Kunst in der Natur

U-Boot im Forst und Stele für Fossilien

Roger Rigorth arbeitet mit Hammer und Meißel Wirbel an der Stele für Messel heraus.
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Roger Rigorth arbeitet mit Hammer und Meißel Wirbel an der Stele für Messel heraus.

Altheims Künstler Roger Rigorth schafft Skulpturen für Waldkunstpfad und Grube Messel.

Altheim/Messel/Darmstadt – Kunst im Freien und ohne Maske: Der 10. Internationale Waldkunstpfad startet am Samstag, 15. August, wegen der Corona-Krise kleiner als gewohnt. Es gibt weniger Führungen und Kunstwerke im Bessunger Forst. Zusätzlich wird es diesmal aber auch welche am Unesco-Welterbe Grube Messel geben. Eines davon liegt derzeit noch unfertig in der Scheuer des einstigen Hessischen Hofs in Altheim. Roger Rigorth baut eine sechs Meter Hohe Stele, die in einigen Wochen gegen Ende des Waldkunstpfades feierlich auf dem Vorplatz des Besucherzentrums zur Unesco-Welterbestelle bei Grube Messel enthüllt wird. Schon zur Eröffnung des Kreativpfades wird indes Rigorths U-Boot im Forst wieder auftauchen: In frischem Glanz mit stahlverstärkten inneren Werten.

Die Vorbereitungen für den 10. Waldkunstpfad – „Kultur/Natur/Identität“ lautet das Motto – seien schwierig gewesen, erklärt Kuratorin Ute Ritschel. „Anlässlich des Jubiläums hatten wir viele Pläne mit internationalen Künstlern, doch in Zeiten von Corona und Reisebeschränkungen mussten wir flexibel bleiben und haben trotz allem zahlreiche Projekte ermöglichen können“, sagt Ritschel. Bis zum 4. Oktober stellen sich 15 Künstler aus acht Ländern auf dem 2,6 Kilometer langen Rundweg mit Objekten, Installationen, Performances und musikalischen Beiträgen vor. Erstmals bezieht der Verein für Internationale Waldkunst das Unesco-Welterbe Grube Messel mit ein, wo ab dem 13. September drei der teilnehmenden Künstler ihre Arbeiten präsentieren. Durch den Vorteil, in der Natur arbeiten zu können und dabei den Wald und die Natur auch zu reflektieren, seien in den letzten Monaten Arbeiten zum Thema entstanden, die sonst vielleicht nicht möglich gewesen wären.

Das neue U-Boot wird nicht nur Kinderherzen erfreuen.

Und im Wald werkelt auch der Altheimer Rigorth seit Wochen. Er holte sich gar seine „Heimarbeit“ mühsam mit seinem Traktor aus Darmstadts Forst nach Altheim: Eine rund zehn Meter hohe Douglasie, die im vergangenen Jahr einem Sturm zu Opfer gefallen war, dient ihm als Grundstock für die Stele, die vor dem Besucherzentrum in Messel einmal die Brücke von Kunst zu Fossilien schlagen soll. Sechs Meter wird seine Säule aus zwei aus dem Stamm geschlagenen Löffelgestängen an der Grube Messel in die Höhe ragen, der Korpus wird umwoben von geflochtenen Korbelementen und teilweise aufgefüllt mit Seilgewebe. Es wird einen direkten Bezug zur global berühmten Fossilienfundstätte geben, denn die Stele stilisiert eine Wirbelsäule. Zwischen hölzernen Knochen und stählernen Bandscheiben winden sich geflochtene Körper. „Nur dass meine Stele einen Korpus in voller Ausdehnung darstellt. Ein Gegensatz zu den zwischen Schiefer plattgedrückten Fossilienfunden Messels.“

Zehn Meter misst die Douglasie für die Stele.

Das knapp 20 Meter lange hölzerne U-Boot, das Rigorth zum Thema „Expedition“ bereits 2004 aus dem Waldboden auftauchen ließ, hatte eine Fotografie aus einem alten National-Geographic-Heft als Ideengeber. Dreimal wurde das Werk renoviert, bis es im Sommer 2018 aus Sicherheitsgründen komplett „versenkt“, also abgebaut werden musste. Nun kann ein neues Boot „bespielt“ werden. (Von Thomas Meier)

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