Kunden helfen aus der Patsche

Lädchen erlebt nach Ausfall der Kühlschränke große Solidarität

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Inventur an den neuen Kühlschränken: Betreiberin Felicitas Lauszat hat aus der Not eine Tugend gemacht  – dank enormer Unterstützung aus der Altheimer Bevölkerung.

Aus der Not eine Tugend gemacht – so kann man wohl das auf den Punkt bringen, was sich in der vorvergangenen Woche im Altheimer Lädchen abgespielt hat.

Altheim – Die Woche begann für Betreiberin Felicitas Lauszat mit einem Schock, setzte sich mit einer Welle der Solidarität fort und mündete in eine energetische und die Betriebskosten senkende Investition.

Das letzte Lebensmittel-Geschäft im 2 700 zählenden Münsterer Ortsteil sichert die Nahversorgung gerade der älteren Altheimer und ist auf seinen 110 Quadratmetern auch Bäckerei-Verkaufsstelle, Poststelle und kommunikativer Treffpunkt. Als Lauszat am Montagmorgen vor zwei Wochen aufschloss, erlebte sie ein Desaster. „In meiner Kühltheke war die Kühlung ausgefallen“, berichtet sie. „Als ich den Laden samstags zugemacht hatte, war noch alles in Ordnung.“ Am Montag nicht mehr: „Statt vier Grad Celsius waren es jetzt 30.“ Die Lebensmittel musste sie entsorgen, vor allem aber rasch wieder den Betrieb in Gang setzen.

Lauszat behalf sich interimsweise nicht nur mit einer Kühlbox aus dem Lager. Als sich in Altheim herumsprach, was der beliebten Kauffrau widerfahren war, „da ist bei mir die Gänsepelle rauf- und runterhüpft“, erzählt sie ergriffen. Weil die alte – und energetisch veraltete – Kühltheke dauerhaft den Geist aufgegeben hatte, brachte ein Kunde seinen Kühlschrank aus dem Partykeller vorbei. Der Dieburger Gastronom Tobias Niestatek, bis Juni dieses Jahres Wirt in der Römerhalle, half mit drei weiteren Kühlschränken aus. Wobei es in Sachen Hilfe fürs Altheimer Lädchen nicht bleiben sollte.

Denn Lauszat deutete den Komplettausfall als Zeichen: Nun machte sie Nägel mit Köpfen und sich auf die Suche nach neuen Kühlschränken. Vier Stück, gefunden zum Preis von je 840 Euro netto bei einem Gastronomielieferanten, stehen seit ein paar Tagen an Ort und Stelle der alten Kühltheke. „Ich selbst hätte so viel Geld nicht investieren können“, sagt sie. Da treue Kunden aus Altheim aber seit Monaten den Laden mit monatlichen Spenden oder einmaligen Zuwendungen unterstützen, „waren 6 000 Euro im Pott, aus denen ich die Kühlschränke anschaffen konnte“. Mehr noch: Die Kosten für einen der vier Kühlschränke übernahm kurzerhand komplett ein Kunde. „Ich wusste erst mal gar nicht, was er von mir will“, kann Lauszat diese Großzügigkeit noch immer kaum fassen.

Öffentliche Zuschüsse für die Maßnahme – etwa aus der LEADER-Förderung des Europäischen Union, die den ländlichen Raum stärken will – erhielt sie übrigens nicht. Derlei wäre bestenfalls frühestens im kommenden Jahr drin gewesen, sagt die Betreiberin, die in der Vergangenheit insbesondere mit der Gemeinde und dem Regionalmanagement des Landkreises im Ideenaustausch über Zukunftschancen für ihr Geschäft stand. „Ich brauchte die neuen Kühlschränke aber jetzt.“

Die Neuanschaffung soll dank deutlich besserer Energieeffizienz von nun an jedenfalls die monatlichen Stromkosten in Höhe von 1 000 Euro senken. „Als nächstes Projekt planen wir, die Kühltruhen durch neuere und sparsamere zu ersetzen.“ Bereits ausgetauscht wurden die Leuchten, das Lädchen erstrahlt jetzt im LED-Licht. „Das spart uns pro Jahr aber nur 60 Euro“, rückt die Unternehmerin die Verhältnisse zurück. Bei allen infrastrukturellen Optimierungen bleibe es essenziell, dass die Altheimer ihr Lebensmittel-Geschäft noch besser frequentierten. „Denn was nutzen die modernsten Kühlschränke, wenn sie nicht leer gekauft werden?“, fragt Felicitas Lauszat rhetorisch.
VON JENS DÖRR

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