Volles Heimatmuseum

„Die Lutherin“ in der Langsmühle

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Eine sparsame Gestik und die gefühlvolle Sprechweise von Elisabeth Förster zogen das Publikum im vollbesetzten Heimatmuseum Münster in den Bann der Katharina von Bora.

Münster - Im Museum an der Gersprenz ist derzeit die Ausstellung „Here I stand – Martin Luther, die Reformation und die Folgen“ zu besichtigen. Jetzt kam seine Gattin in der Langsmühle zu Wort. Von Peter Panknin 

Der englische Titel hat seine Ursache darin, dass diese in Wittenberg konzipierte Wanderausstellung zum Reformationsjubiläum erstmals in den USA gezeigt wurde und unverändert nach Münster kam. Bildtafeln informieren über Luther und die Reformation, Tische mit Büchern zum Thema, Tafeln mit Namen evangelischer Pfarrer in Altheim sowie das Raibacher Reformationstriptychon sind als Ergänzung hinzugefügt.

Doch damit nicht genug, denn die Atmosphäre des Ausstellungsraumes hat die Veranstalter dazu inspiriert, von Luther auch hören zu lassen. Nicht seine Kirchenlieder erklangen, aber Luthers Ehefrau, Katharina von Bora, erschien im Museum und berichtete aus der Erinnerung an vergangene Zeiten.

Die in Dieburg lebende Schauspielerin Elisabeth Förster hat nach intensiven eigenen Recherchen über die Frau an Luthers Seite ein Stück geschrieben, in dem über das Leben im frühen 16. Jahrhundert berichtet wird. Nicht im Allgemeinen, sondern aus Sicht der Katharina von Bora, Tochter aus verarmtem adligen Geschlecht, vom verwitweten Vater ins Kloster gegeben. Mit ruhiger Stimme berichtet sie am Küchentisch, der auf der improvisierten Bühne das zu Hause der Luthers darstellt, über erste Erfahrungen, die die junge Frau im Kloster machte, über Beweggründe, die die Flucht aus dem sicheren Ort ins Ungewisse auslösten und über das erste Verliebtsein. Nicht in Martin Luther, das kam erst später, dafür umso intensiver.

Stellwände und Büchertische waren zur Seite gerückt, um 65 Stühlen Platz zu machen. Jeder Platz war besetzt und in atemloser Stille folgten die Zuhörer gebannt den Ausführungen. Sparsame Gesten und ausdrucksvolle Sprechpausen verliehen dem Dargebotenen eine eigene Dynamik in der Ruhe. Etwas, das man heute kaum noch kennt und daher umso wirkungsvoller erscheint.

Bei gelassenem Tun im Haushalt sinniert Katharina über Geschehnisse mit und um ihren Martin, der seine Kirche nie spalten wollte, nur für Veränderungen plädierte. Sie erzählt, leicht aufbrausend, über die vielen Gäste, die ihr Martin ins Haus holte, obwohl kein Geld da war. Stolz klingt in ihrer Stimme mit, wenn sie berichtet, wie der eigene Fleiß und die eigene Geschicklichkeit dazu geführt haben, dass es schließlich einen gewissen Wohlstand im Hause Luther gab. Trauer liegt in Stimme und Gestik, wenn sie den Abschied von den verstorbenen Kindern scheinbar nochmals erlebt. Am Ende ihrer Darstellungen merkt man deutlich, dass sie von Vergangenem sprach. Vor seinem Bildnis, eine Rose davor platziert, schilderte sie Martins Lebensende und beschreibt, wie sie das eigene kommende Ende nahen fühlt. Auch über die gesellschaftliche Stellung der Frauen in damaliger Zeit wird berichtet, wie rechtlos sie eigentlich waren. Obwohl durch Testament ihres Mannes „abgesichert“, blieben ihr nur Spinnstock und Stuhl, wie vom damaligen Gesetz vorgesehen.

Reise auf den Spuren Martin Luthers

Sie zeigt sich kämpferisch, die Katharina von Bora, und geht dagegen an. Nicht unbedingt erfolgreich, aber beitragend zu nachfolgenden gesellschaftlichen Umbrüchen. Umbrüche erkennt man nicht immer, wenn man mittendrin ist. Erst die Geschichte zeigt die wahren Ausmaße auf. Diskussionen hierüber waren die Folge des „Ein-Frau-Stückes“, die sich nach ausgiebigem Beifall für Elisabeth Försters Darstellung der „Lutherin“ im Erdgeschoss des Museums ergaben.

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