Neujahrskonzert mit Landesjugend-Sinfonieorchester

Leisen Violinen folgt tosender Beifall

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Nachdem sich Bürgermeister Gerald Frank beim Dirigenten Rüdiger Bohn bedankt hatte, überreichte er der Konzertmeisterin Aki Endo aus Rödermark einen Blumenstrauß.

Münster - Guten Anklang beim Publikum findet das Neujahrskonzert in der Kulturhalle der Gemeinde. Von Peter Panknin

Um den musikalisch engagierten Gruppierungen und Vereinen zum Jahresanfang ein entspanntes Genießen zu ermöglichen, wird stets hochwertige Unterhaltung durch externe Ensembles geboten. Nach dem Heeresmusikkorps Veitshöchheim (2015), dem Landesjugend-Sinfonieorchester Hessen (2016) und dem Polizeiorchester Bayern stand nun das Landesjugend-Sinfonieorchester Hessen erneut auf der Bühne.

Der langjährige Chefdirigent, Nicolás Pasquet, hatte Rüdiger Bohn als Gastdirigent entsandt, in seiner Begleitung zwei Solistinnen, die ihre Stimmen als Instrument hervorragend zu nutzen wissen. Mehr als 400 Besucher wussten das Angebot zu schätzen. Es waren nicht nur musikalisch Engagierte aus Münster, die den großen Saal der Kulturhalle füllten, auch aus der weiteren Umgebung, sogar aus Frankfurt waren die Leute gekommen.

Wer allerdings „Neujahrskonzert á la TV“ mit Walzerklängen aus Wien erwartet hatte, wurde enttäuscht. Selbst dran schuld, denn es war eindeutig angekündigt, dass Auszüge aus Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ und die Sinfonie Nr. 8 G-dur op 88 von Antonín Leopold Dvorák zum Vortrag kommen werden. Die Bühne der Kulturhalle war gut gefüllt, nachdem die jungen Nachwuchskünstler unter dem Beifall des Publikums eingezogen waren und ihre Plätze eingenommen hatten. Das Dirigentenpodest, aus Sicherheitsgründen nach hinten mit einer Absturzsicherung versehen, verschaffte Bohn eine gute Übersicht über sein Orchester und bot Halt beim energiegeladenen Dirigieren.

Seine Musikerlaufbahn begann Bohn mit regelmäßigen und erfolgreichen internationalen Auftritten als Konzertpianist. Nach Meisterkursen bei Leonard Bernstein, Sergiu Celibidache und John Eliot Gardiner widmet er sich nunmehr ganz dem Dirigieren. Seine dynamische Art riss das Orchester mit, ließ aber auch den beiden Solistinnen hinreichende Entfaltungsmöglichkeiten. Ihre Stimmen waren stets klar und mit sauberen Tönen zu vernehmen, das Orchester erdrückte sie nicht. Mit ihren Arien aus der Oper „Hänsel und Gretel“ bewiesen sowohl die Sopranistin Paula Bohnet als auch die Mezzosopranistin Sarah Mehnert, dass sie wohl am Anfang einer hoffnungsvollen Karriere als Sängerinnen sind und mit einem kraftvoll agierenden Orchester mithalten können. Mit riesigem, donnerndem und durch Fußstampfen verstärktem Applaus wurden die Solistinnen vom Publikum verabschiedet. Danach gönnten sich Orchester und Publikum eine Pause, in der lebhafte Gespräche über das bisher gehörte geführt wurden.

Zündenden Melodien mit heiterem Charakter bestimmen die achte, auch „englische“ genannte Sinfonie. Von hoher Dynamik geprägt trug das Orchester das Werk vor. Leiseste Töne, eine herabfallende Stecknadel im Zuschauerraum hätte das Orchester übertönen können, kennzeichneten die eine Seite einer gedachten Skala, um über helle Fanfarenklänge zum vollen Umfang des kraftvollen Klanges eines Orchesters die andere zu erreichen. Selbst praktizierende Musiker im Publikum wussten das zu schätzen und belohnten den Einsatz des Ensembles auf der Bühne mit Beifall, der mehr als rauschend war und von Bravo-Rufen begleitet wurde. Strahlende Gesichter bei den jungen Musikern auf der Bühne, beim Dirigenten und der nicht enden wollende Beifall des Publikums führte zu mehreren Zugaben, die voller Spielfreude und mit hoher Kunstfertigkeit dargeboten wurden.

Bürgermeister Gerald Frank ließ es sich nicht nehmen, zwischen den Zugaben dem Dirigenten Rüdiger Bohn sowie der jungen Konzertmeisterin Aki Endo aus Rödermark jeweils einen Blumenstrauß zu überreichen. Nach endgültigem Ende des Konzertes verließen überwiegend gut gelaunte Menschen den Saal, fröhliche und von Anspannungen befreite junge Musiker machten sich daran, ihre Instrumente sorgfältig zu verpacken.

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