Dietrich Faber

Stand-up-Comedy im pulsierenden Münster

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Selten präsentierte sich Dietrich Faber (links) als lesender Buchautor. Meist performte er seine Romanfiguren auf der Bühne, mitunter in Begleitung seines Musikerkollegen Tim Potzas.

Münster - Hessen ist nicht gleich Hessen – wer dies noch nicht wusste, konnte sich am Samstagabend von Dietrich Faber, dem „Botschafter von Ober- und Mittelhessen“ überzeugen lassen.

Der Buchautor, Musiker und virtuose Erzähler trat in der Kulturhalle auf, also im „heißen, pulsierenden Süden“, wie der gebürtige Gießener das Rhein-Main-Gebiet fast ehrfurchtsvoll beschrieb.

Dort – mitten im „pulsierenden Süden“ – musste die Mischung aus Lesung, Konzert und Stand-up-Comedy vom Foyer der Halle in den großen Saal verlegt werden. Schon im Vorverkauf fand die Veranstaltung erfreulich großen Zuspruch.

„Die Idee, Dietrich Faber an die Gersprenz zu holen, hatte Jasmin Frank, die die Büchereien in Münster und Altheim leitet“, sagte Lena Brunn, in der Gemeinde zuständig für das Kulturprogramm. Faber hat bereits vier Kriminalkomödien veröffentlicht, stellte nun den fünften Band der Reihe mit dem Titel „Hessen zuerst“ vor.

Seine Bücher stehen in den Münsterer Büchereien selten im Regal, sind meistens ausgeliehen, denn die Fangemeinde ist auch im heimischen Raum groß. Den Autor auf die Kulturhallenbühne zu holen, war also kein allzu großes Wagnis. Mehr als 150 Gäste kamen, um die vergnügliche, knapp zweieinhalbstündige Bühnenshow zu erleben.

Den erfahrenen Lesern sind die Figuren der Kriminalkomödien um den untalentierten Ex-Kommissar Henning Bröhmann längst bekannt. Doch auch Neulinge fanden schnell Zugang zu den Charakteren. Unter ihnen auch die Kinder Bröhmanns, die sich mit jedem Band der Krimireihe mehr und mehr von Kleinkindern über pubertierende Quälgeister zu jungen Erwachsenen entwickeln, die allmählich ihre eigenen Wege gehen.

Auch Romanfigur Manni Kreutzer war mit von der Partie. „Der Manni ist mittlerweile nicht mehr unter meiner Kontrolle“, stellte sein Schöpfer fest. Bevor er aber resigniert, habe er entschieden, das inzwischen autarke „Lyrische Ich“ einfach mit auf die Bühne zu holen und mit ihm in einen Dialog zu treten. Überhaupt hatte die Buchvorstellung mit einer klassischen Lesung nichts zu tun.

Vielmehr performte Faber eine Bühnenshow, bei der die sonst üblichen Genre-Grenzen aufgehoben wurden. So berichtete er nicht einfach von seinem Ausflug mit einer Gruppe Akademiker, die beim „Holz machen“ im Wald ihre archaische, ursprünglich-wilde Seite entdecken und ausleben wollen. Er schuf aus dieser Erfahrung auch einen Country-Folksong, der voller Melancholie und Sentimentalität vom Männerschnupfen – als Folge des eines zu langen Aufenthalts im Wald – erzählt.

Allerdings doch mit einem kleinen Hoffnungsschimmer am weit entfernten Horizont, denn letztlich mache er aus jedem „Minus ein Blues“, wie Faber alias Manni Kreutzer zusammen mit seinem Musikerkollegen Tim Potzas sang.

Ein „Männerding“ ist auch das Grillen, bei dem die ungeschriebenen Regeln und Gesetze der rauen Männergemeinschaft unbedingt eingehalten werden müssen. Das lernt auch Romanheld Henning Bröhmann, als er es wagt, neben gehaltvolle Steaks und Koteletts sein fettarmes Bio-Hühnerfleisch in einer Alufolie auf den Holzkohlegrill zu legen.

Faber hätte für sein neuestes Werk aber nicht den Titel „Hessen zuerst“ in Anlehnung an Donald Trumps „America first“ gewählt, gäbe es nicht auch einige politische Elemente. So ließ der Autor einige seiner Romanfiguren kontrovers über Fragen wie „Wuthesse oder Guthesse“ diskutieren und überließ die Beantwortung dann dem Leser oder, wie jetzt, den Zuhörern.

Obwohl Fabers Bücher großen Lesespaß und seine Bühnenshows äußerst vergnügliche Unterhaltung versprechen, haben sie doch auf verschiedenen Ebenen, von Gesellschaft bis Politik, einen weit darüber hinaus gehenden Anspruch. Es menschelt eben überall – ganz besonders in der hessischen Provinz – ob in Oberhessen oder im „heißen, pulsierenden Süden“. (zeta)

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