Münster entdeckt Open-Air-Angebote

Kultur im Freien mit Lesung und Dialekt-Konzert

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Abwechselnd lasen Meddi Müller (links) und Daniel Holbe dem entspannten Publikum am See in Münster kurze Geschichten aus dem Frankfurter Leben vor.

Münster - Das kulturelle Angebot der Gemeinde wächst stetig. Neben zahlreichen Veranstaltungen, die in Hallen angeboten wurden und werden, findet sich Kultur jetzt auch unter freiem Himmel. Mit einer Lesung plus Konzert punkteten die Veranstalter beim Publikum. Von Peter Panknin 

Neue Stätte des kulturellen Erlebens ist das Freizeitgelände der Gemeinde, wo es ja auch einen schön angelegten See gibt. Zwischen Grillhütte und See verstellten Bauzäune kurzzeitig den allgemeinen Zugang, nur wer eine Eintrittskarte im Vorverkauf oder an der Abendkasse erworben hatte, wurde eingelassen. Eher zaghaft nahmen Münsters Bürger das Angebot wahr, aber auch so mancher Gast aus Nachbargmeinden hatte sich eingefunden.

Für den Start eines neuen Parts – Kultur in frischer Luft, heute auch Open-Air genannt – war die Nachfrage jedoch Hoffnung erweckend gut. Lena Brunn, Olaf Burmeister-Salg und Gerald Frank von der Verwaltung ließen es sich nicht nehmen, einen persönlichen Eindruck der Akzeptanz des neuen Angebotes beim Publikum zu gewinnen.

Die neue Lokalität allein war es nicht, die die Besucher neugierig gemacht hat. Immerhin bot das Programm etwas für Freunde der Literatur und für die der Musik. Nach der kurzen Begrüßung der Gäste durch Burmeister-Salg startete der literarische Teil des Abends. Daniel Holbe und Meddi Müller nahmen auf der Bühne, die auf einem Anhänger errichtet war, Platz. Erheiternd die sogar leuchtende Stehlampe, die man den Schriftstellern zur Verfügung gestellt hatte.

Das künstliche, elektrisch erzeugte Licht focht einen nicht gewinnbaren Kampf gegen die tiefstehende Abendsonne, die Autoren und Texte von hinten beleuchtete. Selbst die acht zusätzlich aufgebauten Scheinwerfer vermochten da nicht zu helfen. Zeit spielte streckenweise auch eine Rolle bei der Lesung. Müller und Holbe lasen aus dem Buch „Ein Viertelstündchen Frankfurt“ vor. „Viertelstündchen“, weil es sich um Kurzgeschichten über Frankfurt, geschrieben von bekannten Autoren aus der Region, drehte. Neben dem Bezug zu Frankfurt haben die Geschichten noch etwas gemeinsam – sie sollen alle innerhalb einer Viertelstunde gelesen werden können. Deshalb prüften die beiden Akteure auf der Bühne auch die benötigte Zeit des jeweils Vorlesenden und teilten das Ergebnis dem erheiterten Publikum mit. Es stimmte nur selten.

Aus der Geschichte „Zeitreise“ von Andrea Haberney erfuhren die Zuhörer, warum Frankfurt einst „getränketechnisch“ von Brauereien beherrscht wurden, heute jedoch nicht mehr. Meddi Müller, Feuerwehrmann, Schriftsteller, Verleger und Radiomoderator, erzählte in einer Geschichte über die Hintergründe des Frankfurter „Briggegickel“, während Daniel Holbe seinem Metier, dem Kriminalroman, mit der Geschichte „Wie Goethe seinen Kopf verlor“ treu blieb. Allesamt Geschichten, die Neugier auf mehr Erzählungen wecken, und „rein zufällig“ hatten die beiden ein paar „Viertelstundenbücher“ dabei, die käuflich erworben und damit die Neugier gestillt werden konnte.

Währenddessen war die Sonne weiter gewandert und das Duo „Welthits auf Hessisch“, Tilman Birr und Elis Bihn, hatte die Bühne übernommen. Vorsichtshalber fragten die beiden mal nach, ob denn auch Menschen mit „nichthessischer Herkunft“ im Publikum weilten und erkundigten sich besorgt, ob sie, die Sänger, denn auch verstanden würden. Musikalisch war rein gar nichts an den Vorträgen auszusetzen, denn die beiden beherrschten ihre Instrumente, Gitarren, aufs Beste. Und das Hessische. Ein Leckerbissen für Lokalpatrioten. Beispiele gefällig? Aus „New York, New York“ wird „Neu-Iseborsch“, statt „I Will Survive“ heißt es bei den beiden „Isch werd´s überlebe“. Herrliche Musik, sprachlich erheiternd angepasst, sorgte für viel stilvolle Unterhaltung, die das Publikum mit dankbarem Beifall honorierte.

Nach einer kurzen Umbaupause sorgte dann das in Münster bekannte Duo „Aroha“, bestehend aus Sue Ferrers und Steffen Huther, mit folkloristischer Musik für gute Laune bei den Gästen bis zum Schluss. Ein gelungener Versuch, auch in Münster ein Open-Air-Event zu etablieren. Ob sich der Erfolg fortsetzen wird, soll die kommende Veranstaltung am Donnerstag, 5. Juli, mit dem Titel „Serenaden am See“ zeigen.

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