Münster

Awo-Kapitel beendet: Gemeinde betreibt jetzt Kindertagesstätte

Das Schild kann ab: Statt der Awo betreibt nun die Gemeinde Münster die Kita an der Gersprenz.
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Das Schild kann ab: Statt der Awo betreibt nun die Gemeinde Münster die Kita an der Gersprenz.

Dem Zerwürfnis folgt die Trennung. Die Kindertagesstätte an der Gersprenz wird nicht mehr von der Arbeiterwohlfahrt betrieben, sondern von der Gemeinde selbst. Außerdem gibt es einen Beschluss zu Kita-Gebühren.

Münster – Für die Erzieherinnen der Kita an der Gersprenz sowie die Eltern der etwa 50 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren herrscht nun wieder etwas mehr Klarheit: Die Arbeiterwohlfahrt ist nicht mehr Betreiberin der Kita. Anfang Juni hatte unsere Zeitung über das Zerwürfnis zwischen der Gemeinde Münster und der AWO family gGmbH erstmals berichtet.

Die Kita ist seit 2017 interimsweise im ehemaligen Münsterer Jugendzentrum – gegenüber dem Wanderheim – untergebracht und soll perspektivisch einen Neubau auf dem Frankenbach-Gelände erhalten. Ein Neubau an der Stelle des für seine Ursprungszwecke nicht mehr genutzten Juz ist laut Bürgermeister Gerald Frank (SPD) ausgeschlossen, weil es sich in direkter Nachbarschaft zur Gersprenz um Überschwemmungsgebiet handelt. Demnächst soll für die Kita erst einmal eine neue Übergangslösung in Räumen des Hallenbads geschaffen werden, die bislang der Landkreis Darmstadt-Dieburg für die Betreuung von Kindern der Kennedy-Grundschule angemietet hat.

Von all diesen Notlösungen und mit Blick auf den Kita-Neubau noch schwammigen und weit entfernten Perspektiven waren weder Elternvertreter noch Arbeiterwohlfahrt begeistert. Letztere hatte vor einiger Zeit zudem eine neue Führung in der Awo family gGmbH erhalten, wodurch sich laut Gemeinde die Zusammenarbeit verschlechtert hatte. Vor vier Wochen schließlich kündigte die Awo ihren Betreibervertrag vorzeitig zum Ende des Junis, sodass für die Zeit ab dem 1. Juli eine neue Lösung her musste.

Diese wurde mit dem Betrieb durch die Gemeinde Münster selbst und die Übernahme des erzieherischen Personals zunächst auf Verwaltungsebene beschlossen. Am 23. Juni hatte der damals noch als „Notparlament“ tagende Haupt- und Finanzausschuss die vorzeitige Auflösung des Betreibervertrags mit der Awo zum 30. Juni beschlossen. Trotz der Bedeutung der Entscheidung wartete man damit nicht auf die nächste Sitzung der vollständigen Gemeindevertretung, weil die erst am 1. Juli stattfand und die Zeit drängte.

Die kompletten Gemeindevertreter nahmen die Veränderung in der Münsterer Kita-Landschaft in ihrer Sitzung am vergangenen Mittwoch daher nur noch zur Kenntnis. Die Betreuung in der Kita an der Gersprenz bleibt nahtlos gewährleistet.

In einem eigenen Beschluss zum Thema Kinder-Tagesstätten votierten die Gemeindevertreter in ihrer Sitzung außerdem einstimmig dafür, dass Münster wegen des Corona-Notbetriebs – und dadurch gegenüber vielen Familien nicht erbrachten Kinderbetreuungs-Leistungen – darauf verzichtet, die Kita-Gebühren und das Verpflegungsentgelt einzuziehen. Dies betrifft die Monate April, Mai und Juni. VON JENS DÖRR

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