Nicht gruslig: Flatterer faszinieren

Buntes Programm von NABU und lebendige Fledermäuse zur Batnight

+
Zur Batnight im Heimatmuseum waren sie die Stars: Fledermäuse. Dieses Exemplar könnte auch den „Gremlin“-Filmen entsprungen sein.

„Die Schönen der Nacht“ präsentierte der Naturschutzbund Münster am Samstagnachmittag im und am Museum an der Langsmühle.

Münster –  Freilich dabei hoffend, dass die Fledermäuse – obwohl in den vergangenen Jahren stark dezimiert – noch lange nicht zu musealen Ausstellungsobjekten werden, sondern munter weiter nächtens durch die Gegend flattern. Ein umfangreiches Programm und die dazu passende Lokalität sorgten für großen Besucherzuspruch.

Das Konzept der Veranstalter ging auf: Ein wenig näher an die natürlichen Lebensräume von Abendsegler und Zwergfledermaus wollte man kommen und so präsentierten der NABU-Ortsverband und der Heimat- und Geschichtsverein die internationale Batnight im Heimatmuseum, der alten, stilvollen Langsmühle am Gersprenzufer, die tatsächlich auch noch von den Flatterflüglern umkreist wird. Im vergangenen Jahr war zur Fledermaus-Nacht, die Ende August bundesweit vom NABU veranstaltet wird, noch das Freizeitzentrum als Standort auserkoren worden, auch naturnah, aber etwas weiter ab vom Ort. Der Zuspruch bestätigte die Mühlen-Entscheidung.

Für die Kinder gab es Bastelaktionen, sie konnten Fledermauskästen bauen oder Papp-Batmans falten. Sowohl vor der Mühle als auch innen gab es zahlreiche Informationsangebote auf Schautafeln und Bannern. Aber so richtig eng wurde es im großen Ausstellungsraum im ersten Stock des Museums, als um 16 Uhr lebendige Fledermäuse gezeigt werden sollten. Kinder und Erwachsene drängten sich um die kleinen Plastikkästen, in denen die Pflege-Fledermäuse noch ganz unaufgeregt schliefen, war es doch noch nicht die Zeit für Zwergfledermaus und Braunes Langohr, sich ans jagende Nachtwerk zu machen.

Ute Wernicke vom Fledermausschutz Südhessen und dem NABU Obertshausen hatte zwei Langohren mitgebracht und viel über ihre Pflegeflatterer zu erzählen. Etwa, dass sie ein Pärchen im Gepäck habe, wenn sie auf solche Veranstaltungen reise. Denn: „Fledermäuse sind sehr soziale Tiere und nicht gern allein. Außerdem kuscheln sie gern.“ Was auch gleich zu beobachten war.

Ihre Pflegekenntnisse eignete sich die Expertin im großen Netzwerk der Fledermausfreunde an. Seit 20 Jahren hilft sie kranken oder verwaisten Flatterern wieder auf die Flügel. Über die Pflege und die Situation zur Fledermauspopulation informierte ausführlich auch Biologe Dirk A. Diehl aus Babenhausen vom Fledermausschutz Südhessen. Vor allem der Auswilderung wurde dabei breiter Raum gewidmet.

Das Langohr trägt seinen Namen zurecht.

In vielen Gesprächen informierten auch die Fledermausexpertinnen Karin Banki und Ute Teichmann vom NABU Münster sowie Angelika Emig-Brauch vom Verein MUNA (Mensch, Umwelt, Natur, Arten) aus Heppenheim. 25 Fledermausarten gibt es in Deutschland, 19 davon in Hessen.

Und keine einzige Art spielt Dracula und ernährt sich von Blut. Alle Fledermäuse fressen ausschließlich Insekten. Und genau dies, das machten die Referenten klar, ist ein Problem für die Tiere, denn das dramatische Insektensterben wirkt sich freilich auch negativ auf die Fledermausbestände aus.

Neben dem Nahrungsmangel leiden Fledermäuse außerdem stark unter Wohnungsnot. Durch die Sanierung alter Gebäude und das Abholzen von alten Bäumen finden Fledermäuse immer weniger Unterschlupf. Von den 25 heimischen Fledermausarten sind vier akut vom Aussterben bedroht. Drei Arten gelten als stark gefährdet und weitere fünf sind als gefährdet eingestuft.

Ute Teichmann, Karin Banki, Angelika Emig-Brauch und Dirk A. Diehl (hinten Mitte von links) präsentierten und informierten im Museum über Fledermäuse.

Umso wichtiger ist es, über die Tiere aufzuklären und zu vermitteln, wie jeder ihnen helfen kann. Etwa, indem man Gärten insekten- und fledermausfreundlich gestaltet. „Wer Fledermäuse in den eigenen Garten lockt, wird bald feststellen, dass sie kein bisschen gruselig sind, sondern faszinierende Flugkünstler, die in den Abendstunden ihr ganzes Können zeigen“, berichteten die Expertinnen.

Bevor sie gegen Abend noch zu einem Detektorrundgang an der nahen Gersprenz einluden, bei dem die Stimmen der nächtlichen Jäger hörbar gemacht wurden, gab Matthias Kisling einen Überblick über die Kartierungsergebnisse der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises zum benachbarten Messeler Hügelland.

VON THOMAS MEIER

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare