„Die Stimmung ist gut“

Bürgermeister-Wahl Münster: Amtsinhaber Gerald Frank will Innenverdichtung statt weiterem Baugebiet

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Bürgermeister Gerald Frank hat noch viele Pläne in seinem Büro, die er in nächster Amtszeit umsetzen möchte – so er denn die Mehrheit hinter sich bekommt.

 Zur Bürgermeister-Wahl will Amtsinhaber Gerald Frank Innenverdichtung statt weiterem Baugebiet. Das Areal „Seerich“ soll die Gewerbesteuer „stark verbessern“, doch Fortschritte im Breitefeld gestalten sich als „sehr mühselig“ .

Münster – „Die Stimmung ist gut“, sagt Gerald Frank. „Es gibt viele positive Reaktionen von Bürgern auf die Entwicklung von Münster in den letzten fünf Jahren.“ Mit breiter Brust geht der Amtsinhaber in die Bürgermeister-Wahl am 26. April, in der er den Chefsessel im Rathaus ein zweites Mal zu erringen versucht. Auf die Verwaltungsimmobilie als teurer Sanierungsfall kommt der 60-Jährige beim Ritt durch zentrale Themen der 15 000-Einwohner-Gemeinde allerdings erst zum Schluss zu sprechen.

Sozialdemokrat Frank, der in der Gemeindevertretung die Mehrheit aus SPD und ALMA hinter sich weiß und sich bei der Personenwahl in zweieinhalb Monaten dem parteilosen, von der oppositionellen CDU unterstützten Joachim Schledt gegenüber sieht, zeigt sich optimistisch, dass der Wähler seine bisherige Arbeit mit einer zweiten Amtszeit belohnen wird. „Es gibt Verständnis, wenn nicht alles sofort umgesetzt werden kann, vor allem, wenn bei geplanten Sanierungen neue Mängel aufgedeckt und tiefer gehend analysiert und geplant werden muss“, sagt er. Die Bürger wollten, „dass ich die von mir initiierten Projekte auch umsetze“.

Das gelte beispielsweise für den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung. „Und das gilt für die Ortsentwicklung, für die ich Bund-Land-Städtebaufördermittel von 6,5 Millionen Euro sichern konnte.“ Auch um die Sanierungsfälle wie Schwimmbad und Rathaus sowie die Entwicklung des Frankenbach-Geländes wolle er sich weiter kümmern und ist guter Dinge, dass sich die Mehrheit der Wähler das auch wünsche.

Wer am 26. April wahlberechtigt ist, hat Glück: Er hat schon einen Erstwohnsitz in der Gersprenz-Gemeinde. Die erfreue sich bei Zuzüglern großer Nachfrage, was aber auch eine Herausforderung mit sich bringe, so Frank: „Wir spüren hier den Wohnungsdruck ausgehend von Frankfurt, wo jährlich tausende Wohnungen gebaut werden, es aber trotzdem nicht ausreicht.“ Da könnte man schnell verlockt sein, nach dem komplett vermarkteten Baugebiet „Im Seerich“ bald das nächste Stück grüne Wiese zu entwickeln. Frank tritt dem entgegen: „Eine Ausweisung neuer Wohngebiete steht nicht auf der Agenda. Wir wollen zusätzlichen Flächenverbrauch möglichst vermeiden und beschränken uns auf eine moderate Innenverdichtung mit dem Ziel, insbesondere für Familien Ausbaumöglichkeiten zu schaffen, damit mehrere Generationen unter einem Dach leben können.“ Zudem solle die Innenentwicklung ihren Beitrag für mehr bezahlbaren Wohnraum leisten.

Der soll teilweise auch auf dem Frankenbach-Gelände –dem größten zu entwickelnden Münsterer Grundstück in den nächsten Jahren – errichtet werden. Frank hat sich schon lange für einen Bebauungsmix im Südwesten der Gemeinde, unweit der Bahnlinie, ausgesprochen: „Gewerbe, Seniorenwohnen, Kinderbetreuung und bezahlbares Wohnen – und das alles als zukunftsweisende Plus-Energie-Siedlung. Das sind genau die Dinge, die Münster braucht.“ Zudem nehme die Gemeinde die Rolle als Trendsetter ein: „Wir sind eine von acht hessischen Modellkommunen für Plus-Energie-Siedlungen. Hier schaut nicht nur Hessen auf uns. Dieses Projekt ist für ganz Deutschland von Bedeutung.“

Schon länger sei Münster „ganz vorne in der Reihe für den Klimaschutz“. Unter anderem der Fakt, dass die Gemeinde die erste im Landkreis war, die einen Klimaschutz-Manager einstellte, stützt seine Aussage..

Mit Blick auf Wasser- und Energieverbrauch taugen Hallenbäder derweil kaum als klimafreundliche Aushängeschilder. Die Erhaltung des vielfältig zu sanierenden, derzeit und wohl noch vier Jahre geschlossenen Bads steht für Frank dennoch nicht in Frage: „Münster ohne Hallenbad ist für mich nicht denkbar. Wir brauchen das Bad, damit unsere Kinder schwimmen lernen. Und wenn wir weiterhin ein attraktiver Wohnort bleiben wollen.“ Zur Entlastung der Haushalte von Kommunen mit Bädern müsse „vor allem das Land Hessen beitragen“, findet der Amtsinhaber. Auf seine Initiative hin sei von der Bürgermeister-Kreisversammlung ein Arbeitskreis eingerichtet worden, der sich mit der Frage befasse, wie die Schwimmbad-Infrastruktur des Kreises von 16 Bädern für 300 000 Einwohner erhalten und zugleich die Last für die Standortkommunen reduziert werden könne.

Die eigenen Einnahmen bei der vergleichsweise dürftigen Münsterer Gewerbesteuer zu steigern, sei indes in die Wege geleitet: „Die Ansiedlung der Gewerbebetriebe im ,Seerich’ wird mittelfristig die Gewerbeeinnahmen der Gemeinde stark verbessern“, ist der Bürgermeister überzeugt. In Breitefeld („Da ist die Entwicklung vor Jahren völlig daneben gelaufen“) sei dagegen „nur sehr mühselig voranzukommen“, da sich die Grundstücke nahezu ausschließlich in Privatbesitz befänden. Franks bisheriger und auch künftiger Ansatz: „Mit dem Arbeitskreis Breitefeld, der sich aus Mitgliedern der Fraktionen, Eigentümern und Gewerbetreibenden zusammensetzt, sind wir dabei, Wege zu einer besseren gewerblichen Nutzung zu finden. Zunächst geht es darum, die Infrastruktur vor Ort zu verbessern. Das heißt: Ausbau der Straßen und Gehwege, schnelles Internet, Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.“

Womit die Rede noch einmal auf die millionenschwere Rathaus-Sanierung kommt. Diese umfassende Maßnahme habe gegenüber einem der Lieblingsprojekte des „Titelverteidigers“ Vorrang: der Umwandlung des Rathaus-Platzes vom pragmatischen Parkplatz zum liebenswerten (freilich weiter Parkplätze bietenden) Örtchen mit Aufenthaltsqualität. „Bevor wir den Platz angehen, muss das Rathaus energetisch saniert werden. Am Ende steht dann der Platz an.“ Darunter müsse zuerst ein Regenrückhaltebecken gebaut werden, „so wie es im Klimaschutz-Teilkonzept als Maßnahme gegen Starkregen geplant ist“.

Die Neugestaltung des Platzes, die schon einmal deutlich näher schien, ist ob der großen vorherigen Schritte nur noch Zukunftsmusik. Oder eins von vielen Projekten, die Gerald Frank zwar anleiere und plane, aber nicht zu Ende bringe, wie ihm die CDU und Herausforderer Joachim Schledt gern vorwerfen? Frank entgegnet entspannt, dass die bisherige Arbeit rund um den Rathaus-Platz keine vergebene Liebesmüh und kein vergeudetes Geld gewesen seien: „Die Planungen für die Umsetzung, die unter Beteiligung der Bürger ja schon erstellt sind, müssen zum gegebenen Zeitpunkt nur aus der Schublade gezogen werden.“

VON JENS DÖRR

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