da doch an Substanz.

Auf die Sekunde nach 90 Minuten erlöste Schiri Vagts das Publikum. Die Kuh stand mucksmäuschenstill mit beiden Vorderhufen auf Planquadrat E13, auf das auch ein Zocker gesetzt hatte. Schnell wurden die benachbarten Preisträger ausgelotet, die Kuh vom Zwang erlöst und die Preisträger ermittelt.

Ob sie nochmals einen solchen Wettbewerb ausloben wollten? „Sicher“, frohlocken die TSV-ler, „wann bekommt man für eine Party so viele Gäste schon ab 18 Uhr aufs Festgelände?“

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