Schledt muss in sauren Apfel beißen

Frankenbach-Gelände: CDU scheitert mit Antrag auf reines Gewerbegebiet

Aufwertung: Derzeit ist das Frankenbach-Gelände an eine Dieburger Firma zwischenvermietet, die dort Trucks abstellt. Künftig sollen hier Familien und Senioren wohnen, Kinder betreut werden, und Unternehmen können ihren Geschäften nachgehen – dabei wird mehr Energie erzeugt als lokal verbraucht wird.
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Aufwertung: Derzeit ist das Frankenbach-Gelände an eine Dieburger Firma zwischenvermietet, die dort Trucks abstellt. Künftig sollen hier Familien und Senioren wohnen, Kinder betreut werden, und Unternehmen können ihren Geschäften nachgehen – dabei wird mehr Energie erzeugt als lokal verbraucht wird.

Es war keine Überraschung: Der Antrag der CDU in Münster, das Frankenbach-Gelände entgegen bisheriger Pläne zum reinen Gewerbegebiet zu entwickeln, ist auf der Gemeindevertreter-Sitzung abgelehnt worden.

Münster – SPD und ALMA votierten erwartungsgemäß dagegen und plädieren weiterhin für die auch von Noch-Bürgermeister Gerald Frank (SPD) und der Verwaltung bevorzugte Plus-Energie-Siedlung. Sie soll auf dem 3,2 Hektar großen Areal zwischen Göbelstraße und Bahnlinie Gewerbe, Wohnen, Seniorenpflege und eine neue Kita vereinen. Der im Oktober als neuer Bürgermeister die Amtsgeschäfte aufnehmende Joachim Schledt (parteilos, unterstützt von der CDU) muss damit gleich in einen sauren Apfel beißen.

Denn Schledt hatte sich im Wahlkampf wie die CDU klar als Anhänger der Entwicklung zum reinen Gewerbegebiet positioniert. Ein solches Gebiet war das Frankenbach-Gelände auch bis zu seinem Verkauf an die Hessische Landgesellschaft (HLG), die im Auftrag der Gemeinde zuschlug und 147 Euro pro Quadratmeter bezahlt haben soll. So viel Geld, dass eine Refinanzierung der Investition über ein reines Gewerbegebiet gar nicht mehr möglich sei, weil die Wohnbebauung pro Quadratmeter deutlich höhere Erlöse erziele, wie Gerald Frank erläuterte.

Der noch aktuelle Rathaus-Chef gab zugleich preis, dass es hinsichtlich der Gewerbesteuer eher auf die geschickte Auswahl ansiedlungswilliger Firmen ankomme denn durch eine Ausnutzung der kompletten Fläche: So seien bei dieser Steuerart seitens Frankenbach zuletzt keine nennenswerten Beträge geflossen. Insofern ist die aktuelle Interimslösung mit der Vermietung der Fläche durch die HLG an eine Dieburger Firma, die dort ihre Lastwagen abstellt, rein finanziell gar kein großer Aderlass für die Gemeinde. Außerdem habe auch der Vorbesitzer die Entwicklung eines Mischgebiets angestrebt, auf dessen Gestaltung und Belegung die Gemeinde durch ihren Zuschlag über die HLG nun aber größeren Einfluss habe.

CDU-Fraktionschef Thorsten Schrod betonte hingegen, das Gelände sei „prädestiniert, um es als Gewerbegebiet zu entwickeln“. Bei der Frage, ob Münster zusätzlichen Wohnraum brauche, gab es keinen Dissens mit Frank – bei der Attraktivität des Frankenbach-Geländes für Häuslebauer aber schon: Schrod empfindet Wohnen dort wie Joachim Schledt eher deplatziert, auch wegen der Lage an der Bahnlinie.

Frank ist anderer Auffassung. Da dort weder Schnell- noch Güterzüge verkehrten und im weiteren Verlauf entlang der S-Bahn ab Ober-Roden die Baugebiete an den Gleisen (zum Beispiel in Ober-Roden) fleißig wachsen, könnten sich viele Menschen sehr wohl vorstellen, dort heimisch zu werden.

Schrod kritisierte den Amtsinhaber, dessen letzter Arbeitstag der 4. Oktober ist, für die hohen Ankaufpreise, die die HLG gezahlt habe. „Sie haben mit der Festlegung auf ein Mischgebiet den Preis hochgetrieben“, meinte Schrod. Obwohl eine Refinanzierung durch ein reines Gewerbegebiet nun auch in seinen Augen kaum mehr möglich sei, sei es wegen dringend benötigter Gewerbesteuer-Einnahmen der Gemeinde (Münster liegt bei den Pro-Kopf-Einnahmen im Landkreis Darmstadt-Dieburg auf dem vorletzten Platz, hat auch den kreisweit höchsten Hebesatz) langfristig doch die bessere Möglichkeit. „Diese Kröte müssen wir schlucken.“ Im Übrigen könne man auch ein reines Gewerbegebiet so entwickeln, dass es der Plus-Energie-Idee – mehr lokale Energieerzeugung als die örtlichen Betriebe brauchen – folge.

Sozialdemokratin Elke Müller machte in ihrer Antwort auf Schrods Ausführungen die (gewiss nicht allzu großen) die Hoffnungen der CDU auf einen Sinneswandel bei SPD und ALMA zunichte: „Wir lehnen Ihren Wunsch ab.“ Man brauche auf dem Frankenbach-Gelände eine Plus-Energie-Siedlung mit seniorengerechtem Wohnen, Wohnbebauung und Kinderbetreuung. „Ein dringend benötigter Kita-Neubau in Münster kann nur auf dem Frankenbach-Gelände entstehen.“ Ergo sprachen sich SPD und ALMA dafür aus, die bisherigen Pläne zu verfolgen. Ein Auftrag der von den Münsterern 2016 ebenfalls mehrheitlich gewählten Gemeindevertretern, bei dem dann der jüngst ebenfalls demokratisch legitimierte Joachim Schledt gegen seine Meinung handeln muss.  jd

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