Junge Kandidaten bei der Kommunalwahl: Der 24-jährige Altheimer Dominik Löbig (FDP)

Münsters FDP-Mann der Zahlen, nicht der Luftschlösser

Mann der Zahlen, nicht der Luftschlösser: Der 24-jährige Dominik Löbig kandidiert bei der Kommunalwahl am 14. März in Münster für die FDP.
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Mann der Zahlen, nicht der Luftschlösser: Der 24-jährige Dominik Löbig kandidiert bei der Kommunalwahl am 14. März in Münster für die FDP.

Nachwuchs in der Politik ist gefragt. Eine gute Einstiegsmöglichkeit fürs politische Engagement bieten die Ortsparlamente, die die Hessen bei der Kommunalwahl am 14. März für die nächsten fünf Jahre neu bestimmen. Vor dem Urnengang porträtieren wir von allen Wahllisten den jüngsten Kandidaten beziehungsweise die jüngste Kandidatin vor – sofern höchstens 30 Jahre alt.

Münster – Heute: Dominik Löbig (24), der für die FDP Münster auf Listenplatz 5 antritt.

Was ein fünfter Platz auf der Liste des FDP-Ortsverbands Münster und Altheim bei der Kommunalwahl am Sonntag letztlich wert sein wird, ist noch schwer abzuschätzen. Schließlich treten die örtlichen Liberalen neu formiert an, nachdem sie in der Gersprenz-Gemeinde eine 24 Jahre währende parlamentarische Pause machten. Als letztmals ein FDP-Politiker in der Münsterer Gemeindevertretung sprach, war Dominik Löbig gerade geboren. Im Dieburger Krankenhaus, weshalb die Nachbarstadt auch als Geburtsort in Pass und Wahlvorschlag steht. „Ich wohne aber bereits mein ganzes Leben in Münster“, sagt der 24-Jährige und präzisiert, dass die letzten 19 Jahre davon auf Altheim entfallen.

In Münster und Altheim ging Löbig auch in Kindergarten und Schule, lernte im Hallenbad schwimmen. Neben dieser Heimatverbundenheit liebt er aber auch das Reisen, „jederzeit in andere Länder ein- und ausreisen und fremde Kulturen kennenlernen zu können, vermittelt mir als freiheitsliebender Mensch ein Gefühl der Selbstbestimmung, wie es kaum ein anderes Hobby kann“. Weshalb es ihn besonders schmerzt, dass die Corona-Pandemie diese Freiheit gerade eingeschränkt. Zumal er auch das Stadionhobby –seit einigen Jahren ist Löbig Dauerkarten-Besitzer bei der Frankfurter Eintracht – nicht ausleben kann. „Bleiben noch Kochen und Yoga“, nennt er übrige Freizeitaktivitäten.

Während ungewiss ist, wann er wieder ins Ausland oder zumindest zum Fußball kann (oder beides zusammen, sollte die Eintracht nächste Saison in Champions- oder Euro-League spielen), liegt etwas anderes klar auf der Hand: nämlich für welchen Fachausschuss des Münsterer Parlaments Dominik Löbig infrage käme, sollte er ein Mandat gewinnen. Der zahlen- und wirtschaftsaffine Altheimer, der an der Landrat-Gruber-Schule in Dieburg sein Fachabitur machte, danach eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolvierte und sich nun seinem Bachelor an der Frankfurt School of Finance & Management nähert, wäre prädestiniert für den Haupt- und Finanzausschuss. Entsprechend gefällt ihm eine Aussage im Wahlprogramm der Münsterer FDP besonders gut: jene von der „Politik, die rechnen kann“. Dazu gehört für den Studenten, „dass zwar wünschenswerte, nicht jedoch lebensnotwendige Investitionen in einer angespannten Haushaltssituation wie der unseren zunächst den Top-Prios unterzuordnen sind“. Zu den wichtigsten Prioritäten zählt der Schatzmeister des Ortsverbands, der aus einem „politisch sehr interessierten“ Elternhaus komme, die Versorgungssicherheit etwa in der Senioren- und Kinderbetreuung und im Brand- und Katastrophenschutz.

Den 24-Jährigen mussten die Münsterer Liberalen übrigens nicht bitten, seinen Hut am 14. März in den Ring zu werfen: Er bot seine Kandidatur selbst an und freute sich, als die Mitglieder nicht nur grundsätzlich grünes Licht gaben, sondern ihm auch Platz 5 auf der 16 Personen umfassenden FDP-Liste zugestanden. Sollte er weder nach oben noch nach unten kumuliert und panaschiert werden, könnte es ab einem zweistelligen Wahlergebnis für die Liberalen etwas mit seinem Fraktionssitz werden. „Ein großer Vertrauensvorschuss in unserem vergleichsweise kleinen Ortsverband, der dafür aber umso aktiver ist.“

Aktiv werden will Löbig auch auf der Einnahmenseite der Gemeinde, „durch die Ansiedlung von Gewerbe im Frankenbach-Gelände und Breitefeld“. Nur mit einem starken Gewerbe werde Münster „auch zu einem attraktiven Ausbildungsstandort für junge Schulabsolventen aufsteigen“. Da er seit einigen Jahren durch Schule, Arbeit und Studium nach Dieburg, Darmstadt, Aschaffenburg und Frankfurt pendle, wisse er auch, „wie wichtig eine entsprechend zuverlässige und sinnvoll getaktete Anbindung an unsere Wirtschaftszentren ist“. Zugleich wäre gerade den älteren Menschen in Münster „sehr geholfen, wenn die interkommunale Vernetzung wichtiger Anlaufstellen – wie Arzt, Bäcker, Supermarkt, Friseur und Optiker – gewährleistet würde. Hier wollen wir uns für eine Ausweitung des Nahverkehrs stark machen, unter anderem in Form eines Citybusses.“

Noch wichtiger als irgendwelche Luftschlösser für Münster sind Dominik Löbig unterdessen die „Hauptfaktoren erfolgreicher Politik. Dieses Thema bedeutet mir tatsächlich sehr viel.“ Denn er habe den Eindruck, „dass wir in den vergangenen Jahren viele Probleme nicht lösen konnten. Das geht über die Grenzen Münsters hinaus.“ Das geschehe vor dem Hintergrund, „dass sich die meisten Parteien in ihrer Zielfindung bei unterschiedlichsten Themen doch eigentlich einig, lediglich aber hinsichtlich des Weges unterschiedlicher Auffassungen sind.“ Deswegen wünsche er sich „konstruktiv geführte Diskussionen über unterschiedliche Lösungsansätze“, die am Ende „idealerweise zu Innovation, zur besten Idee ausgetüftelt werden“. Wohingegen er mit „Diffamierung, Parteitaktik und nicht gerade zielführenden Diskussionen, wer was in der Vergangenheit unter welcher Führung falsch gemacht hat“, als lösungsorientierter Mensch nichts anfangen könne. (Von Jens Dörr)

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