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Ein bisschen Weihnachtsatmosphäre gibt es beim lebendigen Adventskalender in Altheim. Eines der Türchen wurde bei Familie Koch in der Flurstraße geöffnet.
Ein bisschen Weihnachtsatmosphäre gibt es beim lebendigen Adventskalender in Altheim. Eines der Türchen wurde bei Familie Koch in der Flurstraße geöffnet. © Just

Mal digital, mal in Präsenz: Die Evangelische Kirchengemeinde Altheim zieht ihren Lebendigen Adventskalender durch. Andere Kommunen wie Eppertshausen haben ihren komplett abgesagt. 

Altheim – „Es ist das erste Mal, dass wir beim lebendigen Adventskalender mitmachen“, sagt Joachim Koch. Den großen Carport vor dem Haus in der Flurstraße hatten er und seine Familie dafür bestens hergerichtet: Tannenzweige mit Lichterketten sorgten für Heimeligkeit, dazu luden Stehtische mit Kerzen zum Verweilen ein. Aus zwei riesigen Töpfen stieg der Duft von Glühwein und Kinderpunsch empor. Auch an eine Anlage für besinnliche Musik hatte die Familie gedacht. Schließlich sollten die Besucher bestmöglich auf Weihnachten eingestimmt werden.

Beim lebendigen Adventskalender erklären sich 23 Teilnehmer im Ort bereit, jeden Abend in einem anderen Hof eine kleine Zusammenkunft mit adventlicher Note zu organisieren. Jeder ist willkommen, in der Regel dauern die Treffen 20 bis 30 Minuten. Meist werden Lieder gesungen, ein Gedicht vorgetragen und manchmal sogar ein Instrument gespielt. Bei jungen Familien tun sich hier oft die Kinder hervor. Einige Teilnehmer bieten ihren Gästen im Anschluss noch Glühwein und Kinderpunsch (kostenfrei oder gegen Spende) an. Das schafft Gemütlichkeit für einen Plausch, der sich fast immer zum Ausklang ergibt. Soweit das Verfahren ohne Virus und Pandemie.

„2020 hatten wir den Kalender komplett online gemacht und alle stellten ihre Beiträge mit Bildern oder Videos auf die Gemeindehomepage“, berichtet Marion Berz vom Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde. „In diesem Jahr war die Wahl zwischen einer Präsenzveranstaltung, einem Internetauftritt und einem verzierten Fenster.“ Wie sie ergänzt, entschieden sich sechs Familien unter Einhaltung der Hygieneregeln für ein Stelldichein in ihrem Hof, zwölf für das Netz und vier für ein geschmücktes Fenster. Letzteres kann jeder Bürger individuell anlaufen und bewundern. Für zwei Adventstage fanden sich keine „Gestalter“.

Die erzielten Spenden vom Glühweinausschank gehen an den Darmstädter Verein „Weiterleben“.
Die erzielten Spenden vom Glühweinausschank gehen an den Darmstädter Verein „Weiterleben“. © Just

„Da alles im Freien abläuft und die Abstandsregel gilt, haben wir uns für eine Durchführung mit Präsenz entschieden“, erläutert Joachim Koch. Wer Glühwein wollte, musste aus hygienischen Gründen seine eigene Tasse mitbringen. Bei den Spenden für die Heißgetränke entschieden sich die Gastgeber, diese komplett an einen guten Zweck (den Darmstädter Verein „Weiterleben“) zu übergeben. In puncto Darbietung griff man auf Auszüge aus der Weihnachts-CD der Feuerwehrmusik Altheim zurück. Ihr gehören gleich zwei Familienmitglieder an. Die CD ist noch brandaktuell und wurde erst im vergangenen Jahr aufgenommen.

Beim Blick auf die Präsenzveranstaltungen fällt auf, dass es vor allem die Mitglieder des lokalen Kirchenvorstands sind, die etwas bei sich im Hof organisieren. So gehören sowohl Marion Berz, Salborgh von Ketelhodt-Kuznik und Christa Panknin dem Kirchenvorstand an. „Den Menschen fehlen gerade unheimlich die Kontakte und viele sehnen sich nach ein bisschen Kommunikation“, sagt Salborgh von Ketelhodt-Kuznik. „Deshalb wollen wir unser Türchen mit einer realen Begegnungsmöglichkeit verbinden.“ Am kommenden Freitag, 17. Dezember, lädt sie mit ihrem Mann in den Meisenweg ein.

Den lebendigen Adventskalender gibt es in Altheim seit vier Jahren. Vor Corona erlebte er stellenweise einen riesigen Zuspruch. Einige Familien begrüßten 40 bis 50 Erwachsene und Kinder in ihrem Hof. Jetzt in der Pandemie ist die Zahl weitaus geringer. Zwischen zehn und 25 Personen kamen bisher zu den Präsenzveranstaltungen.

Einen Tag nach Familie Koch öffneten Christa und Peter Panknin ihr Türchen. Bei ihrem Adventsbeitrag machte sich das Ehepaar besonders viel Mühe: Zu Beginn stand eine Einspielung aus dem Weihnachtsoratorium von Händel an. Dann wurde eine Geschichte vorgelesen und als Höhepunkt sangen Christa Panknin und Nachbarin Ella Kraus noch drei Weihnachtslieder. Da zahlte sich aus, dass die beiden Frauen Mitglieder im MGV Altheim sind und mit ihren Sopran-Stimmen wichtige Stützen des Chors darstellen. Auch bei den Panknins gab es im Anschluss Glühwein und nette Gespräche. (Michael Just)

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